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4000 Pfeifen - von winzig bis riesengroß

4000 Pfeifen - von winzig bis riesengroß

Völklingen. Welche Überraschung! Die Orgel der Völklinger Versöhnungskirche ist, über eine abschließbare Tür und eine schlichte Holztreppe, begehbar. Dahinter verbergen sich Schwellwerk, Hauptwerk und Pedal, mithin drei von vier Pfeifenwerken. Das vierte Pfeifenwerk nennt man Rückpositiv, weil es sich im Rücken des Organisten befindet

Völklingen. Welche Überraschung! Die Orgel der Völklinger Versöhnungskirche ist, über eine abschließbare Tür und eine schlichte Holztreppe, begehbar. Dahinter verbergen sich Schwellwerk, Hauptwerk und Pedal, mithin drei von vier Pfeifenwerken. Das vierte Pfeifenwerk nennt man Rückpositiv, weil es sich im Rücken des Organisten befindet. Dessen Spieltisch, mit drei Manualen und einem Pedal (entsprechend den erwähnten Pfeifenwerken) und 54 klingenden Registern ermöglicht ein riesiges Klangspektrum - dazu später mehr. An die 4000 Pfeifen enthält die Völklinger Orgel - superkleine, mittlere, und riesige - mit ungewöhnlich klingenden Namen wie Gemshorn, Quintatön, Cymbel dreifach, Gedacktbaß oder Singend Kornett, um einige zu nennen. Der Prospekt, also der Teil der Orgel, den Kirchenbesucher sehen, wirkt optisch schön-geschaffen aus edlem Holz mit Blattgoldverzierungen und den ansehnlichsten Orgelpfeifen, geordnet nach Größe und matt glänzend mit ihrer Zinn/Blei-Legierung; einige sind auch aus Zink. Im Boden, im begehbaren Teil und im Rückpositiv verbergen sich die technischen Feinheiten - unzählige weitere Pfeifen, stehende wie liegende, der große elektrische Blasebalg und die aufwändig gearbeitete Traktur. Diese verbindet (mittels Aludrähten) jede einzelne Taste des Spieltisches über zig Umleitungen mit dem Ventil der dazu gehörigen Pfeife - ein Leckerbissen für Techniker. Musiker erfreuen sich an dem vielseitigen Klang der Walcker/Schuke-Orgel. "Ihre große Stärke ist die Darstellung deutscher romantischer Orgelmusik, aber ihre Größe erlaubt eine vielfältige klangliche Differenzierung und die Darstellung auch der Musik vieler anderer Epochen", sagt Kantor Ardelt und ergänzt: "Auf dieser Orgel habe ich die Musik der Romantiker wie Reger, Liszt, Brahms, Mendelssohn-Bartholdy und Karg-Elert schätzen und lieben gelernt." Hörbar erleben können Konzertbesucher das riesige Spektrum der Jubiläumsorgel im Konzert am morgigen Samstag (siehe "Auf einen Blick"). Die Orgel der Versöhnungskirche Völklingen wurde von der Ludwigshafener Firma Walcker erbaut und am 24. März 1930 geweiht. Der bekannte Kirchenmusikdirektor und Orgelsachverständige Karl Rahner bezeichnete sie in seinem Gutachten zur Orgelabnahme als "Vorbild" und als "Richtung weisend für den Orgelbau im ganzen Saargebiet". Gemeint sei die Weiterentwicklung des romantischen Orgelbaues in Richtung der "Orgelbewegung" mit dem Wiederanknüpfen an die Barockorgel, erklärt Kantor Reinhard Ardelt. Die ursprüngliche technische Einrichtung der Orgel habe weder den entstandenen Kriegsschäden noch der damaligen Völklinger Luftverschmutzung standgehalten. Das Instrument wurde aufgrund technischer Defekte unspielbar, bis es 1979 mit dem Ziel, ihm eine solide Technik zu geben, seinen Klangcharakter aber zu erhalten, durch die Firma Karl Schuke, Berlin, erfolgreich renoviert wurde. Falsch sei im übrigen die beim Bau der Orgel in Umlauf gebrachte und in der Gemeinde bis zur Gegenwart gelegentlich noch zu hörende Legende, die Orgel sei "die größte im Saarland". Ardelt: "Diese Behauptung kann man im Rückblick wohl nur so erklären, dass die konfessionellen Schranken zunächst noch so hoch waren, dass man die Existenz größerer Instrumente in katholischen Kirchen schlicht nicht wahrgenommen hat." "Ihre Stärke ist die Darstellung deutscher romantischer Orgelmusik."Reinhard Ardelt

 Kirchenmusiker Reinhard Ardelt an der Orgel der Versöhnungskirche.
Kirchenmusiker Reinhard Ardelt an der Orgel der Versöhnungskirche.

Auf einen BlickDas Konzert für Orgel, Streicher und Pauken von Francis Poulenc sowie Orgelwerke von Johann Sebastian Bach und Max Reger stehen im Mittelpunkt des Jubliäumskonzertes "80 Jahre Walcker-Orgel" am Samstag, 29. Mai, 19 Uhr, in der Versöhnungskirche. Ausführende sind Reinhard Ardelt, Orgel, sowie das Collegium Instrumentale Saarbrücken unter Leitung von Markus Korselt, das auch Peter Tschaikowskys "Serenade für Streichorchester" zu Gehör bringt. Veranstalter ist der Freundeskreis für Musik in der Versöhungskirche (FMV). Der Eintritt kostet acht beziehungsweise ermäßigt fünf Euro. Weiter sind auch Orgelführungen beim Gemeindefest am 27. Juni und beim Tag des offenen Denkmales am 12. September sowie weitere Konzerte geplant. et