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Ausflug zum Wildpark
22 Fußballplätze für Tiere – und ihre Besucher

Im Völklinger Wildpark lebt Rotwild, Sika-Wild und Damwild; Die 11,2 Hektar große Park-Fläche zwischen Völklingen und Püttlingen bietet Raum für ungefähr 100 Tiere. Im Winter, wenn die natürliche Nahrung nicht reicht, wird zugefüttert.
Im Völklinger Wildpark lebt Rotwild, Sika-Wild und Damwild; Die 11,2 Hektar große Park-Fläche zwischen Völklingen und Püttlingen bietet Raum für ungefähr 100 Tiere. Im Winter, wenn die natürliche Nahrung nicht reicht, wird zugefüttert. FOTO: Thomas Seeber
Völklingen. Zu Gast bei Hirsch & Co. – heimisches Wild hautnah erleben: Zwischen Völklingen und Püttlingen gibt es seit 1962 einen schönen Wildpark, in Ludweiler auch. – Ein prima Ausflugstipp für ein Naturerlebnis. Von Walter Faas

  „Das Reh ist nicht die Frau vom Hirsch“, heißt ein Spruch unter Forstleuten. Das sollte man auch als Nicht-Forst-Mensch wissen. Doch sprechen viele Besucher – aus Unwissenheit – von Rehen, wenn sie den Völklinger Wildpark besuchen, der zwischen Völklingen und Püttlingen liegt.



Verena Lamy, die Leiterin des städtischen Fachdienstes Forstwirtschaft, klärt auf: „Hier im Park leben keine Rehe, sondern ausschließlich Hirsche der Gattung Rotwild, Damwild und Sika-Wild.“ Und, Achtung, jetzt wird’s speziell: Die Försterin spricht von Kälbern, wenn sie Tiere meint, die jünger sind als ein Jahr. Sie spricht von weiblichen Schmaltieren und männlichen Spießern bei Tieren bis zum Alter von zwei Jahren und schließlich von Alttieren und Hirschen. Hirsche bilden Rudel, während Rehe in freier Wildbahn meist als Einzeltiere leben; hier sprechen Experten von Rehgeißen und Rehböcken.

Den Kindern ist es sowieso egal. Die freuen sich mehr an der Anmut des Wildes, am riesigen Geweih der Platzhirsche, am Röhren der Hirsche, wenn sie im Herbst in die Brunst kommen, am possierlichen Nachwuchs im Frühjahr, am hohen Tempo, wenn die Herden mal ins Laufen kommen.

Platz genug ist hier zum Rennen, zum Äsen, zum Faulenzen. Frisches Quellwasser. Große Bäume. Hecken zum Verstecken. Und Aussichten, bei denen man sagen möchte: „Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“

Der Völklinger Wildpark umfasst 11,2 Hektar. Zum Vergleich: Das entspricht ungefähr der Größe von 22 Fußballfeldern. Rundherum führt ein Weg, der ab dem kommenden Frühjahr übrigens neu ausgebaut wird, kündigt die Försterin an. Eine Tafel am Eingang zeigt an, dass der Rundweg etwa drei Kilometer lang  ist. Lamy sagt: „Es geht sogar barrierefrei, dann ist der Weg allerdings fast zwei Kilometer länger.“

Auch wenn der zweijährige Tobias nach einer halben Stunde jammert, weil’s arg rauf und runter geht, den Weg schafft er allemal. Will er auch schaffen, wegen der mitgebrachten Brotstücke. Lamy: „Wir tolerieren, dass Familien das Wild füttern, aber bitte nur mit trockenem und absolut schimmelfreiem Brot.“ Größere Brotreste dürfen Familien am Futterspender bei der Blockhütte – sie liegt etwa 300 Meter hinter dem Eingang – hinterlassen. Lamy sagt dazu: „Ist sowieso besser, wenn unsere Mitarbeiter füttern; denn zu viel Brot schadet der Gesundheit der Tiere.“

Schon kommen Maja Bilke und Stephan Ersch, zwei Forstwirte aus Lamys Team, mit ihrem Kleinlaster zur Blockhütte. „Die Tiere kennen schon unser Auto, und sie wissen sofort: Jetzt gibt’s was zu futtern“, sagt Bilke. Auf dem Speiseplan steht heute das erwähnte Brot aus dem Futterspender.

Aber auch Hafer, Gerste und trockenes Heu stehen auf der Beliebheitsskala der Hirsche ganz weit oben. Sie nähern sich rudelweise, zuerst das Sikawild: „Das ist besonders verfressen“, sagt Bilke schmunzelnd.

Alle vier Wochen schaut sich übrigens der Amtstierarzt die Herden an, um Krankheiten im Keim zu erkennen. „Hatten wir bisher aber kaum. Den Tieren geht’s hier ja bestens“, sagt Verena Lamy dazu.

Rund 100 Tiere leben im Völklinger Tierpark, und ab und zu müssen die Forstarbeiter auch schießen: „Das ist leider Fakt, weil wir die Population, also die Größe der Herden, regulieren müssen. Zu viele Tiere würde der Wildpark nämlich nicht vertragen.“

Das Wildfleisch, das im städtischen Forstamt angeboten wird (wir haben berichtet), stamme zum Teil aus Parkbeständen, ergänzt die Försterin.

Der Besuch des Wildparks kostet übrigens nichts, betont die Försterin, „bei unserem Wildpark handelt es sich um ein Angebot der Naherholung für die Bürger unserer Stadt.“ Gerne dürfen Besucher auch ihren Hund mitbringen, aber dafür gelten klare Regeln, mahnt Verena Lamy: „Im gesamten Wildpark gilt Leinenzwang. Nicht dass die Hunde die Tiere hetzen und diese in Panik geraten oder sich gar im Zaun verfangen.“

Bleibt darauf hinzuweisen, dass auch noch ein weiterer Wildpark in Völklingen existiert, 2,5 Hektar groß. Im Stadtteil Ludweiler nämlich, am Ausgang der Werbelner Straße Richtung Wadgassen. Dort  treffen Besucher auf Damwild beziehungsweise auf Schwarzwild, sprich Wildschweine. > Bericht folgt

Die Forstwirte Maja Bilke und Stefan Ersch haben gerade die Futterkrippen der Wildpark-Tiere frisch gefüllt.
Die Forstwirte Maja Bilke und Stefan Ersch haben gerade die Futterkrippen der Wildpark-Tiere frisch gefüllt. FOTO: Thomas Seeber
Försterin 
Verena Lamy mit Dackel Anton
Försterin Verena Lamy mit Dackel Anton FOTO: BeckerBredel