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Eine Ära geht zu Ende
Viele Stammgäste werden sie sehr vermissen

Esther und Klaus-Günter Koch an ihrem allseits bekannten Schwenker im Gastraum der „Bauernstube“.
Esther und Klaus-Günter Koch an ihrem allseits bekannten Schwenker im Gastraum der „Bauernstube“. FOTO: Thomas Seeber
Jägersfreude. Esther und Klaus-Günter Koch werden sich Ende Mai aus der „Bauernstube“ in Jägersfreude verabschieden.

Als sie sich vor mehr als vier Jahrzehnten gastronomisch gerade mal etabliert hatten, geschah das Unfassbare. Sozusagen der Alptraum eines jeden Saarländers: Da riss die Schwenkerkette und das offene Feuer  entfachte einen Kaminbrand. Alle Gäste verließen das Lokal, es kam die Feuerwehr und löschte munter. Wobei sich der Einsatz über eine volle Stunde hinzog. Anschließend kamen alle Gäste wieder rein, bestellten gemütlich die Nachspeise, beglichen ihre Rechnung und gingen nach Hause - als ob nie etwas  gewesen wäre.


Dies ist nur eine von vielen hörenswerten Episoden, die Esther (63) und ihr Ehemann Klaus-Günter Koch (66) auf Lager haben. Weil sie seit 1975 die Bauernstube in Jägersfreude betreiben. Dieses Restaurant, das wohl jedem Fleisch liebenden Menschen in der Landeshauptstadt und weit darüber hinaus ein Begriff ist. Doch wer sich noch einmal eine der vielen Spezialitäten vom Schwenker im Innern des Hauses einverleiben möchte, der muss sich ein bisschen sputen. Denn das Ehepaar macht Schluss - Ende Mai. Dann ist der Traditionsbetrieb, den es seit nunmehr 43 Jahren gibt, Geschichte. Was dann folgt, ist noch ungewiss, wenngleich schon einige Interessenten angeklopft haben, um die Nachfolge anzutreten.

„Das Schöne an unserem Beruf war und ist, wenn die Gäste, die man verpflegt, ein bisschen glücklicher hinausgehen als sie hereingekommen sind.“ Das sagt Klaus-Günter Koch und blickt gemeinsam mit seiner Frau auf das zurück, was man sich aufgebaut hat. Nach der Eröffnung 1975 folgten erst einmal sehr harte Jahre: viel Arbeit, kaum Freizeit. Erst gab es nur eine relativ kleine Gaststube, die Jahre später um eine Terrasse erweitert wurde. Und aus der Terrasse wurde im Jahr 1991 ein geräumiger Wintergarten, in dem auch das Feiern großer Familienfeste möglich war und natürlich immer noch ist.

Ganz nebenbei werfen wir einen sehr interessierten Blick auf die Speisekarte von vor mehr als 40 Jahren. Damals kostete das Fürst-Pückler-Eis mit Sahne 2 D-Mark und der Schwenker mit Brot 7,80 D-Mark - umgerechnet also etwa 1 bzw. 3,90 Euro. Dass in früheren Jahrzehnten die Gäste  zum Essen viel mehr Alkohol getrunken haben als heute, auch darüber reden wir. „Wasser verkaufen wir heute mehr als Bier“, erzählt Esther Koch, um rund 80 Prozent sei der Wunsch nach dem klaren Nass gestiegen. „Die Küche war immer in unserer Hand“, sagt das Wirte-Ehepaar, das auf einen Koch nie angewiesen war, sondern alles selbst managte und täglich frisch produzierte. Vor allem das Salatbüfett, von dem viele Leute schwärmen. En passant erfährt man, dass in der Bauernstube nicht ein einziges Mal Pommes frites serviert wurden - die jungen Gäste haben es wohl unbeschadet überlebt.

Und was machen die Restaurantbesitzer in wenigen Monaten im sehr verdienten Ruhestand? Dann wollen sie mal wieder spazieren gehen, Weihnachten gänzlich ohne Arbeit verbringen, sich der Familie widmen, den zwangsläufig vernachlässigten Freundeskreis wieder intensiver pflegen. Kurzum: Das Ehepaar möchte sich ganz allmählich dran gewöhnen, dass es im Leben noch etwas anderes gibt, als nur zu schaffen bis in die Nacht. Als sie an ihre Hochzeit vor 42 Jahren denken - zwei Kinder gingen aus der Ehe hervor - müssen sie leicht säuerlich lächeln.  Denn am Vormittag  war die standesamtliche Trauung und abends standen sie schon wieder im Lokal. Da hatte sich ein Handball-Team  zum Heringsessen angesagt. Nur bei der Hochzeit ihres Sohnes - da war die Bauernstube mal außer der Reihe geschlossen.



(mh)