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Der Streik und die Kitas
Viel Verständnis für die Leute im Ausstand

Bildstock. Während anderswo Kindergärten wegen des Verdi-Streiks einfach geschlossen blieben, bot die Kita Hoferkopf gestern immerhin eine Halbtagsbetreuung von 7.30 bis 13.30 Uhr an. Für berufstätige Eltern trotzdem keine befriedigende Lösung, sollte man meinen. Doch die Mehrzahl der von uns befragten Mütter oder Väter zeigten Verständnis für die Situation der Streikenden. So auch Sascha Baumert. „Warnstreiks sind wichtig, ohne solche Sachen wird nie der Lohn angepasst.“ Er selbst feierte Überstunden ab und freute sich regelrecht auf die Zusatzstunden mit Tochter Lotte. „Wir haben viel vor“, Eis essen und shoppen nämlich. Eines sei jedoch klar: „Wäre die Kita eine Woche zu“, sähe die Lage deutlich problematischer aus.

„Ich musste mir frei nehmen“, informierte Michaela Borast, die an einer Grundschule arbeitet. Trotzdem zeigte sie sich solidarisch zu den Erzieherinnen. „Die haben so viel Verantwortung“, da stehe es ihnen auch zu, für ihre Forderungen mal die Arbeit niederzulegen. „Es geht schließlich um die Zukunft unserer Kinder.“ Etwas differenzierter sah es Nadine Kohlar. „Ich bin da zwiegespalten“, gab die Mutter von Marlon zu, die selbst im öffentlichen Dienst tätig ist. Zum Glück gab es diese Notgruppe: „Ohne die wäre es schwierig geworden - nach zwei Wochen Krankenschein. Wir haben keine Großeltern, die uns helfen könnten.“ Den Mitarbeiterinnen der Kita „mache ich keinen Vorwurf“, eher schon der Politik. Ungerecht entlohnt wird ja nicht nur bei der Kinderbetreuung: „Es kann doch nicht sein, dass man mit einem Fünf-Stunden-Bürojob das Gleiche verdient wie eine Kassiererin im Supermarkt in Vollzeit.“


„Es nervt“, meinte dagegen Sabrina Christmann, zweifache Mutter. „Man bezahlt ja auch“ für diese Dienstleistung. Dass es für die „Großen“ kein Mittagessen gab, mache die Sache „doppelt ärgerlich“. Wäre ihr jüngster Sohn nicht krank gewesen, hätte die Konstrukteurin für Maschinen- und Anlagentechnik entweder die Oma anfragen oder eher noch „einen Tag Urlaub opfern müssen“. Wofür der ja eigentlich nicht gedacht sei. Völlig entspannt war dagegen Giuseppe Dicarlo, Papa eines Vierjährigen. „Ich hol Pietro immer um die Zeit.“