Viel Kreativität in der Montessori-Schule

Eine Veranstaltung, die sich sehen lassen kann : Kunsthandwerk der ganz besonderen Art

Montessori-Gemeinschaftsschule mit originellen Bastelangeboten. An allen Ständen herrschte großes Gedränge.

„Oh ist das schön, da kann man sich gar nicht entscheiden, welchen man mitnehmen soll.“ Michaela Kreis aus Elversberg schwärmt. Sie steht am Stand von Stefan und Heike Petersen, die aus Strandgut-Holzstücken und Metall Engel fertigen. Die Qual der Wahl hatten am Samstag viele hundert Besucher, die zum Kunsthandwerker-Markt der Montessori-Gemeinschaftsschule Friedrichsthal strömten und sich dicht an den Ständen drängten. Dutzende Kunsthandwerker boten ihre Produkte zum Verkauf an. Dabei gab es kaum ein Material, das nicht verarbeitet worden war. Geknüpftes, Gefilztes, Keramik, Schmuck, Textilien, Gemälde, Seifen und vieles mehr war im Angebot.

Ob aus Stein, Keramik, Wolle, Papier, Wachs, Metall, Glas, Leder oder eben Holz - alles lässt sich kreativ be- und verarbeiten. Wie die Holzstücke, die von Salz, Wasser und Sand geschliffen und geformt am Strand in Südfrankreich angeschwemmt und von den Petersens aus Saarbrücken in kilometerlangen Spaziergängen gesammelt werden. „Das hat schon Sucht-Charakter angenommen. Die Holzstücke, die von den meisten Strandbesuchern achtlos liegen gelassen werden, sehen wir mit ganz anderen Augen“ erklärt Stefan Petersen. Zuhause werden sie mit einer Metallkugel als Kopf und rostigen Blech-Flügeln versehen – und schon entstehen ganz individuelle und einzigartige Engel zum Stellen oder Hängen.

Alte Schul-Landkarten werden von der Designerin Jutta Regitz aus Saarbrücken gesammelt und re-designt. Aus ihnen fertigt sie in Verbindung mit robusten und farbenfrohen Stoffen Taschen und Mäppchen.

Das Besondere an dieser riesigen Schau verschiedenster Arbeiten ist, dass in den Sälen der Schule nicht nur 36 professionelle Aussteller ihre Waren präsentieren, sondern dazwischen auch Schüler, Lehrer und Eltern ihre selbst hergestellten Werke anbieten und verkaufen. Wie Lucia aus der Klasse 5b. Neben Lesezeichen und Geschenk-Anhängern hat sie duftende Lavendel-Säckchen im Angebot. „Die Blüten stammen aus unserem eigenen Garten“ sagt sie.

Zusammen mit Schulkameraden bietet Fynn Kerzenziehen an. „Das Bienenwachs stammt von unseren eigenen Bienenvölkern“ erzählt er, während das Wachs im heißen Wasserbad geschmolzen und gleich zu geflochtenen oder geschwungenen Kerzen verarbeitet wird. Weitere Kreativ-Angebote wie Windlicht-Basteln oder Tiere aus Wäscheklammern fertigen werden gerne angenommen.

Aktuelle Trends wie „Upcycling“ (sinnvolle Wiederverwertung) finden genauso ihren Platz wie alte Handwerkstechniken. So werden Abfälle bei Ruth Lauer neuer Verwendung zugeführt: aus alten Hemdsärmeln werden Flaschentaschen, aus alten Jeans und Gurten schicke Beutel, aus benutzten Verpackungen Tischkalender und aus alten Reifenschläuchen Geldbeutel.

Cornelia Bauer und Cornelia Holleck-Weithmann organisieren mit ihrem Team aus Eltern und Lehren den Kunsthandwerker-Markt bereits zum fünften Mal. Sie bieten selbst auch Waren an wie hauchzarte Elfen aus Wolle und Naturmaterialien oder Produkte aus gesponnenen Papier-Schnüren. „Schon freitags packen alle mit an. Schüler, Bedienstete und Eltern räumen die Klassensäle um, schleppen und stellen Tische und Stühle auf und bereiten alles vor. Das ist viel Aufwand, aber es lohnt sich und macht allen Teilnehmern viel Freude“ erzählen sie. Das spürt man auch als Besucher. Die meisten professionellen Anbieter sind Bekannte und Freunde von Eltern oder Lehrern und haben somit selbst einen Bezug zur Schule.

„Es läuft“, hört man ein Mädchen von der Schülerfirma Drosophila stolz zu ihrem Lehrer sagen. Bei ihr gibt es unter anderem Insektenhotels, Eichhörnchen- und Vogelfutterhäuschen. Ein ganz besonderer, ein sehr abwechslungsreicher Kreativ-Markt ist da gewachsen, der längst kein Geheimtipp mehr ist, wie man an den Besucherströmen erkennen konnte. Zur Stärkung und zum Erholen nach dem Shoppen gab es vielfältige kulinarische Angebote von süß bis herzhaft, Musik von der Schulband sowie eine große Tombola.

Die Erlöse des Kunsthandwerker-Marktes fließen zum Teil in Schulprojekte – zum Beispiel in den Sozialfonds oder den Kauf einer Druckerpresse für den Kunstunterricht. Manche sammeln aber auch für ihre nächste Klassenfahrt.

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