Verkehrsentwicklungsplan in Saarbrücken setzt auf Nahmobilität

Verkehrsentwicklungsplan : Die „Stadt der kurzen Wege“ setzt auf Räder und Fußgänger

Der Verkehrsentwicklungsplan (VeP) der Landeshauptstadt Saarbrücken ist immer wieder Gegenstand kontroverser Diskussionen.

Knackpunkt hier ist, den Autoverkehr in der Innenstadt zu reduzieren. Um die sogenannte Nahmobilität voranzubringen, soll unter anderem das Radwegenetz ausgebaut werden.

Saarbrücken gilt als eine „Stadt der kurzen Wege“. Zu Recht, sagte Michael Frehn von dem Dortmunder Büro für Verkehrsplanung, Planersocietät, dieser Tage bei einem Vortrag in Saarbrücken. Denn in einem Radius von nur zwei Kilometern erreiche man hier nahezu alle fürs tägliche Leben wichtigen Einrichtungen. Bisher aber würden 44 Prozent dieser kurzen Wege bis zwei Kilometer mit dem Auto zurückgelegt. Im Saarbrücker Verkehrsentwicklungsplan 2030, den die Planersocietät mitentwickelt und der Stadttrat 2016 beschlossen hat, legt die Landeshauptstadt fest, das Zufußgehen und Radfahren auf kurzen Distanzen zu fördern.

Nicht nur für den Klimaschutz und die Gesundheit der Menschen sei die Förderung der Nahmobilität zu Fuß, mit dem Rad oder Skateboard und Tretroller wichtig, erklärte Frehn in seinem Vortrag auf Einladung der Stadt und der Arbeitskammer. Auch die Lebens- und Aufenthaltsqualität einer Stadt werde durch Nahmobilität erhöht. Doch was hat die Stadt seit Verabschiedung des Verkehrsentwicklungsplans bereits unternommen? Dazu nahmen Monika Kunz, Leiterin des Stadtplanungsamts, und ihr Kollege und Verkehrsplaner Christof Kreis in der Veranstaltung Stellung.

Ob man nicht ein Großprojekt anstoßen müsse, um einen „Aha-Effekt“ zu erzielen und so mehr Menschen aufs Rad zu bringen, fragte Moderator Jürgen Meyer den Experten Michael Frehn, der ihm zustimmte. Frehn nannte als Beispiel das Projekt Radschnellweg Ruhr, das „einen richtigen Ruck“ bringe. Kunz und Kreis mussten jedoch sogleich Hoffnungen auf ein Großprojekt dämpfen. Angesichts des knappen Budgets sei es schon schwierig, die Fahrradmarkierungen auf den Straßen in Schuss zu halten, so Kunz.

Einen weiteren Dämpfer gab es für die Zuhörer beim Thema Zulieferverkehr, der in den Innenstädten und Fußgängerzonen zunimmt. Vorreiter-Städte versuchen ihn zu reduzieren, indem sie für Paketdienste Containerplätze einrichten, von denen aus die Kuriere die Pakete auf der „letzten Meile“ mit Lastenfahrrädern zustellen, wie Frehn darlegte. In Saarbrücken sei das noch kein Thema, erklärte Verkehrsplaner Christof Kreis. Die Inititiative dazu müsse von der Privatwirtschaft ausgehen, betonte er. Die Stadt würde diese dann unterstützen.

Immerhin ein größeres Projekt konnten die städtischen Vertreter ankündigen: Am Saarbahnhaltpunkt Bahnhof Brebach soll auf dem Parkplatz ein Parkhaus gebaut werden, um die Park & Ride-Kapazitäten zu verdoppeln. Zudem seien einige Maßnahmen zur Schulwegesicherheit gestartet, erklärte Stadtplanerin Monika Kunz. An vier Pilotschulen, der Turmschule in Dudweiler, der Max-Ophüls-Grundschule in St. Johann, der Arnulfschule in St. Arnual sowie am Rotenbühl-Gymnasium habe man etwa Elternhaltestellen eingerichtet. Das bedeute, dass zwei oder drei Parkplätze im Schulumfeld für Elterntaxis reserviert werden. Damit soll die Unfallgefahr beim Abholen verringert werden. Leider funktionierten diese nur „leidlich“, wie Kunz sagte. Die Arnulfschule bietet ein Schulwegtraining für die Grundschulkinder und ihre Eltern an, als ehrenamtliches Projekt in Kooperation mit der Stadt. Auch erste bauliche Maßnahmen hat die Stadt laut Kunz schon vorgenommen. An der Lessingstraße wurde der Gehweg verbreitert, damit Kinder die Straße besser überqueren können.

Nur 80 000 Euro pro Jahr können für Verkehrsberuhigung und für Verbesserungsmaßnahmen im öffentlichen Raum investiert werden, wie Kunz erläuterte. Davon werden etwa Querungshilfen, die Neupflanzung von Bäumen oder Fahrradständer finanziert. Weil im Stadthaushalt kein Extra-Posten dafür ausgewiesen ist, kann die Landeshauptstadt nur schrittweise die im Mammutprojekt Verkehrsentwicklungsplan 2030 festgelegten Punkte abarbeiten. Die Verbesserungen der Verkehrssituation werden quasi nebenbei aus dem Etat zur Instandhaltung der Straßen finanziert.

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