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Verein Stadttauben Saarbrücken erhält Geld von Stadt, Land und Tierschutzbund

Rettung für Vögel in Not : Vier Geldspritzen stärken den Taubenschutz in Saarbrücken

Tierschutzstiftung Saar, Oberbürgermeister, Ministerpräsident und Deutscher Tierschutzbund zahlen an die Vogelretter.

Leere Straßen, leeres Pflaster. Tauben trippelten über Wochen viel länger als vor Corona auf der Suche nach Essbarem durch die Saarbrücker Innenstadt. „Droht den Stadttauben der Hungertod?“ titelte die Saarbrücker Zeitung am 3. April. Selbst nach den ersten Lockerungen ist die Mitte der Landeshauptstadt noch nicht wieder so belebt wie vor der Pandemie. Die Folge beobachten Mitglieder des Vereins Stadttauben Saarbrücken. Die Tiere zieht es dorthin, wo ihnen in schwierigen Zeiten noch Futter sicher ist. Sie flattern zu den beiden Taubenschlägen des Vereins.

Die nach vergeblicher Futtersuche ausgehungerten „Zuflieger“ vergrößern seit geraumer Zeit die Herausforderung für die Betreuer der Taubenschläge. Die Tierretter sagen, bei den Neulingen handle es sich oft um Stadttauben, die in maroden, ungesicherten Gebäuden in der Innenstadt nisten und sich unkontrolliert vermehren. Die Taubenschützer brauchen nun noch mehr Futter, und das in Zeiten, in denen Schutzkleidung und Desinfektionsmittel – unerlässlich für die Arbeit in den Taubenhäusern – um ein Vielfaches teurer sind als vor dem Ausbruch der Pandemie.

Schon damals waren für die beiden Taubenschläge Fixkosten von 1000 Euro aufzubringen. Und zwar, um ohnehin schon etwa 750 Tieren zu helfen. In den Häusern füttern die Vereinsvorsitzende Helga Ehretsmann und ihre Mitstreiter die Vögel, entfernen jährlich etwa fünf Tonnen Kot und tauschen bis zu 3000 Taubeneier gegen Gips-Exemplare aus, damit die Zahl der Vögel nicht überhand nimmt. Hinzu kommen derzeit etwa 200 Tiere in vereinseigenen Volièren für gehandicapte, kranke sowie alte und flugunfähige Stadttauben.

„Es war wirklich abzusehen, dass das Geld versiegt in unserer Vereinskasse“, sagt Andreas Goldschmidt. Er ist der Sprecher der Saarbrücker Taubenschützer.

Deren Einsatz für eine tierschutzgerechte Kontrolle der Taubenzahl und die Nöte solcher Vereine in der Corona-Zeit beschäftigen den in Bonn ansässigen Deutschen Tierschutzbund. Er sieht die rund 100 Stadttauben-Vereine wie den Saarbrücker durch die Krise an den Grenzen ihrer Möglichkeiten angelangt – beim Geld ebenso wie beim ehrenamtlichen Personal. Deswegen hat der Deutsche Tierschutzbund das Hilfsprogramm

„Respekt Taube“ aufgelegt. Daraus lässt er dem Verein Stadttauben Saarbrücken 1600 Euro zukommen.

Hilfe für Helga Ehretsmann und ihre Vogelretter kommt nicht nur vom Rhein, sondern in erster Linie direkt aus Saarbrücken. Vereinssprecher Andreas Goldschmidt nennt die Stadtverwaltung als wesentlichen Teil der Hilfe, die den Taubenrettern in den vergangenen Wochen zuteil wurde. „Oberbürgermeister Uwe Conradt sagte uns bereitwillig Hilfe zu: 3000 Euro.“ Eine weitere Zahlung in die strapazierte Vereinskasse kam vom Ministerpräsidenten. Tobias Hans ließ den Tierrettern 300 Euro zukommen. „Über diesen Zuschuss war ich unglaublich erstaunt“, sagt Goldschmidt. Den größten Betrag erhielt der Verein von der Tierschutzstiftung Saar. Sie steuerte nach Angaben des Vereinssprechers 6000 Euro bei.

Für Goldschmidt sind die Zuschüsse eine gute Investition in die Arbeitsfähigkeit des Vereins. Dessen Beitrag zur Kontrolle der Stadttaubenzahl helfe den Tieren, verhindere aber auch Bilder des Elends – vom Hunger ausgezehrte oder gar verendete Tiere – inmitten der Stadt. Mangel an Nahrung verringere die Zahl der Tauben keineswegs. „Bei wenig Futter wird der Arterhaltungstrieb aktiviert. Dann ist sogar verstärktes Brutverhalten möglich“, sagt Goldschmidt. Etwas, was er und die anderen Vereinsmitglieder verhindern wollen. Um Tierschutz und die Arbeit für ein sauberes Saarbrücken unter einen Hut zu bekommen, benötigen die Taubenretter immer noch Verstärkung. Sie ist genauso wichtig wie die drei Geldspritzen gegen das Vereins-K.o. in der Krise.

Damit können die Mitglieder ihren Schützlingen weiter das Wichtigste für Tauben anbieten: einen Platz zum Brüten und Futter. Und die Stadtverwaltung kann davon ausgehen, dass die Taubenzahl dank des Eier-Austauschs nicht aus dem Ruder läuft. Trotz Corona.