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Vera Loos, Künstlerin mit sozialem Herzen

Atelierbesuch : Poetische Künstlerin mit sozialem Herzen

Auch wenn ihre Bilder isolierter Menschen gerade überraschend aktuell sind: Ein zurückgezogener Mensch ist Vera Loos nicht. Sie lacht gern und setzt sich für andere ein.

„Ich hätte nie gedacht, dass meine Bilder mal so aktuell werden“, sagt Vera Loos – und lacht. Denn die Künstlerin hat sich in ihrer Malerei auf Figuren spezialisiert, die einsam und allein in einem oft grauen Nirgendwo stehen oder gehen.

Meist ist die Figur dabei sehr klein, die Gemälde aber oft sehr groß. Das verstärkt das Gefühl für die Verlorenheit der Figur. Dass diese eigentlich melancholischen Gemälde, die gerade so gut zur Situation der Corona-Pandemie passen, nicht depressiv wirken, liegt an den ausgefallenen Titeln, der abwechslungsreichen und ausdrucksstarken Gestaltung der Leinwände – und an dem Humor der Künstlerin.

Vera Loos stammt aus einer Saarlouiser Bergmanns-Familie. Dort wurde viel gemalt. „Ich bin damit aufgewachsen, dass mein Vater und meine Onkels schöne saarländische Landschaften gemalt haben. Und Hirsche“, sagt sie lachend.

Trotz der frühen Leidenschaft für die Malerei studierte Vera Loos Sprachen, nebenbei auch Kunstgeschichte. Fast 20 Jahre arbeitete sie als Übersetzerin für hebräische Literatur. „Die Literatur ist meine zweite Leidenschaft. Sie ist in meiner Malerei immer präsent“, erklärt sie.

Aber am liebsten widmete sie sich ihrer Malerei, die Vera Loos seit Kindheitstagen nicht aufgegeben hat. Daher hat sie sich bei verschiedenen Künstlern technisch ausbilden lassen, hat das Handwerkliche erlernt und sich viel Hintergrundwissen angeeignet.

Seit 15 Jahren arbeitet sie nun als freischaffende Künstlerin, konnte ihre Werke in verschiedenen Einzelausstellungen in Saarbrücken, dem Schloss Dagstuhl, in Metz oder München zeigen. Eine besondere Ausstellung war die Biennale in Qingdao in China im Jahr 2014. Dort musste man sich bewerben. Vera Loos wurde nicht nur angenommen, sondern sie wurde in den Ausstellungskatalog aufgenommen und verkaufte auch einige ihrer Gemälde.

Vera Loos ist in der Saarbrücker Kunstszene gut vernetzt und Mitglied des Berufsverbandes Bildender Künstler Landesverband Saarland, arbeitet im Vorstand mit, ist als Künstlerin in das Saarländische Künstlerhaus aufgenommen und seit 2018 auch Mitglied der städtischen Kunstkommission.

Darüber hinaus ist Vera Loos aber auch sozial engagiert. Seit mehreren Jahren hilft sie bei der Saarbrücker Tafel mit, zu Beginn als Köchin, mittlerweile ist sie schon mehrere Jahre Vorstandsmitglied. Und ganz nebenbei organisiert sie dort auch Kunstausstellungen.

Seit über sieben Jahren hat sie ihr großes, helles Atelier auf dem Saarbrücker Homburg. Das bietet nicht nur genug Platz für ihre großen Leinwände, Regale mit Farben und Pinseln und Staffeleien, sondern auch für einige ihrer alten Bücher. Denn Literatur und Malerei hängen bei ihr ganz eng zusammen.

„Zu meiner großen Serie der einsamen Figuren wurde ich von einem Buch inspiriert. Das war ,Die Liebe in Zeiten der Cholera’ von Gabriel García Márquez“, erklärt Vera Loos und sagt dann, dass das bei vielen ihrer Gemälde so ist. „Ich habe einen innigen Zugang zur Literatur“.

Und so gelingt es ihr, mit einer verständlichen Bildsprache tiefgehende Zusammenhänge darzustellen, deren Inspiration aus der Literatur stammt. „Eigentlich ist es das Absurde der menschlichen Existenz, das ich male. Die Suche nach dem Sinn im Leben, im Sinnlosen, im Absurden“, erläutert sie.

Ihre Figuren gehören daher nie einer Gemeinschaft an, sie sind auf sich selbst gestellt, einsam und verloren. Und ihre Figur ist gesichtslos, meistens männlich, trägt Anzug und ist immer konform und austauschbar. „Frauen male ich selten, denn sie kleiden sich individueller, bunter“, sagt Vera Loos.

Wenn sie eine Frau darstellt, dann trägt sie daher eine Burka. Und wenn sie mehrere Figuren darstellt, so stehen sie zusammenhaltlos nebeneinander, haben nichts miteinander zu tun. Diese Figuren finden sich auf kleinen Gemälden, die Vera Loos dann gerne zu mehreren zusammen rahmt. Oder auf sehr großen Leinwänden, was die Einsamkeit der Figur noch verstärkt.

Aber immer faszinieren diese vereinzelten Figuren, auch wegen der Malweise. Denn Vera Loos trägt in unzähligen Schichten ihre Farben auf, um Tiefe zu erreichen. „Das sind meine Fifty Shades of Grey“, sagt sie lachend in Anspielung auf das berühmte Buch. Oft setzt sie abschließend mit wenig Metallfarbe einige Akzente, denn „die verändern die Farbgebung mit dem Lichtfall“.

So wirken ihre großen Farbräume nie langweilig. Denn genauso wenig, wie ihre Figur ein Individuum ist, so wenig sind die Räume, Szenen, Landschaften und Umgebungen zu erkennen. Sie sind nie eindeutig.

Eigentlich wären diese Gemälde schwermütig, melancholisch. Aber Vera Loos ist dafür ein zu offener, lebensfroher Mensch. Und so verzaubert sie diese Schwere mit wunderbar humorvollen bis absurden Titeln, wie „Die Sahara ist gar nicht so groß, wenn es darauf ankommt“, „Ein Mann, der nichts zu sagen hat“ oder „Die Nichtigkeit seiner Erlebnisse hatten P. gehörig geschwächt“ in einen ganz eigenen, poetischen Kosmos aus Literatur und Kunst.
www.veraloos.de