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Vegane Metzgerei in Saarbrücken: Was „Karma To Go - Veinkost“ bietet

Am St. Johanner Markt : Vegane Metzgerei in Saarbrücken: Was „Karma To Go - Veinkost“ bietet

Schmeckt wie Fleisch, ist aber keins. Unterstützt vom Start-up-Center „The House of Intelligence“ haben junge Saarbrückerinnen und Saarbrücker eine sogenannte vegane Metzgerei eröffnet.

Nein, hier werden keine Kürbisse geschlachtet. Auch keine Tomaten, Gurken, Ananas  oder anderes Obst und Gemüse. Hier fließt kein Blut, und hier lässt kein Lebewesen sein Leben. Dass sie ihren Laden in der Obertorstraße am St. Johanner Markt, direkt neben der Tante Anna und in Sichtweite der Basilika eine vegane Metzgerei nennt, sagt Chiara Perguy, liege daran, „dass sich die Leute besser vorstellen können, was sie hier geschmacklich erwartet“. Nämlich vegane Produkte, die vom Geschmack her an Wurst und Fleisch erinnern.

Chiara Perguy ist 27 und Geschäftsführerin der am Samstag eröffneten veganen Metzgerei. „Karma To Go – Veinkost“ heißt der Laden, den sie zusammen mit Jeanne Dillschneider, Venoth Nagarajah und Gregor Theado gegründet hat. „Wir wollen mit dem Namen keine Fleischesser provozieren“, sagt Chiara Perguy. Es geht eher darum, Menschen neugierig zu machen auf vegane Produkte.

„Viele denken bei vegan ja, dass man ihnen etwas wegnimmt. Das ist aber nicht so“, erklärt Jeanne Dillscheider, die auch für die Grünen im Saarbrücker Stadtrat sitzt. Man müsse ja auch kein Veganer sein, um die Produkte, die bei „Karma To Go“ angeboten werden, zu mögen. Auch Menschen, die ansonsten auch Fleisch essen, werden im neuen Laden sicher etwas finden, womit sie Freude haben.

Um zu schauen, was bei den Kundinnen und Kunden ankommt, setzt das junge Unternehmen auf, wie Chiara Perguy sagt, „Startprodukte“ der Saarbrücker Firma „Die Vegabunden“ und damit auf lokale Erzeugnisse. „Die Vegabunden“, das sind Manuela und Thomas Kreutz aus Alt-Saarbrücken. Die beiden bezeichnen sich selbst als „lebensfrohes, neugieriges, reise- und kulturinteressiertes, natur- und tierliebendes, sowie kreatives Paar“, das nicht vegan lebt, weil ihm tierische Produkte nicht geschmeckt haben. Im Gegenteil: „Auch wir sind aufgewachsen mit den Lieblingsgerichten unserer Kindheit, mit dem Duft eines leckeren Bratens in Omas Küche, mit Grillfesten“, schreiben die beiden.

Es gehe nicht darum, andere Menschen mit „Moralpredigten“ davon zu überzeugen, dass fleischlose Ernährung gut und sinnvoll ist, finden Manuela und Thomas Kreutz. Sie wollen lieber „durch den Geschmack einer rein pflanzlichen Küche davon überzeugen, dass pflanzliche Ernährung letztendlich allen zugute kommt und dass die Vorbehalte gegenüber dieser Art der Ernährung nicht länger haltbar sind“.

Das erste Produkt, dass die beiden aus Pflanzen herstellten, war der „Batzen“. So nennen die Vegabunden ihren fleischlosen Schwenker. In der Kühltheke von „Karma To Go“ findet sich aber auch der „Schwarzwälder Vegabund“, eine fleischlose Wurst, die rauchig schmeckt. „Vleischkees“ erinnert geschmacklich an Fleischkäse „Gebätzeltes“ an Geschnetzeltes und Vegachuck an eine scharfe orientalische Wurst.

Diese „Ersatzprodukte“ sollen es Menschen, die Fleisch nicht aus Prinzip essen, sondern weil es ihnen schmeckt, neue Möglichkeit eröffnen. Wobei „Karma To Go“ mehr werden will als eine vegane Metzgerei. „Das Ziel ist, das wir ein veganer Feinkostladen werden“, erklärt Chiara Perguy. Auch da ist der Anfang bereits gemacht. Im Regal gegenüber der „Wursttheke“ liegt veganes Gebäck. „Wir haben auch schon Weihnachtsplätzchen. Vanillekipferl zum Beispiel“, sagt die Geschäftsführerin und versichert: Auch ohne Butter seien sie ein Genuss. Es gibt auch vegane Cracker auf Olivenölbasis. Ebenfalls im Angebot: Bier, Wein und vegane Hotdogs.

Wie schnell sich das Sortiment erweitert, liege auch an der Nachfrage der Kunden, sagt Chiara Perguy. Wobei es im Saarland leider noch nicht sehr viele Betriebe gebe, die die gewünschten veganen Lebensmittel liefern können. Und so habe man zum Beispiel vor, eine ganz besonders gute vegane Teewurst aus Berlin ins Saarland zu holen.

Denjenigen, die zum ersten Mal Produkte aus einer veganen Metzgerei probieren, rät Chiara Perguy: „Man sollte versuchen, die Sachen neutral zu probieren, sich also dabei nicht das Fleisch vorstellen, wie man es vielleicht kennt.“ Es handle sich eben nicht nur um schlechte Imitate, sondern um ein „eigenes Produkt“.

Das ganze vegane Metzgerei zu nennen, war natürlich Kalkül. Chiara Perguy, Jeanne Dillschneider, Venoth Nagarajah und Gregor Theado wissen, dass man damit Neugier weckt. „Vetzgerei“ wäre auch ein passender Name gewesen, sagt Chiara Perguy, aber diesen Namen hat sich bereits ein Unternehmen in Berlin schützen lassen. Auch dort, werden weder Messer gewetzt noch Schlachtbeile geschliffen.