Uwe Bußmann kämpft bei der Saarbrücker Tafel ehrenamtlich gegen Armut

Vorsitzender der Saarbrücker Tafel : Der Kampf gegen Armut spornt ihn an

Uwe Bußmann ist seit 20 Jahren einer der prägenden Köpfe der Tafel in Saarbrücken. Seine Familie gibt ihm die Kraft.

Der Mann blickt kurz von der Arbeit auf. „Uwe Bußmann? Der ist in der Küche.“ Dort verströmt eine herzhafte Soße ihren Duft. Ehrenamtliche von der Tafel Saarbrücken bereiten sich nach getaner Arbeit ihr Mittagessen zu.

Andere sortieren noch Brot, Gemüse, Obst, Süßigkeiten – alles frisch eingetroffen. Bestimmt zur Ausgabe an Menschen, die arm sind. Nötig für das Überleben mit Hartz IV und Grundsicherung.

Alles läuft an diesem Mittwoch rund bei der Vorbereitung auf die nächste Lebensmittel-Ausgabe. Bußmann will, dass sich der Weg in die Burbacher Seitenstraße lohnt für Menschen, die um jeden Euro kämpfen müssen. Und er verlangt gerade von jungen Hilfesuchenden, dass sie sich nach Kräften einbringen in diese Arbeit gegen die Armut. Alles am Auftreten von Bußmann wirkt zweckmäßig. Ein Macher, der gewappnet sein will für den Tafel-Alltag zwischen Ausgabehalle und Schreibtisch. Er trägt meist Jeans, Hemd und Pullover. Wenn er raus muss, streift er eine robuste Jacke über. Die Brille ist oft auf die hohe Stirn geschoben. Jederzeit kann die Tür zum winzigen Büro aufgehen, die nächste Aufgabe auf ihn warten.

Bußmann weiß genau, warum er, der Vorstand und die rund 120 weiteren Ehrenamtlichen Werktag für Werktag in Burbach antreten. Mit sonorer Stimme erzählt er von jenen, die ein Leben lang geschuftet haben, um dann festzustellen, dass es doch nicht reicht – ohne noch viel hinzuverdienen zu können. Und dann sind da die großen Familien, die an allen Ecken und Enden sparen müssen. Was ja erst recht die Alleinerziehenden plagt. Die Not hat viele Gesichter. Sie zwingt Tausenden von Leben einen Rhythmus auf. „Es gibt Leute, die kommen jede Woche hierher, andere vielleicht einmal im Monat.“ Für all diese Menschen setzt Bußmann sich ein. Trotz seines langen Berufslebens, das er einst als Rundfunk- und Fernsehtechniker begann und dem weitere Stationen bis hin zur Altbau-Sanierung folgten, will der 69-Jährige von Ruhestand nichts wissen.

Dass ausgerechnet die Arbeit in einem Verein Bußmann seit zwei Jahrzehnten so fordert, gehört zu den erstaunlichen Wendungen in seinem Leben. „Denn eigentlich wollte ich nie einem Verein beitreten“, sagt er nachdenklich.

Aber er sei nun einmal die beste Möglichkeit für diese Form des Engagements und die beste Möglichkeit, wahrgenommen zu werden. 30 bis 40 Stunden in der Woche ist Bußmann im Einsatz. Das Werben um Geldspenden gehört dazu. „Wir brauchen 120 000 Euro im Jahr, um das System am Laufen zu halten.“

Ein System, das jetzt unter dem neuen Namen Tafel Saarbrücken auf Jahre geschützt ist, um Trittbrettfahrer auf Abstand zu halten. Ähnlich – Tafel vorn, dahinter der Name der Stadt – verfuhren die rund 960 anderen deutschen Tafeln für ihre neuen Namen. Selbst an solche juristischen Feinheiten muss also denken, wer Lebensmittelverschwendung und Armut bekämpft. Aber Bußmann zufolge braucht eine erfolgreiche Tafel – wie die Gesellschaft überhaupt – in erster Linie den ehrenamtlichen Einsatz. „Wenn niemand sich einbringt, dann klappt das Zusammenleben nicht.“

Kraft für diesen Einsatz bezieht Familienmensch Bußmann aus der Freude über die vier Enkel. Vier Jungs, für die er die Gesellschaft ein Stück gerechter macht.

Mehr von Saarbrücker Zeitung