Urnenbestattungen verändern Friedhöfe in Saarbrücken und Völklingen

Kostenpflichtiger Inhalt: Bestattungskultur : Letzte Reise endet in Saarbrücker Urnenwand

Ungebrochener Trend zur Feuerbestattung zwingt auch Völklingen zum Umbau der Friedhöfe. Und zu neuen Formen des Gedenkens.

Spektakulär zeigte der jüngste Bremer Tatort, wie eine Urnenbestattung aussehen könnte. Da verstreute der Protagonist zum Filmfinale die Asche des Weggefährten bei einem Fallschirmsprung förmlich in alle Winde. Beide hatten die Leidenschaft des Fallschirmspringens geteilt – und so sollte nun der letzte Wunsch des Verstorbenen in Erfüllung gehen.

Was sich im Bremen der Krimi-Filmer abgespielt haben soll, ist in der saarländischen Realität nicht erlaubt – und im wahren Bremen auch nur so ähnlich zulässig.
Die Regeln stehen im Bestattungsrecht des jeweiligen Bundeslandes. Und zwar in den Paragrafen, welche die Beisetzungspflicht regeln. Die Gesetze der meisten Bundesländer schreiben eine Beisetzung auf dem Friedhof vor und lassen lediglich Ausnahmen zu.

Damit sind den Formen des Abschieds bereits strenge Grenzen gesetzt. Aber die Menschen fordern mehr denn je Wahlmöglichkeiten für ihre Beisetzung und die letzte Ruhestätte. Das zeigt der enorme Wandel der Bestattungskultur in den vergangenen Jahrzehnten.

Deshalb bieten auch die Kommunen im Regionalverband mit den Bestattungsunternehmen Alternativen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten. Beisetzungen auf hoher See sind darin schon seit jeher vorgesehen. In ausgewählten Friedwäldern, etwa bei Von der Heydt, und damit mitten in der Natur seit vielen Jahren auch.

Die Kommunen im Saarland, allen voran Saarbrücken und Völklingen, reagierten auf die konstant steigende Nachfrage nach Möglichkeiten zur Urnenbeisetzung. Lag die Quote bei den Erdbestattungen vor etwas mehr als zwei Jahrzehnten schon bei zwei Dritteln, so überwiegen die Feuerbestattungen in einigen Teilen Deutschlands inzwischen noch deutlicher.

In größeren Städten – so auch in Saarbrücken – machen die Urnenbestattungen drei Viertel aller Beerdigungen aus. Die Vereinigte Feuerbestattung Saar nahm im vergangenen Kalenderjahr in ihren beiden Krematorien Saarbrücken und Völklingen insgesamt rund 8800 Einäscherungen vor.

Der deutlich geringere Platzbedarf für eine Urne im Vergleich zum Sarg und damit geringere Kosten spielen gewiss eine Rolle. Aber auch der hohe Pflegeaufwand eines großen Erdgrabes ist für die Familien ein Kriterium.

So hat der in Völklingen für die Friedhöfe zuständige Verwaltungsmitarbeiter Tobias Noll ausdrücklich den geringeren Pflegeaufwand erwähnt, als er im Frühjahr dem Ortsrat eine neue Urnen-Stelenanlage auf dem Lauterbacher Friedhof vorstellte. Damit wolle das Amt jenen entgegenkommen, die nur wenig Grabpflege wünschen.

Zugleich können die Urnen-Anlagen dank des Einfallsreichtums der kommunalen Friedhofsbetriebe durchaus attraktiv wirken. So sind solche Grab-Flächen den Themen Sternzeichen, Regenbogen oder Denkmal gewidmet.

Im nahen Frankreich ist es auch Saarländern möglich, die Asche ihrer Verstorbenen im „Jardin du Souvenir“ auf einem bestimmten Teil des Forbacher Friedhofs zu bestatten. Auskünfte erteilen die Bestattungsunternehmen.

Noch weiter gefasst ist das Schweizer Bestattungsrecht. Dort gilt der Grundsatz der „Asche zur freien Verfügung“. So können die Hinterbliebenen die Überreste ihrer Angehörigen zu Hause aufbewahren, an beliebigen Orten beisetzen oder verstreuen.

Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass die eigentliche Bestattung ja bereits im Feuer des Krematoriums geschehen sei.

In Zeiten offener Grenzen und Märkte sind diese Möglichkeiten auch Menschen aus Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen zugänglich.

Zurück nach Bremen. Seit Januar 2015 darf dort die Asche von Verstorbenen auf Privatgrundstücken und festgelegten öffentlichen Flächen verstreut werden. Allerdings muss jemand, der so enden möchte, dies schriftlich festgelegt haben. Auch sind Windrichtung und -stärke zu beachten, damit nicht Nachbargrundstücke in Mitleidenschaft gezogen werden. Nicht zuletzt muss der Grundstückseigentümer dem Verstreuen der Asche zustimmen.