Uraufführung von „ex alia parte“ und Klavierlieder zu Storm in Saarbrücken

theater im Viertel : Eisige Schauer laufen über den Rücken

Gruselige Begebenheiten aus Storms Schimmelreiter vertont: Die Uraufführung war jetzt in Saarbrücken.

Die Uraufführung von Osorios „ex alia parte“ und Klavierlieder zu Storm-Gedichten: Daniel Osorio hat für das siebte Konzert der Sommermusik mit „ex alia parte“ eine der gruseligsten Begebenheiten aus Storms Schimmelreiter vertont. Das projizierte Bild von der See, mit Insel und verdächtig weißem Pferd im Hintergrund passt perfekt. Osorio kreiert elektroakustisch gemeinsam mit Thomas Layes (Klavier) eine sagenhaft-unheimliche Atmosphäre, kombiniert Meeresrauschen, Möwengeschrei und geisterhafte Vokalisen. Dann setzen Diana Kantner (Sopran) und Ralf Peter (Tenor) mit Versen von Rilke ein und zelebrieren den Dialog von Knecht Iven und dem jungen Carsten aus Storms Novelle, die begreifen, dass auf der Jevershallig ein Geist sein Unwesen treibt.

Den Zuhörern im Theater im Viertel in Saarbrücken dürften bei dieser Uraufführung eisige Schauer über den Rücken gelaufen sein. Der weiße Gaul auf dem Gemälde jedenfalls ist am Ende verschwunden. Die folgenden 26 Storm-Vertonungen hat Peter thematisch geordnet, sodass er mit Kantner szenisch interagieren kann. Verlieben, Erfüllung und Verlust könnte Storm selbst durchlebt haben. Eindringlich wirbt Peter zum Beispiel in „Nelken“ (Max Reger, 1894) um die Geliebte und schildert in Hermann Grädeners „Weiße Rosen“ (1914) eine leidenschaftliche Liebesnacht. Die Darbietung verschiedener Vertonungen von „Schließe mir die Augen beide“ von Erich Jacques-Wolff (1907), Johannes Weyrauch (1923) und Alban Berg (1900, 1925) ermöglicht den Zuhörern neue Zugänge zu einem einzelnen Gedicht.

Kantner arbeitet die musikalischen Unterschiede der Klavierlieder exzellent heraus und überzeugt in Bergs anspruchsvoller, zweiter Fassung mit Gefühl und technischer Perfektion. Sommermusik-Organisator Altpeter hatte bei der Begrüßung auf die pädophilen Neigungen Storms verwiesen, ob aber die bisweilen kniend singende Sopranistin eine Minderjährige darstellen sollte, blieb dem Publikum überlassen. Mit „Im trüben Mondduft“ ist den Künstlern ein wunderbar Storm-ischer Konzertabend gelungen. Der titelgebende Himmelskörper beschien nach dem Konzert den Heimweg des begeisterten Publikums. Ob er geduftet hat, wer weiß?

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