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Unternehmer bekommt Lob für den Verzicht auf Mieten in der Corona-Krise

Hilfe in der Corona-Krise : Verzicht auf Miete bringt Saarbrücker Eigentümer viel Lob ein

Der Verzicht eines Immobilien-Eigentümers auf zwei Monatsmieten für drei seiner Objekte, kommt in der Gastronomie hervorragend an. Jürgen Petry vom Gasthaus Zahm findet, die „große Geste“ komme ja auch dem Vermieter zugute.

Eine „große Geste“ ist es für Jürgen Petry, den Wirt des Gasthauses Zahm am St. Johanner Markt, dass die M&R Beteiligungsgesellschaft ihm für zwei Monate die Miete erlassen hat. Der Gesellschaft gehört das Traditionsgasthaus. Drei weitere gastronomische Betriebe, die in seinen Immobilien arbeiten, werden zwei Monate keine Miete zahlen müssen, kündigte M&R-Chef Michael Zimmer am Donnerstag an. Das begeistert nicht nur die betroffenen Wirte. „Lob und Anerkennung für diese Entscheidung mit Vorbildcharakter“ hat zum Beispiel Achim Sprengart. Der Saarbrücker Gastronomie-Unternehmensberater hält Zimmers Entscheidung für „genau das richtige Signal in dieser Situation“.

Die Stadt Saarbrücken selbst vermietet an mehreren Stellen auch an Gastronomen. „Zwei Pächter haben sich bisher bei uns gemeldet“, teilt Michaela Kakuk von der Stadtpressestelle mit. „Da die weitere Entwicklung – auch die möglicher Entschädigungen von dritter Seite – unklar ist, haben wir mitgeteilt, dass wir im Falle eines Liquiditätsengpasses um Mitteilung bitten und in diesen Fällen zunächst eine Mahnsperre veranlassen“, sagt sie. Wenn sich die Situation wieder entspanne, werde die Stadtverwaltung „die Sachlage noch einmal prüfen“. Die städtische Siedlungsgesellschaft habe nur wenige gewerbliche Mieter. Die Geschäftsführung versuche, „mit den Betroffenen einvernehmliche Lösungen zu erarbeiten“.

In einem ersten Schritt biete die Siedlungsgesellschaft Stundungen an, „so dass betroffene Mieter einen gewissen Zeitraum überbrücken können, bis die von der Politik avisierten Mittel zur Hilfestellung fließen.“

Stundungen werden vielen Betrieben nicht helfen, befürchtet Jürgen Petry. Erstens wisse man nicht, wie lange die Krise dauert. Und danach werde es schwierig, neu anzufangen. Sind dann noch die gestundeten Mieten nachzuzahlen, sei das wohl schwierig. Der Ansatz von Zimmer, die Last nicht nur auf die Mieter zu legen, sondern auch als Vermieter einen Anteil zu tragen, sei richtig. Was Zimmer tut, sei „natürlich gut für uns“, sagt der Gastronom, „aber es ist auch für ihn als Vermieter gut“. „Aus kaufmännischer Sicht ist es doch so: Du kannst einen Mieter kaputtgehen lassen, dann musst du einen neuen suchen.“ Das könne für Vermieter problematisch werden, glaubt Petry. „Während der Krise besteht die Gefahr, dass die Mieten verfallen.“ Es sei also nicht nur eine „große Geste“, wenn Vermieter Mietern die Miete erlassen. Es sei schlichtweg vernünftig.

Quierschieds Bürgermeister Lutz Maurer appelliert ähnlich an Vermieter, insbesondere an Eigentümer von Gewerbe-Immobilien: „Seien Sie kulant, und kommen Sie ihren Mietern entgegen, sofern es Ihnen möglich ist. Finden Sie gemeinsam Lösungen, wie es mittelfristig für beide Seiten weitergehen kann. Auch Sie haben ein Interesse daran, dass die Geschäfte, nachdem das Gröbste überstanden ist, weiterexistieren und sich entwickeln können.“