| 21:27 Uhr

Saarbrücker Sommermusik
Unruh begeistert auch mit Neuer Musik

Saarbrücken. Von Josefine Hoffmann

Der Rathausfestsaal war am Freitagabend sehr gut besucht, als das Duo Unruh sein Konzert als Teil der Saarbrücker Sommermusik gab. Die Cellistin Dina Bolshakova und die Pianistin Katharina Polivaeva sind dem Ensemblenamen nach wohl eher mit einer technischen Unruh, also dem Schwungrad eines kleinen Uhrwerks, zu vergleichen, weil sie als vollkommene Einheit musizieren und sich dabei mühelos schwungvoll durch Klangwelten von Vergangenheit und Gegenwart bewegen. Bolshakova zauberte mit Leichtigkeit Flageolets und virtuose Läufe, Polivaeva stand ihr perfekt zur Seite.


Gerade das gemischte Programm mit klassischer und neuer Musik begeisterte die Zuhörer, technische Perfektion diente stets der Gestaltung der Musik.

Das war gleich zu Beginn des Abends in der anspruchsvollen Sonate in A‑Dur von Luigi Boccherini (1743‑1805) hörbar, die dieser als Cellovirtuose für den eigenen Bedarf komponiert hatte.



Anschließend hörte das Publikum die Uraufführung von „Flüchtige Gedanken“, ein Werk des 1984 geborenen Kölner Komponisten und Librettisten Martin Brenne. Er setzte, vom Titel ausgehend, den Prozess des Nachdenkens musikalisch um: Rastloses Grübeln, Erinnern, um sich selbst kreisendes Sinnieren, geniale Einfälle – der Dialog musikalischer Gedanken beider Instrumente war für die Hörer nachvollziehbar, weil das Material sehr abwechslungsreich verarbeitet wurde. Das Duo arbeitete dynamische, tonale und klangliche Kontraste der gleichberechtigt gestalteten Cello‑ und Klavierpartien exzellent heraus. Auf das nächste Opus von Brenne darf man gespannt sein.

Es folgten „Variationen über ein Thema von Rossini“ von Niccolò Paganini (1782‑1840). Zum Schluss erklang von Don Jaffé (*1933) die Sonate Op. 6 „Via dolorosa Ebraica“, welcher der Ernst ihres Themas anzuhören war: Statt des Leidensweges Christi hat Jaffé den der Juden vertont.

Das Publikum war schlichtweg begeistert, und Bravorufe ertönten, so dass sich die beiden Musikerinnen mit einer kleinen Zugabe bedankten. Es war ihr drittes Konzert bei der Saarbrücker Sommermusik. Sollten sie 2019 wiederkommen, ist der Saal sicher wieder voll.