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Schiedsrichter
Unauffällig, kommunikativ und sensibel

Volkmar Fischer ist Schiedsrichterobmann des SFV.
Volkmar Fischer ist Schiedsrichterobmann des SFV. FOTO: Alexander Stolz
Saarbrücken. Schiedsrichter müssen viel einstecken. Im Saarland gibt’s fast 1100. Wir stellen die vor, die überregional im Einsatz sind – und ihren Chef. Von Patric Cordier

Die Saarbrücker Zeitung kürte „Saarlands Beste“ für besonderes Engagement im Ehrenamt. Ein Status, über den Dr. Volkmar Fischer zu seiner aktiven Zeit weit hinaus war. Denn der Mediziner der Klinik Neunkirchen leitete Anfang der 90er Jahre 48 Spiele in der 1. und 2. Bundesliga. Der Psycholge und Neurologe gehörte zu den besten deutschen Fußball-Schiedsrichtern. „Mein allererstes Spiel in der Bundesliga war Dortmund gegen Freiburg“, erinnert sich der 57-Jährige: „Da musste ich vor der berühmten Südkurve einen Elfmeter gegen den BVB verhängen.“ In einem anderen Spiel nahm er Lothar Matthäus ein Tor weg – der hatte einen Freistoß ausgeführt, den Fischer noch nicht freigegeben hatte. „Uli Hoeneß und Trainer Erich Ribbeck waren damals nicht so begeistert“, erzählt der Saarländer mit einem Lächeln.


Seit 2017 ist Fischer der Schiedsrichterobmann des Saarländischen Fußball-Verbandes (SFV). Er „beerbte“ Heribert Ohlmann, der 24 Jahre lang Chef der Saar-Schiedsrichter war. „Heribert war mein Lehrwart und Obmann und ist ein langjähriger Freund. Aber jeder hat einen anderen Führungsstil. Ich bin ein Freund flacher Hierarchien“, sagt Fischer. Knapp 1100 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter gibt es im Saarland. Mit den neu eingeführten Kurzlehrgängen konnte der SFV 2017 mehr als 50 neue Unparteiische dazugewinnen.

Ein hoher Anteil der SFV-Schiedsrichter ist über 50 Jahre alt. „Viele sind aus Alters-, aber auch aus beruflichen Gründen nicht immer einsetzbar“, sagt Fischer. Er ergänzt: „Noch bekommen wir aber alle Spiele besetzt.“ Andernorts gab es in der Vergangenheit Streiks der Schiedsrichter, um auf die steigende Zahl von Übergriffen auf Unparteiische aufmerksam zu machen. Soweit ist es im Saarland noch nicht. Auch wenn in der abgelaufenen Saison laut SFV 15 Tätlichkeiten gegen Unparteiische aktenkundig geworden sind. Beleidigungen und Anfeindungen sind statistisch nicht erfasst. „Respektlosigkeit ist ein gesellschaftliches Problem“, sagt Fischer: „Es gibt Übergriffe – und wir müssen dieses Thema sicher öffentlich mehr diskutieren.“



Ein guter Schiedsrichter ist für Fischer „unauffällig, kommunikativ und sensibel, wichtig sind die Fähigkeiten zur Reflektion und Selbstkritik“. Er selbst wurde vor 41 Jahren auf Wunsch seines Großvaters – selbst ein passionierter Pfeiffenmann – Schiedsrichter. „Es ist die beste Persönlichkeitsbildung, die ich mir vorstellen kann“, sagt Fischer zu dem Hobby, das ihn noch immer begeistert. „Man muss mit ganz unterschiedlichen Charakteren, Bildungsgraden und Typen zurechtkommen. Keine Situation ist wie die andere. Das macht die Faszination des Fußballs doch aus.“

Um es ganz nach oben zu schaffen, muss man als Schiedsrichter früh anfangen. Wer bis zu einem bestimmten Alter eine gewisse Leistungsklasse nicht erreicht hat, wird es kaum in die Bundesliga schaffen. „Ich sehe es als meine Aufgabe, Talente zu finden und zu fördern. Der Druck ist sicher größer geworden. Das mediale Interesse auch. Wir müssen unseren Schiedsrichtern helfen, damit umzugehen“, sagt Fischer. „In der Bundesliga sind die Ansetzungen mittlerweile so kurzfristig, dass man das nur schwer mit einem normalen Berufsleben vereinbaren kann. Der Berufsschiedsrichter wäre eine logische Konsequenz, doch der wird seit Jahren nicht gewollt“, schiebt er nach. Beim Thema Video-Beweis steht Fischer „wie immer als Schiedsrichter in der Mitte, wenn Gerechtigkeit oberste Maxime ist, muss man dafür sein, wenn es um die Emotionalität geht, die den Sport auszeichnet, muss man ihn ablehnen“.

Es gehört zu Fischers Aufgaben, talentierten Schiedsrichtern den Weg dorthin zu ebnen, wo er einst pfeiffen durfte. „Für das Saarland ist es bereits ein Erfolg, dass wir fünf Gespanne (ein Gespann ist der Schieds- und seine Linienrichter, Anmerkung der Redaktion) in die Regionalliga entsenden können“, sagt Fischer: „Ich hoffe Patrick Alt, der ja schon in der 2. Liga aktiv ist, wird der Nächste sein, der den Sprung schafft.“ Alt gehört zu den Unparteiischen, die die saarländischen Farben überregional vertreten und die wir in den kommenden Wochen in loser Reihenfolge vorstellen werden. Saarlands Beste eben.