Unabhängige Patientenberatung in Saarbrücken berät vor allem telefonisch

Kostenpflichtiger Inhalt: Unabhängige Patientenberatung : Saarländer suchen den persönlichen Rat

2016 wurde die Unabhängige Patientenberatung unter Protest der bisherigen Träger bundesweit neu strukturiert und zentralisiert. Das Saarbrücker Beratungsbüro legt nun erstmals Zahlen zu Umfang und Art der Beratungen seitdem vor.

Ärger mit der Krankenkasse, Verdacht auf einen Behandlungsfehler? Oder Informationsbedarf zur Kurzzeitpflege oder alternativen Therapiemöglichkeiten? Bei solchen Fragen hilft die Unabhängige Patientenberatung (UPD) weiter, telefonisch, persönlich, schriftlich oder online. Seit drei Jahren ist diese gesetzlich verankerte Beratungsleistung allerdings nicht mehr auf viele verschiedene Träger in den einzelnen Bundesländern verteilt, – im Saarland waren es von 2001 bis 2015 die Verbraucherzentrale und der Sozialverband VdK –, sondern sie wird seitdem von der privaten Sanvartis GmbH in Duisburg getragen, die dafür eine gemeinnützige GmbH gegründet hat. So wollte es der Gesetzgeber. Die Befürchtung der Kritiker: Mit der Zentralisierung der Beratung und der Vergabe an nur einen Träger wie den Sanvartis-Konzern, einem großen Kommunikationsdienstleister im Gesundheitswesen, der auch Krankenkassen und Pharmakonzerne berät, könne die Unabhängigkeit der Beratung gefährdet sein.

Am Dienstag stellte der einzige Berater der neuen UPD Saar, Kai Buchalla (in Vertretung des kurzfristig verhinderten Pressesprechers), die Datenlage für das Jahr 2018 in der UPD-Beratungsstelle in der Saarbrücker Futterstraße vor. Demnach hat die UPD 1510 Beratungen durchgeführt, 85 Prozent davon telefonisch. Gezählt wurde nach Postleitzahlen-Zuordnung. Zu diesen rund 1500 Kunden müsse man nochmal geschätzte 40 Prozent hinzuzählen, die anonym beraten wurden“, erläuterte Buchalla. Vertraut man diesen Zahlen, hat die neu aufgestellte UPD rund 2100 Menschen beraten, ein Drittel weniger als im Jahr 2015 in der alten Struktur. Damals berieten vier Mitarbeiter in wöchentlich insgesamt 16 Stunden rund 3000 Rat suchende Saarländer im Jahr, vor allem persönlich. Heute werden zwei Drittel der Anfragen telefonisch abgewickelt, Berater Buchalla steht nur insgesamt acht Stunden pro Woche für persönliche Beratungen in Saarbrücken zur Verfügung. Teilweise kompensiert wurden die eingeschränkten Beratungszeiten durch drei „Beratungsmobile“ für ganz Deutschland, die 30 bis 40 Städte (darunter Saarlouis, St. Wendel, Zweibrücken) pro Quartal anfahren, um dort den Bedarf abzudecken. Für diese mobile Beratung muss man ebenfalls einen Termin vereinbaren.

Auffällig ist, dass der Anteil der persönlichen Beratungsgespräche im Saarland mit 11,3 Prozent fast doppelt so hoch ist wie im Bundesdurchschnitt (5,2 Prozent). Über 22 Prozent der saarländischen Ratsuchenden sind zwischen 55 und 65 Jahre alt, im Bundesdurchschnitt sind es 19,2 Prozent.

Was Berater Buchalla nicht leisten kann, landet im zentralen UPD-Call Center in Berlin, wo sich rund 130 Mitarbeiter, darunter Juristen, Ärzte, Pflegekräfte, Psychologen, nicht nur telefonisch, sondern auch schriftlich um die Anfragen kümmern. Und zwar in Deutsch, Türkisch, Russisch und Arabisch. Unter der zentralen 0800er-Nummer können auch persönliche Beratungstermine in einem der 30 Büros bundesweit vereinbart werden. „Meistens klappt es schon in der gleichen Woche“, sagt Buchalla zu den Wartezeiten. Er sieht keinerlei Qualitätseinbußen im Vergleich zu vorher, vielmehr sei die UPD jetzt besser und länger telefonisch erreichbar. „Wenn ich nicht mehr weiterhelfen kann, kann ich auch Juristen oder Mediziner aus der Zentrale online zum Beratungsgespräch dazu schalten“, erklärt er. Zudem werde die Arbeit und damit die Unabhängigkeit der UPD von einer externen Auditorin und der Schweizer Controlling-Firma Prognos laufend evaluiert geprüft. „Wir geben keine Kundendaten an unseren Träger weiter. Es gibt da keinerlei Schnittstellen.“

Und was wollen die Saarländer wissen? „Knapp die Hälfte aller rechtlichen Beratungen werden zum Thema Leistungsansprüche gegenüber Kranken- oder Pflegeversicherungen geführt“, berichtet Buchalla aus der Praxis. Auch bei der Suche nach den zuständigen Leistungserbringern (Fachärzte, Krankenhäuser, etc.) liegt das Saarland mit 30 Prozent der Anfrage deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 17,9 Prozent. Buchalla hält hier einen Fachärztemangel auf dem Land für eine mögliche Erklärung.

Kostenfreie Beratungs-Hotline unter Tel. (0800) 011 77 25.

www.patientenberatung.de

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