Umfrage unter 1700 Kindern und Jugendlichen Nur 60 Prozent der jungen Menschen im Saarland sind klar für Demokratie

Saarbrücken · Während 15 Prozent der Befragten die Demokratie nicht für die geeignetste Regierungsform halten, sind 24 Prozent in dieser Frage unentschieden. Das hat eine Umfrage ergeben, die Teil des fünften Kinder- und Jugendberichts ist. Befragt wurden 1700 junge Menschen in allen Landkreisen.

  Mit dem Homeschooling während der ersten Schulschließung waren viele unzufrieden.

Mit dem Homeschooling während der ersten Schulschließung waren viele unzufrieden.

Foto: dpa/Ulrich Perrey

Da war auch die saarländische Sozialministerin Monika Bachmann (CDU) „erstaunt und etwas erschreckt“: Zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen an der Saar wissen nicht, was mit dem Begriff „Großregion“ gemeint ist. Und ein Drittel war noch nie in Lothringen. Eine besonders bedenkliche Zahl: 15 Prozent der Befragten halten die Demokratie nicht für die geeignetste Regierungsform.

Das zumindest hat eine Umfrage ergeben, die Teil des fünften Kinder- und Jugendberichts im Saarland ist. Dieser Bericht (Gesamtkosten: 95 000 Euro) soll nach den Sommerferien vorliegen und der Politik Hinweise geben, wo sie besonders handeln muss. Doch die ersten Ergebnisse der Umfrage hat das Sozialministerium schon am Donnerstagmittag vorgelegt, wobei die Aussagen zu Großregion und Demokratie mit die überraschendsten sind – gemeinsam mit der Feststellung, dass nur acht Prozent der hiesigen Kinder und Jugendlichen (befragt wurde in allen Landkreisen) über eine zu langsame Internetanbindung klagen.

1700 junge Menschen hat das Saarbrücker iSPO-Institut für Sozial­forschung, Praxisberatung und Organisationsentwicklung zwischen September und November 2020 befragt; zu zehn Themen, von denen Corona das drängendste war. Die Ergebnisse dort: 54 Prozent sind zufrieden mit dem Handeln der Politik, was die Pandemie angeht, wobei die höchste Zustimmung bei Studierenden, Schülern und Schülerinnen an Gymnasien herrscht, die niedrigste an Berufsschulen, wie iSPO-Geschäftsführer und Erziehungswissenschaftler Erik Schäffer erläutert. 71 Prozent der Befragten hielten sich an die Abstands- und Kontakt-Regeln, auch wenn die ihnen seelisch am meisten zusetzten – außerdem die Angst davor, ältere Familienmitglieder mit dem Virus anzustecken, und die Sorge um die Zukunft, die durch die Pandemie unsicherer geworden ist.

Das „Homeschooling“ während der ersten Schulschließungsphase sehen die Befragten kritisch: 44 Prozent sagen, dass das digitale Lernen nicht funktioniert habe, 54 Prozent glauben, dass sie weniger gelernt haben als bei Präsenzunterreicht. Immerhin: Eine große Zahl der Befragten (80 Prozent) gibt an, dass es trotz der angespannten Lage mit Schulschließungen in den Familien nur wenige Konflikte gegeben habe.

Die aktuelle junge Generation sei „parteipolitisch distanziert“, sagt Schäffer – so würde sich die Hälfte der Befragten gerne in einer Organisation mit bestimmten Zielen wie etwa Klimaschutz engagieren, aber nur ein Viertel habe Interesse an der Mitarbeit in einem Jugendparlament. Während 15 Prozent der Befragten die Demokratie nicht für die geeignetste Regierungsform halten, sind 24 Prozent in dieser Frage unentschieden, auch wenn 74 Prozent finden, dass bei Entscheidungen jeder gefragt werden müsse; nur 60 Prozent sprechen sich direkt für die Demokratie aus. Joachim Geiger, sozialpolitischer Sprecher der FDP-Saar, nennt das in einer Mitteilung vom Donnerstagnachmittag „eine gefährliche Entwicklung, wo wir als Gesamtgesellschaft gefragt sind und vehement gegensteuern müssen“.

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