Umfrage der HTW Saar: Was schätzen Saarländer an ihrer Heimat?

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Die HTW Saar hat in einer Umfrage 445 Frauen und Männer befragt, mit was sie im Saarland besonders zufrieden sind – und was dringend verbessert werden müsste.

Wie zufrieden sind Saarländerinnen und Saarländer mit dem Leben und den Angeboten in ihrer Heimat? Und was würden sie gerne ändern? Diesen Fragen gingen Studierende der Internationalen Betriebswirtschaft der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Saar in einer Umfrage auf den Grund. 445 Frauen und Männer im Alter von 21 bis 85 Jahren aus allen Landkreisen des Saarlandes wurden dazu in persönlichen Interviews befragt. Der Schwerpunkt lag dabei auf den 30 bis 49-Jährigen und den Saarländern über 50, erklärt Tatjana König, die als Professorin an der HTW Saar das Fachgebiet Marketing lehrt. Die Antworten der Befragten zusammengefasst, haben sich verschiedene Kategorien herauskristallisiert, ergänzt Roswitha Scheirle, Studierende Masterstudienganges Marketing Science, die Tatjana König bei der wissenschaftlichen Auswertung unterstützt.

Was die Befragten am besten finden? Über 90 Prozent sagten die Mentalität. Sie schätzen die Offenheit, Hilfsbereitschaft, das Familiäre und den Gemeinschaftssinn im Saarland, sagt König. Natur und Outdoor-Aktivitäten landeten auf Platz zwei. Die vielen Wanderwege und Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen, machen das Saarland für die Befragten attraktiv. „Hauptsach gudd gess“ heißt es auf Platz drei. 202 der 445 Befragten sind zufrieden mit dem kulinarischen Angebot im Land und mögen vor allem saarländischen Spezialitäten.

Spazieren an der Uferpromenade in Saarbrücken, das Nachtleben im Nauwieser Viertel, die Museen und die vielen kleineren Feste schätzen 158 der Umfrageteilnehmer. Kulturelle Vielfalt bringe auch die Lage des Saarlandes in der Großregion. In Sachen Infrastruktur bewerteten die Befragten das Gesundheitssystem und die kurzen Wege (46 Befragte) positiv.

Sehr schlecht schneidet das Saarland hingegen in Sachen öffentlicher Personennahverkehr ab. Schlechte Taktung, zu teuer und in seiner Qualität nicht wirklich attraktiv sagt ein Groß der Befragten – sowohl aus den eher ländlichen Gebieten, als auch Städter. Unzufriedenheit herrscht auch bei der Politik. Von „Vetternwirtschaft“ und „zu viel Bürokratie“ ist die Rede. Obwohl Kultur- und Freizeitangebote grundsätzlich gut abschneiden, sehen 64 der Befragten auch hier Nachholbedarf. Das betreffe vor allem die ältere Generation, die sich mehr Angebote für Senioren wünscht. „Auch mehr Freizeitaktivitäten für Kinder und mehr Konzerte und Kultur-Initiativen werden gewünscht“, sagt Scheirle.

Als zu „langsam“ und wenig dynamisch sehen viele auch das Image, das das Saarland außerhalb hat – vor allem die Städter. Etwas abgehängt sei ihre Heimat zum Beispiel was die Einkaufsmöglichkeiten und die Öffnungszeiten der Geschäfte betrifft, sagen 60 Befragte. Einige wünschten sich Öffnungszeiten bis 22 Uhr – wie es in anderen Bundesländern bereits der Fall ist. Mit der wirtschaftlichen Situation im Saarland hadern 54 der Befragten. Sie wünschen sich vor allem attraktivere Gehälter und bessere Karrierechancen, sagt König. Das Thema Gehalt und Karrierechance treibe vor allem Befragte aus dem ländlichen Raum um. Einige wünschen sich auch, dass sich mehr IT-Unternehmen und mehr Start-Ups im Saarland ansiedeln. Im Bereich Bildung sei sehr häufig eine Rückkehr zu G9 gefordert worden – also Abitur nach neun Jahren statt derzeit nach acht Jahren (G8) – sagt König. Außerdem soll mehr Geld in die Bildung investiert werden. König weist hier allerdings als Positiv-Beispiel auf die Unterstützung der Politik im Hinblick auf die Förderung der Zusammenarbeit zwischen der HTW Saar und der Universität des Saarlandes hin.

Zu viele Abgase in der Luft, dreckige Straßen, verschmutzte Böden Gewässern – 48 Umfrageteilnehmer sind zudem der Meinung, dass für den Umweltschutz mehr getan werden müsste. Und zu guter Letzt: 29 der Befragten bemängeln die Sicherheit im Land und fürchten zum Beispiel eine zu hohe Kriminalitätsrate und steigenden Drogenmissbrauch im Saarland.

Grundlegend lasse sich durch die Umfrage festhalten, dass die Befragten gerne im Saarland leben, sich aber schlicht mehr Dynamik und eine Modernisierung wünschten, sagen König und Scheirle. „Mut zu Veränderung“, „mehr Aufgeschlossenheit“, „weniger Kleinkrämerei“, „weniger angestaubt“, „frischer werden“, „weniger Engstirnigkeit“ seien nur einige wenige der gestellten Forderungen.

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