Überraschende Bewerbung für LMS-Chefposten im Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Landesmedienanstalt : Überraschende Bewerbung für LMS-Chefposten

Die große Koalition will die CDU-Politikerin Ruth Meyer zur Direktorin der Landesmedienanstalt machen. Sie bekommt Konkurrenz.

Wer Direktor der Landesmedienanstalt (LMS) werden will, soll „über mehrjährige Berufserfahrung im Bereich der Medien sowie in der allgemeinen Verwaltung verfügen“. So stand es am 21. November in der Stellenanzeige. Eine wichtige Anforderung wurde darin verschwiegen: Man muss in der CDU sein, denn die Partei darf auswählen, wer’s wird. Dafür steht an der Spitze des SR mit Thomas Kleist ein Sozialdemokrat (der von 1987 bis 1996 übrigens auch mal LMS-Chef war). So will es der schwarz-rote Proporz, der längst nicht nur den Entsorgungsverband Saar, den Rechnungshof oder Saartoto umfasst.

Die große Koalition hatte sich bereits im Oktober festgelegt, dass die CDU-Abgeordnete Ruth Meyer (54) Nachfolgerin von Uwe Conradt (CDU) werden soll, der am 1. Oktober 2019 sein Amt als Saarbrücker Oberbürgermeister angetreten hatte. Meyers Wahl zur LMS-Direktorin (Monatsgehalt 8823 Euro brutto) soll am Mittwoch im Landtag über die Bühne gehen.

Wie die SZ erfuhr, gibt es allerdings einen Überraschungskandidaten. Der stellvertretende Direktor der Landesmedienanstalt, Jörg Ukrow (59), wird ebenfalls kandidieren. SPD-Mitglied Ukrow, von 2008 bis 2012 Chef der Genossen im SPD-Kreisverband Saarbrücken-Land, ist ein anerkannter Medien-Experte. Bevor der promovierte Jurist 2003 LMS-Vize wurde, hatte er elf Jahre lang das Medienreferat der Staatskanzlei geleitet. Im vergangenen Jahr sollte er eigentlich Leiter der Europa-Abteilung in der Thüringer Staatskanzlei werden. Nach der Zustimmung des Kabinetts in Erfurt machte Ukrow aber einen Rückzieher – „aus persönlichen Gründen“, wie es hieß.

Bislang gibt es keine Anzeichen, dass die SPD von ihrer Zusage, CDU-Frau Meyer mitzuwählen, abrücken wird. Fraktionschef Ulrich Commerçon hatte Meyer im Oktober als „ernstzunehmenden Vorschlag“ bezeichnet. Am Donnerstag bekräftigte er auf Nachfrage: „Ich gehe davon aus, dass die SPD-Fraktion Frau Meyer wählen wird.“ Das bedeutet, Ukrow hat seine Kandidatur nicht mit der eigenen Partei abgestimmt.

Dritte Bewerberin ist die aus dem Saarland stammende Filmemacherin und Regisseurin Teresina Moscatiello (44), die Geschäftsführerin einer Berliner Produktionsfirma ist. Moscatiello studierte unter anderem Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Bochum und Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Ihre Werke liefen  international auf großen Filmfestivals.

Die Festlegung der großen Koalition auf die CDU-Abgeordnete Meyer hatte massive Kritik der Opposition ausgelöst. Die Ausschreibung sei wertlos, wenn rund einen Monat vorher schon öffentlich verkündet werde, wer für den Posten vorgesehen ist, kritisierte die Linke. Ihr Versuch, den Einfluss der Parteien durch eine Gesetzesänderung zurückzudrängen, scheiterte im Landtag. Die FDP vermutete auch, dass es zu Konkurrentenklagen unterlegener Bewerber kommen könne, sollte Meyer gewählt werden.

Die CDU ist hingegen überzeugt, dass Meyer eine gute Wahl ist. Die Partei verwies darauf, dass die St. Wendelerin dem Landtags-Medienausschuss sowie dem Medienrat der LMS angehöre und daher „bestens mit der Materie vertraut“ sei. „Sie hat Ahnung von Medien, sie hat Ahnung von Politik, und sie weiß vor allem, wie wir unser Land zum Beispiel in den Zukunftsfragen wie Gaming nach vorne bringen“, sagte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU).

Dr. Jörg Ukrow, Landesvorsitzender der Europa-Union Saar. Foto: BeckerBredel

Bevor Meyer 2012 in den Landtag gewählt wurde, leitete sie elf Jahre lang das Hauptamt des Landkreises St. Wendel. Ihr Studium der Sprechwissenschaften und Sprecherziehung sowie der Sozialpsychologie, Erziehungs- und Politikwissenschaft hatte sie an der Saar-Uni absolviert. Ihre Nominierung als Chefin der LMS war Teil einer CDU-Personalrochade, in deren Zuge die Landesvorsitzende der Frauen-Union, Anja-Wagner-Scheid, zur Staatssekretärin im Finanzministerin und Henrik Eitel zum Chef der Staatskanzlei befördert wurden.