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Über Grippe und den Umgang mit infektiösen Verstorbenen in Krematorien

Krematorien in Saarbrücken und Völklingen : Über Grippe und den Umgang mit infektiösen Verstorbenen

Einen Anstieg der Einäscherungen in den Krematorien in Saarbrücken und Völklingen verzeichnete Geschäftsführer Uwe Kunzler nicht nur in Corona-Zeiten. Er hat extra die Zahlen der bisher letzten heftigen Grippewelle von 2018 herausgesucht: „Da schossen die Zahlen von 699 Einäscherungen im Februar auf 1003 im März hoch, im April waren es immer noch 842“. Daher würde Kunzler, ein absoluter Befürworter von Maskenpflicht und Händedesinfektion, solche Maßnahmen genau genommen auch in Grippe-Zeiten empfehlen – etwa für Senioren und Geschwächte insbesondere dort, wo mehr Menschen zusammentreffen.

Der Umgang mit infektiösen Verstorbenen sei in seiner Branche praktisch ohnehin tägliches Geschäft. Jeder eingehende Corona-Sarg wird direkt beim Eintreffen einer Flächendesinfektion unterzogen, noch bevor er ins Haus kommt. Bei der grundsätzlich immer vorgeschriebenen zweiten Leichenschau in Anwesenheit eines Vertreters der Gerichtsmedizin ist Einweg-Schutzkleidung zu tragen: Handschuhe, Kittel, Maske, Schutzbrille. Die Leichenschau für französische Verstorbene wird von den französischen Behörden ausgeführt, die Särge kommen dann verplombt im Saarland an. „Ich habe überhaupt kein Verständnis fürs Verharmlosen von Corona“, so Kunzler, der auch bedauert, dass bei Grippeepedemien zu sehr verharmlost werde.

So würde sich Uwe Kunzler in Sachen Corona, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen in seinem Gewerbe, im Sinne seiner und aller Krematoriums-Mitarbeiter wünschen, dass diese als systemrelevant eingestuft und frühzeitig geimpft würden – „was ist, wenn da mal einige gleichzeitig  wegen Corona ausfallen?“ Er wolle jedenfalls niemandem erklären müssen, wenn plötzlich Bagger Gräben für Reihen-Körperbestattungen ausheben.