Über 1000 Prostituierte im Saarland gemeldet

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Unklar bleibt, wie viele von ihnen inzwischen in anderen Bundesländern tätig sind. Steuerlich erfasst sind hierzulande nur 183 Frauen.

Im Saarland haben sich rund zwei Jahre nach Inkrafttreten des sogenannten Prostituiertenschutzgesetzes 1026 Prostituierte angemeldet. Das teilte der Regionalverband Saarbrücken, der saarlandweit für die Anmeldung zuständig ist, auf SZ-Anfrage mit. Vor einem Jahr waren es mit 636 Prostituierten noch fast halb so viele Anmeldungen (wir berichteten). Unklar ist allerdings (und wird es wohl auch bleiben), wie viele der 1026 gemeldeten Prostituierten tatsächlich auch im Saarland tätig sind.

„Nicht alle Frauen, die sich im Saarland als Prostituierte angemeldet haben, arbeiten auch hier“, erklärt eine Mitarbeiterin der Saarbrücker Prostituierten-Beratungsstelle Aldona. Das Gewerbe sei einer „hohen Fluktuation“ unterworfen, was bedeutet, „dass viele Frauen in einem regelmäßigen Turnus ihren Arbeitsort wechseln“. Entsprechend könnten viele der 1026 gemeldeten Prostituierten sich inzwischen gar nicht mehr im Saarland aufhalten.

Die Polizei hatte die Zahl der Prostituierten im Saarland in der Vergangenheit auf 800 bis maximal 1000 geschätzt. Doch heute will sie keine Schätzung mehr abgeben. „Die Kontrollen der Prostitutionsstätten lassen keine validen Aussagen zur Gesamtzahl der Prostituierten zu“, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung. Bei den Kontrollen der Polizei würden heutzutage sowohl Prostituierte angetroffen, die im Besitz von Anmeldebescheinigungen des Regionalverbands Saarbrücken sind, als auch Anmeldebescheinigungen aus anderen Bundesländern vorzeigten. Wie viele dies jeweils sind, werde nicht eigens erhoben. Entscheidend sei lediglich „das Vorhandensein sowie die Gültigkeit einer Anmeldebescheinigung“, so die Polizei.

Nach Angaben des Regionalverbands wurden in den vergangenen zwei Jahren 37 Prostituierte ohne Anmeldebescheinigung in Bordellen festgestellt und die Betriebe deswegen mit Bußgeldern belegt. Anschließend hätten sich dann alle Prostituierten beim Regionalverband angemeldet. Zudem seien bei drei Prostituierten außerhalb von Betrieben Verstöße gegen die Anmeldepflicht festgestellt und geahndet worden. Ferner habe es sechs Verstöße gegen die Kondompflicht gegeben, die im Saarland bereits seit 2014 gilt.

Aus den aktuellen Zahlen des Regionalverbands geht außerdem hervor, dass es im Saarland derzeit rund 60 Prostitutionsbetriebe gibt. Dies können Bordelle oder auch sogenannte Terminwohnungen sein.

Steuerlich erfasst sind bei den saarländischen Finanzämtern lediglich 183 Prostituierte, wie das Finanzministerium der SZ mitteilte. Das bedeute aber nicht zwingend, dass sich die Mehrzahl der Prostituierten hierzulande der Steuer entzögen. „Denn steuerlich ist zum Beispiel für die Einkommensteuer das Finanzamt zuständig, in dessen Bereich sich der Wohnsitz beziehungsweise der gewöhnliche Aufenthaltsort der Person befindet. Somit lassen die Zahlen von den Anmeldungen beim Regionalverband Saarbrücken keinen Schluss auf die steuerliche Erfassung im Saarland zu“, erklärt das Finanzministerium. Mit anderen Worten: Da es im Prostitutionsgewerbe üblich ist, den Tätigkeitsort regelmäßig zu wechseln, könne jemand, der sich im Saarland angemeldet hat, trotzdem woanders wohnen und auch nur dort beim Finanzamt steuerlich erfasst sein.

Das Prostituiertenschutzgesetz der Bundesregierung hatte das Ziel, Licht ins Dunkel des Rotlichtmilieus zu bringen und das Gewerbe zu regulieren. Ist das gelungen? Nicht zuletzt angesichts der trotz Anmeldung unklaren Aufenthaltsorte der Prostituierten mögen da Zweifel aufkommen. Die Beratungsstelle Aldona gibt jedoch auch zu Bedenken: „Die Reglementierung schafft Hürden für den Einstieg in die Sexarbeit. Vor dem Prostituiertenschutzgesetz war der Einstieg ohne jegliche Voraussetzungen möglich. Prostitution ist sehr vielfältig, weshalb es schwierig ist, alle Bedürfnisse in einem Gesetz zu berücksichtigen.“ So gebe es etwa auch Frauen, die das Gesetz als Bevormundung und als zu restriktiv empfänden.