Trotz Protesten trat Rapper Kollegah am 11. Dezember in Saarbrücken auf

Kostenpflichtiger Inhalt: Rapper Kollegah : Ein Abend der Rap-typischen Großkotzigkeit

Trotz Protesten trat Skandal-Rapper Kollegah am Mittwoch in Saarbrücken auf. Die Presse war offiziell unerwünscht. Unser Autor ging trotzdem hin.

„Und in Auschwitz sind ja auch Sachen passiert, die haben mit Menschlichkeit nichts mehr zu tun!“. Tatsächlich? Kann man solch eine Aussage über den Ort größter Unmenschlichkeit treffen? Wieso „auch“? Hat dort ansonsten etwa große Menschlichkeit geherrscht? Rapper Kollegah hat den Satz jedenfalls in einem Interview gesagt – und wer sich so verharmlosend wie er über Auschwitz äußert, braucht sich eigentlich nicht zu wundern, wenn die Antisemitismus-Vorwürfe gegen ihn nicht verstummen. Dass Auschwitz keine Bundeswehrkaserne oder Jugendinternat war (auf die so eine Aussage eher gepasst hätte), müsste ihm und seinem Mitstreiter Farid Bang eigentlich nach dem Besuch dort klar gewesen sein. Hingefahren waren die beiden eigentlich, um sich vom Skandal um den Musikpreis Echo reinzuwaschen. Den hatten Farid Bang und Kollegah gewonnen, obwohl ersterer auf einem gemeinsamen Album von einem „Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ gerappt hatte. Hinweise auf antisemitisches Denken gibt es häufiger bei Kollegah zu finden, so etwa, als er den Holocaust mit der Behandlung der Palästinenser durch Israel verglich. Oder wenn in einem seiner Videos der große Weltenkrieg zwischen Gut und Böse damit endet, dass Christen, Muslime und Buddhisten friedlich zusammenleben. Fehlt da nicht wer?

Kein Wunder also, dass es von Seiten der jüdischen Gemeinde Forderungen nach einem Auftrittsverbot des Rappers in der Saarbrücker Garage gab. Letztlich wurde ihm dann nur gerichtlich untersagt, jene schauderhafte Zeile von den Auschwitzinsassen zu rappen – daran hielt er sich auch. Wiewohl es sehr wahrscheinlich ist, dass er sie nicht wegen des Verbots wegließ, sondern eben deshalb, weil sie von Farid Bang stammt.

Journalisten-Besuch war beim Konzert offenbar unerwünscht, mehrere Anfragen nach einem Pressezugang blieben unbeantwortet; am Telefon der Agentur hieß es zuletzt, das habe dann wohl seinen Grund. Die Vorberichte unserer Zeitung über die Antisemitismusvorwürfe und den Protest der jüdischen Gemeinde haben dem „Boss“, wie er sich gerne nennt, wohl nicht gefallen. Kein Problem, die Garage war bei Weitem nicht ausverkauft – also gab’s ja noch ganz normale Eintrittskarten. Vor der Halle hatte es übrigens keinerlei Protest gegeben, das Bündnis „Bunt statt Braun“ konnte sich nicht dazu entschließen.

Drinnen gab Kollegah den zu erwartenden Rap-typischen Großkotz mit Macho- und Bossgehabe, dicker Zigarre und Betonung der muskulösen Oberarme. So weit, so normal. Aber: Das Jahr 2019 scheint nicht spurlos an ihm vorübergegangen zu sein, er sprach zwischendurch vom schlimmsten seiner Karriere. „2019, das war schon ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Und die Tiefen waren ein bisschen tiefer als sonst.“ Bisweilen wirkte der sonst so vor Energie und Muskeln strotzende Rapper etwas schlapp und verschwand ungewöhnlich lang hinter den Kulissen. Dann wieder ließ er aufzeigen, wer alles sein Buch, wohl eine Art Lebensratgeber, gelesen hatte (ein Großteil des Publikums). „Das ist ein großes Kompliment für einen Rapper, wenn Leute sein Buch lesen und sagen: Es hat mir Kraft gegeben, es hat mich motiviert, etwas aus mir zu machen, von dem ich nie gedacht hätte, dass es möglich ist.“

Zwei Kandidaten aus dem Publikum ließ er gegeneinander eine Hantel hochdrücken, zwei andere Fans durften ein goldenes Sofa belegen, Kollegah selbst setzte sich zwischenzeitlich Zigarre rauchend auf einen Thron – das alles war völlig normal und eher unspektakulär. Im Publikum befanden sich fast ausschließlich junge Männer, die ihren Star offenbar stark verehrten. Eine konkrete Botschaft zum Thema Antisemitismus blieb Kollegah ihnen schuldig.