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Saarbrücken
Trotz Minus: Saarbrücken will Bäder erhalten

Saarbrücken will alle Bäder erhalten. Doch dafür braucht die hoch verschuldete Landeshauptstadt Geld.
Saarbrücken will alle Bäder erhalten. Doch dafür braucht die hoch verschuldete Landeshauptstadt Geld. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Saarbrücken. Mit höheren Eintrittspreisen, mehr Kursangeboten und zusätzlichen Veranstaltungen will Landeshauptstadt Schließungen verhindern.

Ein landesweites Konzept zum flächendeckenden Erhalt öffentlicher Badeanstalten wird es zumindest in nächster Zukunft nicht geben. Entsprechende Pläne von Saar-Innenminister Klaus Bouillon (CDU) sind damit auf Eis gelegt, um das Defizit zu senken. Die Verhandlungsseiten – Städte und Gemeinden auf der einen sowie Landesregierung auf der anderen – einigten sich demnach nicht auf eine gemeinsame Perspektive und geben sich fürs Scheitern gegenseitig die Schuld. Damit ist auch Saarbrücken auf sich allein gestellt, etwas gegen das dicke Minus zu unternehmen.


So habe die Arbeitsgruppe, Bäder, die vom Land zusammengerufen worden war, nur selten zusammengesessen. Für Saarbrücken sollen nach Angaben von Stadtpressesprecher Thomas Blug Bürgermeister Ralf Latz (SPD) und Reinhard Bläs als Vertreter des Saarländischen Städte- und Gemeindetages (SSGT) teilgenommen haben. Blug ernüchtert zum bisherigen Verlauf: Die Arbeitsgruppe „hatte in den letzten beiden Jahren zweimal getagt. Konkrete Ergebnisse gibt es bislang keine. Weitere Gespräche haben nicht stattgefunden.“

Darum gehe die Stadt die Angelegenheit mit eigener Strategie selbst an. Gabriele Scharenberg-Fischer als Geschäftsführerin der Saarbrücker Bäder-Gesellschaft, macht dazu konkrete Vorschläge, unter anderem um höhere Einnahmen zu erzielen. Denn bislang seien die Frei- und Hallenbäder hoch defizitär. Scharenberg-Fischer: „Bei den Hallen- und Kombibädern liegt der Kostendeckungsgrad bei 28 bis 30 Prozent.“ Noch schlechter sieht es bei den Freibädern aus. Dort erwirtschafte die Landeshauptstadt lediglich zwischen 15 und 20 Prozent dessen, was sie eigentlich für den Betrieb benötige. Zum Vergleich: Innenminister Bouillon hatte für alle saarländischen Kommunen einen Deckungsrad von mindestens 60 Prozent angemahnt, von dem die mit mehr als 1,1 Milliarden Euro hoch verschuldete Stadt Saarbrücken damit meilenweit entfernt ist.



So komme sie nicht an höheren Eintrittspreisen umher. Diese seien nach Angaben der Bäderchefin „alle zwei bis drei Jahre bei den verschiedenen Tarifen geplant“. Die letzte Preiserhöhung mussten Nutzer zu Jahresbeginn hinnehmen. Da habe die Stadt unter anderem den Preis pro Schwimmbahn für Schulen und Vereine um 30 Cent auf 3,80 Euro erhöht, ein Zuwachs von 8,57 Prozent. Davor sei der Preis seit 2013 gleich geblieben. Die Jahreskarte, deren Preis zuletzt 2015 angehoben, verteuerte sich um 20 auf 200 Euro. Das entspricht einem Plus von mehr als elf Prozent. Auch die Käufer von Einzeltickets mussten Aufschläge hinnehmen: So kletterte der Preis um 40 Cent auf 4,20 Euro (plus 10,53 Prozent). Trotzdem spricht Scharenberg-Fischer von „moderaten Preiserhöhungen“. „Ein Badbesuch muss für alle Bürgerinnen und Bürger bezahlbar sein.“

Dies sei jedoch nur ein Teil, mit dem die Landeshauptstadt vom Zuschussgeschäft runterkommen will. Es gebe zusätzliche „Maßnahmen zur Ertragssteigerung“: Kursangebote sollen ausgebaut werden. Ein Internetshop sei aus Sicht der Verwaltung geeignet, Geld in die Kassen zu spülen. Zusätzliche Veranstaltungen sowie Werbeflächen seien weitere Optionen.

Betriebskosten wolle Scharenberg-Fischer senken, indem „energiesparende Systeme“ alte ersetzen. Das betreffe beispielsweise sparsame Wärmepumpen ebenso wie modernes LED-Licht mit geringem Stromverbrauch. Das Personal könne, entsprechend geschult, „zusätzliche Aufgaben zum Beispiel als Kurstrainer“ übernehmen. Statt Anlagen über Vertragsfirmen betreuen zu lassen, schwebt ihr zudem vor, die verstärkt auf eigene Mitarbeiter zu übertragen.

Trotz des gescheiterten Dialogs zwischen Land und Kommunen setze Saarbrücken weiterhin auf einen saarländischen oder sogar bundesweiten Masterplan, um einen Bedarfsplan zu erstellen. Dieser soll gemeindeübergreifend den Bäderbau, Sanierung und Betrieb abstimmen. Gleichzeitig sei es unerlässlich, „öffentliche Bäder als Bildungsstätten zu verankern“. So sieht die Bäder-Geschäftsführerin Schwimmen als „Pflichtteil des Schulsportes an, der entsprechende Stätten benötigt.

Trotz aller Sparbemühungen und auszulotenden Einnahmequellen müsse der „gesellschaftliche Wert der Bäder als unverzichtbare Elemente der kommunalen Infrastruktur“ hervorgehoben und deshalb Geld bereitgestellt werden. Trotz der angespannten Lage: „Schließungen sind derzeit kein Thema.“