Premiere in Saarbrücken Trio präsentiert eine tierisch gute Kinderoper in der Sparte 4

Saarbrücken · Staatstheater bringt „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ auf die Bühne. Kinder und Erwachsene sind begeistert.

  Starker Auftritt in der Sparte 4 in Saarbrücken: Eva Kammigan, Mezzosopranistin Clara-Sophie Bertram und die Bratschistin Irena Petrovska (von links) in einer Szene der Kinderoper.

Starker Auftritt in der Sparte 4 in Saarbrücken: Eva Kammigan, Mezzosopranistin Clara-Sophie Bertram und die Bratschistin Irena Petrovska (von links) in einer Szene der Kinderoper.

Foto: Astrid Karger

Erster Impuls: Die will ich auch haben! Wie leuchtende junge Ranunkeln gedeihen bezaubernde Stehlampen auf einem saftig grünen Kunstrasen. Im Hintergrund ist dieser Boden senkrecht hochgeklappt, auf unterschiedlicher Höhe sind verdeckt fußballgroße Löcher eingestanzt – und schon lachen die ersten Eltern, denn das Ganze ähnelt verdächtig der Torwand aus dem Aktuellen Sportstudio.

Das ist aber nur einer von vielen Gags, die Regisseurin Birgit Eckenweber lediglich für Erwachsene eingebaut hat. Kinder sehen hier arglos einen Garten mit Blumen; die Löcher werden ganz selbstverständlich als Maulwurfshügel akzeptiert. Gebuddelt, jedenfalls fiktiv, hat sie ein Vertreter dieser im Tunnel- und Vertikutiergewerbe tätigen Spezies, der wegen eines deplatzierten Exkrements verärgert zum Detektiv mutiert und damit als Kinderbuchheld seit über 30 Jahren erfolgreich ist. Seit zwei Jahren liegt die Geschichte seiner grimmigen Inquisition dank der österreichischen Komponistin Elisabeth Naske auch als Kinderoper (Libretto: Ela Baumann) vor: Uraufgeführt wurde „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch 2022 in Wuppertal.

Die Saarbrücker Premiere am Samstag war nun eine in doppeltem Sinne, denn zum ersten Mal verortet das Saarländische Staatstheater eine Musiktheater-Produktion für junges Publikum in die Sparte 4. Der kleine Rahmen passt, handelt es sich doch um ein Drei-Personen-Mini-Öperchen für Kinder ab vier Jahren, bei dem die Kleinen oft direkt angesprochen werden. Die literarische Vorlage wurde von der Komponistin um zwei Personen erweitert: Die Sprechrolle des tierlieben Gärtners (Eva Kammigan) schafft eine charmante Rahmenhandlung; ihm gehört die Wiese, die vom Maulwurf (Mezzosopranistin Clara-Sophie Bertram) unterminiert wird. Zugleich verkörpert Kammigan als Erzähler die Außenwelt und verwandelt sich in alle Tiere, die der aufgebrachte Maulwurf der Tat verdächtigt.

Und dann ist da Viola, eine Figur, die nur mittels ihrer Bratsche kommuniziert und den Maulwurf auf seiner Suche nach dem Übeltäter kommentierend und beratend begleitet. In diesem Instrument (szenisch eingebunden: Irena Petrovska) erschöpft sich auch schon die ganze Orchestrierung: Im Dialog zwischen Vokalstimme (Sprechgesang, kleine Koloraturen) und Bratsche spiegeln sich die Emotionen und Bewegungen der Protagonisten. Das reicht von einfachen, liedhaften Motiven über zeitgenössische Tonsprache bis zu Lautmalerischem: Mit dem Bogen erzeugt Petrovska beispielsweise Knarzgeräusche, während Bertram erstaunt fiept, erschrocken schnauft und zornig schnaubt. Dass der Maulwurf außerdem lispelt, wäre verzichtbar, ist jedoch nicht der Inszenierung geschuldet: Die Komponistin selbst hat die Figur so angelegt, um sie als Eigenbrötler auszuweisen.

Sämtliche Tiere kommen ausgesprochen chic daher, bei der Ausstattung durfte sich Kristina Böcher (Bühnenbild und Kostüme) lustvoll austoben: Die elegante Ziege etwa sieht aus, als wolle sie in Chanel zur Cocktailparty, und der Maulwurf trägt eine Art Frack und eine aufgeregt gesträubte Stachelschweinfrisur, inmitten derer die Kacke prangt wie ein Krönchen. Ansehnlich auch die Fäkalien der Viecher, die durch den Abgleich ihrer Hinterlassenschaften ihre Unschuld beweisen, von der flatterhaften Taube über das scheue Karnickel bis zum selbstbewussten Pferd: Angesichts des gigantischen Fladens, den Kuh Muriel in Form eines Liegekissens abwirft, ist man heilfroh, dass Elefanten nicht fliegen können.

Wie differenziert und zugleich urkomisch Eva Kammigan dieses skurrile Panoptikum tierischer Eitelkeiten im Garderoben-Galopp darstellt, ist wahrlich zum Wiehern – und nicht immer ganz jugendfrei. Beim Schwein etwa sind nicht nur die Verdauungsprodukte anrüchig. Man möchte wetten, dass diese Miss Piggy im sauordinären rosa Fummel sich in Ferkeleien aller Art bestens auskennt. Und die Erregung, mit der sich die Fliege im Kot suhlt und anhand ihrer Expertise den Rüden Hans-Heinerich als Schuldigen ausmacht, fällt streng genommen ebenfalls unter FSK 16. Aber, wie gesagt: Das ist nur würziges Beifutter für die Großen und macht die Sache zum 45-minütigen Spaß für die ganze Familie. Die Kleinen waren jedenfalls begeistert und gingen gar so weit, sich selbst der Tat zu bezichtigen.

Weitere Vorstellungen am 23./24. April, 10 Uhr; 5. Mai, 14.30/16.30 Uhr; 19. Mai, 14.30 Uhr, Sparte4. Karten: Tel. 0681/3092-486, www.staatstheater.saarland

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