Tourismuskonzept soll Übernachtungszahlen in Saarbrücken verdpoppeln

Kostenpflichtiger Inhalt: Neues Konzept : Beim Tourismus klotzen, nicht kleckern

Eine neue Strategie soll helfen, die Übernachtungszahlen im Regionalverband bis 2025 zu verdoppeln. Dazu muss investiert werden.

„Saarbrücken ist die Hauptstadt des guten Geschmacks! Eingebettet in eine der schönsten Kreativ-Regionen Deutschlands!“ Klingt nach Hochglanzprospekt. Und soll wohl auch mal eins werden. Die „Mission“, wie es im neuen gemeinsamen Tourismuskonzept von Landeshauptstadt und Regionalverband heißt, haben der Saarbrücker Stadtrat und die Regionalversammlung jedenfalls in dieser Woche abgesegnet.

Seit Sommer 2019 haben Touristiker aus Stadt und Umland, also Menschen, die unter anderem in der Gastronomie, im Hotelgewerbe, in der Gästebetreuung und in der Vermarktung arbeiten, zusammen mit einer Agentur an einer neuen Strategie gearbeitet. Herausgekommen ist: Es läuft nicht ganz schlecht mit dem Tourismus, aber es ist noch viel Luft nach oben. Um das Potenzial auszuschöpfen, das Saarbrücken und die Umlandkommunen haben, gibt es, wie es im Konzept heißt, einige Handlungsfelder.

„Zielstellung“ sei es, die Botschaft besser an potenzielle Gäste zu bringen. Dazu sei eine „Optimierung der Kommunikationsmaßnahmen und Botschaften“ wichtig. Also: Überlegen, was man überhaupt vermarkten will, dann überlegen, wie man die Zielgruppe erreicht. Dazu müssen aber auch „Effektivität und Effizienz in der Zusammenarbeit“ gesteigert werden, heißt es im Strategiepapier. Anders formuliert: Stadt und Umland müssen besser zusammenarbeiten als bisher.

Was in erster Linie vermarktet werden soll, beschreibt das Konzept recht klar: „Saarbrücken steht für ein geschmackvoll-lebendiges Lebensgefühl“, heißt es da. Man solle das „Savoir-vivre“ inklusive der Sterne-Restaurants in Szene setzen. Saarbrücken sei aber auch „lebendige Bühne und kultureller Begegnungsort“. Dazu komme die Industriekultur im Regionalverband, das Weltkulturerbe in Völklingen an der Spitze. Das müsse man ebenso bewerben wie die „lebendigen Einkaufs- und Stadtquartiere“ in Saarbrücken. Neben der Industriekultur habe man aber auch „inspirierende Natur“ zu bieten.

Das Konzept benennt dazu „Leit-Zielmärkte“: Für den Freizeittourismus will man Tagesgäste aus dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Lothringen und Luxemburg anlocken. Kurzurlauber, die ein bis drei Tage bleiben, sollen aus den Metropol-Regionen Frankfurt-Rhein-Main, Rhein-Neckar, Rhein-Ruhr und Stuttgart, aber auch aus dem Großraum Paris, Luxemburg und der Region Basel/Zürich kommen. Außerdem will man „Event-Reisende“ ansprechen. Das sind in diesem Fall Menschen, die sich für Industriekultur, die Saarbrücker Festivals und Konzerte interessieren.

Dazu sollen mehr Tagungsgäste kommen als bisher. Die Randlage Saarbrückens innerhalb Deutschlands soll dabei durch „extravagante Tagungsarchitektur“, neuste Tagungstechnik und viele kulturelle Angebote ausgeglichen werden. Dass in der Stadtmitte ein neues Congress- und Messezentrum gebaut werden soll, passt in diese Strategie. Investiert werde müsse aber nicht nur in ein Congresszentrum, das Aufmerksamkeit über die saarländischen Landesgrenzen hinaus erzeugt, sondern auch in die Werbung selbst. Bisher gebe es nämlich „kein wettbewerbsfähiges Marketing-Budget, kaum Marktforschung“ sowie „kein schlagkräftiges überregionales Marketing“. Der Auftritt im Internet lasse auch zu wünschen übrig.

Wie viel Geld gebraucht wird, um Saarbrücken und den Regionalverband touristisch in Szene zu setzen, steht nicht im Strategiepapier, das innerhalb der kommenden fünf Jahre umgesetzt werden soll. Wenn alles so funktioniert, wie es die Experten erarbeitet haben, werde der Tourismus aber deutlich mehr Geld in die Region bringen. Von 77,6 auf über 100 Millionen Euro könne der Umsatz der Tourismusbranche pro Jahr steigen, wenn es optimal läuft. Das Konzept spricht von einer halben Million mehr Steuereinnahmen pro Jahr. Optimal bedeutet: Die Übernachtungszahlen müssten sich von derzeit rund 650 000 auf 1,1 Millionen pro Jahr fast verdoppeln. Und: Gute Tourismusangebote kommen auch den hier Lebenden zugute.