Tobias Freitag aus Jägersfreude tritt im Schottenrock bei Turnieren an

Serie Menschen im Regionalverband : Jägersfreuder Hobby-Schotte trifft im Rock

Tobias Freitag lebt wie die stolzen Männer aus den Clans. Bei Turnieren ist er stilecht gewandet. Und er hält einen skurrilen Rekord.

Tobias Freitag aus Jägersfreude liebt das Bogenschießen. Er kann dabei abschalten, nach stressigen Tagen in seiner eigenen Welt versinken und entspannen. Allerdings schießt der 42-Jährige nicht einfach nur in normalen Trainingsklamotten.

Er hat ein Ritual und ist gekleidet wie ein Schotte, wenn er zu Pfeil und Bogen greift. „Meine Eltern waren begeisterte Westernfans und sind auch zu den großen Veranstaltungen des Saarländischen Westernverbandes gefahren. Ich war da zwar ab und an dabei, aber mich haben die Schotten schon immer mehr interessiert als Cowboys und Indianer“, erzählt der Jägersfreuder Bub.

Was ihn an den Schotten so fasziniert, ist auch schnell erklärt. „Die Schotten geben nie auf, egal wie schwer das Leben ist. Die haben in vielen Kriegen gegen die Engländer immer wieder auf die Mütze bekommen und sind immer wieder aufgestanden. Es ist ein beeindruckendes Volk“, sagt der gelernte Dachdecker.

Er war schon mehrfach in Schottland, um Land und Leute kennenzulernen. Von dort hat er auch seine Original-Kilts, in denen er bei Turnieren im Bogenschießen antritt. Das ist keineswegs nur Show oder ein Kostüm, sondern steht vielmehr für eine Einstellung.

„Es gibt Kilts, die kann sich jedermann aussuchen und kaufen. Es gibt aber auch Kilts, die stehen für besondere Clans, und die bekommt man nicht einfach nur so“, sagt Tobias Freitag, der einen Militärkilt des Clans Black Watch besitzt. Das ist ein Clan, dem unter anderen Prince Charles, der Prince of Wales und englische Thronfolger, angehört.

„Ich war bei der Bundeswehr und schieße seit meinem 28. Lebensjahr mit dem englischen Langbogen“, erzählt der 42-Jährige. Kriterien, die ihn zur Aufnahme in den Clan berechtigten?

„Im Mittelalter hat der Guardian von Wales beispielsweise befohlen, dass jeder Einwohner mindestens drei Stunden am Tag mit dem Bogen schießen musste. Der Bogen hat in Großbritannien eine große Tradition, und das ist ja genau mein Ding“, sagt Tobias Freitag. Er tritt bei Bogenturnieren von Kopf bis Fuß in schottischen Gewändern an.

Wenn in Deutschland Traditionsfeste sind, zu denen er seiner Freundin zuliebe mitgeht, trägt er auch schottische Garderobe. „Ich mag die bayerische Tracht nicht. Wenn wir auf Oktoberfeste gehen, trage ich einen meiner Kilts“, sagt der Jägersfreuder stolz.

Bei Bogenturnieren kommt es ihm weniger auf die Platzierung an als auf die Kameradschaft. „Dort treffen sich vom Sozialhilfe-Empfänger bis zum Professor Menschen aus allen Gesellschaftsschichten. Mir geht es darum, neue Menschen kennenzulernen und eine schöne Zeit zu haben. Ich trainiere nicht dreimal die Woche, um am Ende der Beste zu sein“, erklärt der Bogensportler.

In seiner Freizeit spielt er auch noch Fußball bei den Alten Herren des ASC Dudweiler. Da die Schotten allerdings auch allerlei ausgefallene Sportarten ihr Eigen nennen und darin Wettbewerbe veranstalten, ist Tobias Freitag dann doch irgendwann ganz oben gelandet.

Er hält mit seinem bereits verstorbenen Freund Olaf den deutschen Rekord im Eierwerfen, und das hat sich sogar bis nach Schottland herumgesprochen. „Das ist schon ein paar Jahre her. Du hast zehn rohe Eier. Einer wirft, und der andere fängt. Nach jedem erfolgreichen Fang erhöht sich die Distanz um fünf Meter. Wir haben es auf 35 Meter geschafft. Aber das ist ja im Prinzip nur Spaß. Das Bogenschießen ist und bleibt meine Leidenschaft“, sagt der Hobby-Schotte stolz.

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