Tiere in Not Tierfutterhilfe Saarland – „Wir kommen zunehmend an unsere Kapazitätsgrenzen“

Sulzbach · Durch die Nachwirkungen der Pandemie und durch den Krieg in der Ukraine hat die Tierfutterhilfe Saarland aktuell mit Engpässen zu kämpfen. Zusätzlich fehlen in den Sommermonaten dringend benötigte Spenden.

 Gründer der Tierfutterhilfe Saarland Hans-Jörg Hene mit den Ehrenamtlern xxx (von links).

Gründer der Tierfutterhilfe Saarland Hans-Jörg Hene mit den Ehrenamtlern xxx (von links).

Foto: Isabelle Schmitt

Es begann alles mit seiner Hündin Kira. Als Hans-Jörg Hene in Saarlouis vor zwölf Jahren von einem schwer misshandelten Husky hörte, war für ihn und seine Frau schnell klar, dass sie alles versuchen wollten, um den Hund aufzunehmen und gesund zu pflegen.

Wie eine abgemagerte Hündin in Saarlouis aufgepäppelt wurde

Mit abgemagerten neun Kilo Körpergewicht, wenig Fell, Spuren ihrer Misshandlung und einer großen Angst vor Menschen zog die zweijährige Kira kurz darauf bei Hene ein. „Wir haben dieser Hündin all unsere Liebe geschenkt, haben sie aufgepeppelt und gepflegt, so gut wir konnten.“

 Die Tierfutterhilfe Saarland bietet den Besitzern auf rund 120 Quadratmetern Tierfutter und Zubehör an.

Die Tierfutterhilfe Saarland bietet den Besitzern auf rund 120 Quadratmetern Tierfutter und Zubehör an.

Foto: Isabelle Schmitt

Und das zahlte sich aus. Kira wurde gesund und lernte, was es heißt, einen Menschen zu haben, der auf einen aufpasst, der sich kümmert und der sich ihr Vertrauen verdient. Die unerwartet positive Entwicklung von Kira entzündet bei Hene den Gedanken, mehr Tieren helfen zu wollen. Und so gründet der gebürtige Saarlouiser noch im gleichen Jahr (2011) die erste und bis heute einzige Tiertafel im Saarland.

So funktioniert die Tierfutterhilfe Saarland

Das Prinzip der „Tierfutterhilfe Saarland“ – so der offizielle Name – funktioniert ähnlich wie das der Tafel. Einkommensschwache Menschen bekommen die Möglichkeit wöchentlich oder monatlich Futter für ihre Tiere zu erhalten. Die Kosten: ein Euro pro Monatsration. Jeder Einkäufer erhält seine eigene Karteikarte, in der alle Daten zum Tier und die Bedürftigkeit der Person, wie beispielsweise eine Hartz IV Bescheinigung abgelegt sind.

Auf mehr als 100 Quadratmetern hilft der Verein, der überwiegend von Spenden lebt, in Sulzbach mittlerweile jede Woche mehr als 400 Tierbesitzern – und das mittlerweile auch durch finanzielle Unterstützung von medizinischen Notfällen. Zu Beginn mit zwei kleinen Regalreihen – damals noch in Burbach – sammelten Hene und seine Ehrenamtler jede Woche Futterspenden, Spielzeug und Körbchen ein. Mittlerweile ist die Tiertafel auch über die Grenzen des Saarlandes hinaus bekannt.

Tierfutterhilfe ist über die Saar-Grenzen gefragt

„Es kommen sogar Tierbesitzer aus Luxemburg auf uns zu“, erzählt der 61-Jährige. Dass die Anfrage so groß ist, sei ein Zeichen dafür, dass seine Arbeit wirke, doch die vergangenen Jahre haben dabei auch ihre Spuren hinterlassen. „Zuerst hat uns die Corona-Pandemie sehr zu schaffen gemacht. Die Spenden sind unheimlich zurück gegangen. Gleichzeitig haben sich immer mehr Menschen ein Haustier angeschafft.“

Die Einsamkeit im Lockdown und die Ausgangssperren, die nur für Hundebesitzer aufgelockert wurden, seien für viele Menschen ein Grund gewesen, sich einen Hund anzuschaffen – auch wenn auf lange Sicht die finanziellen Mittel fehlten, um die Vierbeiner ausreichend zu versorgen. „Wir mussten laufend Futter dazu bestellen, haben viel aus eigener Hand bezahlt. Das war nicht leicht für uns.“

Ukraine-Krieg stellt Tiertafel vor neue Herausforderungen

Das größere Problem seien mittlerweile jedoch die Auswirkungen des Ukraine-Krieges. Zum einen gibt es immer mehr ukrainische Familien, die ihre Heimat verlassen müssen und ihre Haustiere mitbringen – allen voran Hunde und Katzen. „Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Niemand will sein Tier zurück lassen. Besonders nicht in einem Land, wo Krieg herrscht“, sagt Hene. Den Menschen fehlt es aufgrund ihrer Situation an Geld, um ihre Tiere ausreichend zu versorgen.

Immer mehr Tierbesitzer aus der Ukraine fragen daher bei der Tiertafel an. Das sei auf Dauer für den auf Spenden basierenden Verein zu viel. Denn zum anderen seien neben dem Flüchtlingsstrom die steigenden Lebensmittel- und Energiekosten für einige Familien und Rentner zunehmend schwer zu tragen. „Insbesondere ältere Menschen melden sich immer häufiger bei uns. Ich glaube viele wollten es vermeiden, auch weil es ihnen unangenehm war, Hilfe anzunehmen. Doch es gibt einige, die mittlerweile keine Wahl mehr haben.“

Spendenrate im Sommer deutlich niedriger

Neben der steigenden Anfrage, habe die Tiertafel aktuell auch noch mit einer niedrigen Spendenrate zu kämpfen. „Im Sommer entsteht immer wieder eine längere Phase, in der bei uns nur sehr wenige Spenden eingehen. Das kombiniert mit der Vielzahl an Menschen, die unsere Hilfe brauchen, bringt uns aktuell an unsere Kapazitätsgrenzen. Für ukrainische Tierbesitzer mussten wir aktuell auch einen Aufnahmestopp veranlassen.“

Trotz der Engpässe, die Hene und sein Team immer wieder auffangen müssen, sei er froh, dass sich ihre Arbeit rumspreche. „Wir wollen helfen, so gut wir können. Je mehr Leute das wissen, desto besser“, sagt Hene. Denn nur so finde man Menschen, die spenden. Für ihn sei klar, dass es immer irgendwie weitergehen werde. Er persönlich mache das hier für seine Kira, von der er sich vor drei Jahren verabschieden musste. „So lange ich lebe, werde ich Tieren helfen und die Tiertafel weiter führen.“

Weitere Informationen zur Tiertafel und Spendeninformationen: E-Mail: www.tierfutterhilfe.de;Telefon: (0162) 9 67 88 19 .

(bel)