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Tiertafel bietet armen Menschen Futter und Zubehör für ihre Lieblinge

Armut : Damit Tierliebe nicht zur Geldfrage wird

In Dudweiler können arme Menschen sich mit Futter und Zubehör für ihre Lieblinge eindecken. Der Bedarf ist groß. Rund 200 Nutzer haben sich angemeldet. Viele reisen sogar von weit her an.

Es ist ein ganz normaler Samstag bei der Tiertafel: betriebsam, entspannt – und doch wissen die Helfer immer, worauf es gerade ankommt. Als Frank Robine beispielsweise den kleinen Laden in der Scheidter Straße 45 betritt, wird er freundlich darauf hingewiesen, dass er bitte noch die halbjährlich fällige Anmeldegebühr zahlen solle.

Seit Januar 2017 ist der Dudweiler angemeldet. Er holt dort regelmäßig Futter für seinen Rottweiler-Dobermann-Mischling, den er lächelnd als „liebevoll-bekloppt“ bezeichnet. 23 Kilogramm habe der seinerzeit acht Monate alte Rüde gewogen, als er im November 2016 aus einer rumänischen Tötungsstation nach Deutschland kam. Der Hund war auf der Straße geboren. „Ihn wollte halt keiner“, sagt Frank Robine. Er schickte die Schutzgebühr und bekam einen stattlichen Hund. Heute wiegt der „hübsche Kerl“ 46 Kilogramm, bereichert Robines Leben – und das seines elfjährigen Sohnes, der „immer auf ihm rumturnt“.

Ein Besuch bei der Tierfutterhilfe Saarland, wie der Verein offiziell heißt, ist jedoch nicht nur Gelegenheit zum Gedankenaustausch über Tiere und ihre Halter. Er bietet vor allem auch einen Blick auf Menschen, die kaum Geld haben.

Dazu gehören beispielsweise Rentner mit geringem Einkommen, Hartz-IV-Empfänger, obdachlose Tierfreunde und Einrichtungen des Tierschutzes. „Alles bedürftige Menschen“, wie der Vorsitzende Hans Jörg Hene erklärt, während seine Hündin Enya – benannt nach der Sängerin – die Räume durchstreift.

Rund 200 Anmeldungen hat der Verein, der der Einfachheit halber Tiertafel genannt wird. Ein Gutteil der Tierhalter kommt aus der Umgebung, doch einige Kunden reisen sogar aus dem Raum St. Wendel an. Sie bilden dafür eigens Fahrgemeinschaften und holen sich dann gleich eine Monatsration, wie Hene erläutert.

Einige kommen immer noch aus Burbach, wo die Tiertafel vier Jahre lang beheimatet war. Nach einem Zwischenspiel in zwei Garagen auf dem Eschberg ist der Verein Anfang Dezember 2017 nach Dudweiler gezogen. „Hier bleiben wir jetzt“, bekräftigt der Vorsitzende.

Neben der Anmeldegebühr von fünf Euro für sechs Monate bezahlt ein Kunde für die Ausgabe von Hundefutter jedes Mal zwei Euro, für Katzenfutter einen Euro. Um sich bekannter zu machen und mehr Spenden einzuwerben, planen die Tierhelfer für 2019 die Teilnahme an verschiedenen Flohmärkten. Und die Helfer stellen in  Geschäften Sammelgefäße für Spenden auf.

 Nach wie vor gesucht sind ehrenamtliche Helfer, die zu den Öffnungszeiten dienstags, donnerstags und samstags zwischen je 10 und 13 Uhr mit anpacken können.

Als wichtig, um bekannt zu werden, hat sich Facebook gezeigt. Dort wurde beispielsweise Helferin Petra Seiwert-Kreis auf die Tiertafel aufmerksam. Seit Anfang Dezember kommt sie so ziemlich jeden Samstag extra aus dem Mandelbachtal, um den Tierfreunden unter die Arme zu greifen. „Das kann man ruhig unterstützen“, sagt sie bescheiden.

Neben dem Futter können arme Menschen für wenig Geld Zubehör wie Transportboxen, Decken, Kratzbäume, Tiefkühlware, Welpen-Windeln und vieles mehr gegen eine kleine Spende erstehen. „Nassfutter, Zeckenmittel und Flohhalsbänder sind immer Mangelware“, sagt Hans Jörg Hene. Die ganze Ware – neu und gebraucht – kommt aus Spenden von Privatpersonen, Institutionen oder Fachgeschäften.

Sabrina Niederbröker holt gerade das Halsband für ihren Hund ab, das ihr bei der Tiertafel angemeldeter Lebensgefährte vorher angezahlt hatte. Das Band aus Rinderleder für ihren Pitbull koste im Fachhandel ab 39 Euro aufwärts. „Und dann ist es billigste Qualität“, sagt die Dudweilerin, die sportlich mit dem Rad unterwegs ist.

Dass es Menschen gibt, die auf Tafeln – ob für Tiere oder für Menschen – angewiesen sind, empfindet sie als Ungerechtigkeit.

Ihre Oma etwa habe rund 40 Jahre für einen Fleischgroßhändler gearbeitet und erhalte nun eine knapp vierstellige Rente. „Es ist halt traurig“, sagt sie.