Tierschützer warnen vor Überreaktionen auf Afrikanische Schweinepest

Tierschutz : Seuche lässt Tierschützer Alarm schlagen

Der Völklinger Andreas Goldschmidt warnt vor Überreaktionen im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest. Und Hans-Friedrich Willimzik, der oberste Tierschützer im Land, macht vor allem den Menschen für den Siegeszug der Seuche verantwortlich.

Ein Tier-Killer ist entlang der Fernstraßen auf dem Vormarsch. Fall-Meldungen kommen aus der Slowakei, aus Bulgarien und Belgien. Männer in Schutzanzügen schleppen verpackte Kadaver davon, Opfer der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Einen Impfstoff gibt es nicht. Warner wie der Völklinger Tierschützer Andreas Goldschmidt wollen verhindern, dass die Angst vor der ASP gesunden Tieren zum Verhängnis wird.

Goldschmidt und 1000 Mitstreiter kämpfen bundesweit mit einer Petition für Geschöpfe, die bei Hobby-Haltern und Tierliebhabern leben. Das Gesetz mache keinen Unterschied zwischen Nutztieren und Tieren in Liebhaberhaltung, die nicht dem Verzehr dienen. Im Sperrbezirk seien alle Tiere zu töten, sollte die ASP auftreten.

Sabine Schorr, die Sprecherin des saarländischen Umweltministeriums will den Vorwurf des „vorsorglichen Tötens“ so nicht stehen lassen. Tötungen, wie sie das Tierseuchenrecht vorsehe, seien ja nicht etwa Vorsorge vor der Seuche, sondern Folge eines ASP-Ausbruchs. Und sie seien notwendig, um eine Ausbreitung zu verhindern. Das Ministerium gehe von einem hohen Einschleppungsrisiko aus. Schließlich verlaufe die hoch ansteckende ASP „unter schwersten Krankheitssymptomen regelmäßig tödlich. Erkrankte Tiere leiden erheblich, bis sie sterben“.

Die Behörden „wollen“ denn auch nicht „gesunde Hausschweine in Hobby- bzw. Liebhaberhaltung töten“ , wie Schorr versichert. Solche Tötungen ordne die Behörde nicht nach eigenem Ermessen an, sondern sie müsse die Tiergesundheitsgesetze einhalten. Die Anordnung, Tiere zu töten, sei nur als letztes Mittel zulässig.

 Sollte der Erreger zunächst nur bei Wildschweinen ausbrechen, sehe die Schweinepestverordnung keine Tötung nicht infizierter Hausschweine vor. Komme es aber „trotz hoher Biosicherheitsmaßnahmen der schweinehaltenden Betriebe zu einer Infektion innerhalb der Hausschweinebestände“, seien „alle Schweine des infizierten Bestandes schnellstmöglich zu töten und unschädlich zu beseitigen“.

Darüber hinaus könne es erforderlich werden, innerhalb eines bestimmten Gebietes noch nicht infizierte Schweine zu töten, um eine weitere Verbreitung der Tierseuche zu verhindern und dadurch eine Vielzahl anderer Schweinehaltungen zu schützen.

Das saarländische Umweltministerium sehe wegen der hohen Einschleppungsgefahr und des fehlenden Impfstoffs keinen Anlass, diese Maßnahmen gegen die ASP zur Diskussion zu stellen. Außerdem böten die vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen gegen die Einschleppung offenbar keine vollständige Sicherheit. Es gehe darum, angemessen auf einen ASP-Nachweis vor allem bei Wildschweinen zu reagieren, um ihn möglichst regional eingrenzen zu können und Ausbrüche bei Hausschweinen zu verhindern.

Der Landestierschutzbeauftragte Hans-Friedrich Willimzik sieht die Menschen gefordert. Natürlich gehörten Lebensmittelreste nicht als Abfälle auf die Rastplätze, wo die Wildschweine sie finden. Und dann erkranken. Er habe gesehen, wie eine Rotte zwischen den Lkws hindurchlief und alles fraß, was dort weggeworfen war. In Gebieten mit befallenen Wildschweinen sei für absolute Ruhe zu sorgen, damit die Tiere nicht – gegen ihre Natur – anfangen zu wandern. Dem Saarland bescheinigt Willimzik, gegen ASP schon einiges gemacht zu haben. Aber der oberste Tierschützer denkt über die Grenzen hinaus. „Wir müssten den Warenverkehr über so weite Distanzen verringern, unser Bewusstsein verändern.“ Stattdessen stünden um 17 Uhr fünf weitgereiste Lkws auf einem nicht eingezäunten Parkplatz. Sollte dort infiziertes Material landen und eine Rotte ihren Hunger stillen, dann wäre dem Virus Tür und Tor geöffnet.

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