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Tierheim-Serie
Riesenkaninchen suchen neue Freunde

Jessica Jedich präsentiert den Deutschen Riesen Chandler. Das Kaninchen ist nur knapp dem Kochtopf entronnen. Nun soll es ein gutes Zuhause finden. Dafür sucht das Bertha-Bruch-Tierheim Menschen, die sich von Chandlers Größe nicht abschrecken lassen.
Jessica Jedich präsentiert den Deutschen Riesen Chandler. Das Kaninchen ist nur knapp dem Kochtopf entronnen. Nun soll es ein gutes Zuhause finden. Dafür sucht das Bertha-Bruch-Tierheim Menschen, die sich von Chandlers Größe nicht abschrecken lassen. FOTO: Tierheim Saarbrücken
Saarbrücken. Diesmal geht es um zwei liebenswerte Tierheimbewohner und ihre Bedürfnisse. Liza Nonninger und Kathrin Schmidt stellen sie vor. red

Rosi ist ein hübsches Kaninchenmädchen mit rotem Fell – neugierig, freundlich und kerngesund. Obwohl im Tierheim in diesem Sommer nur wenige Kaninchen zur Vermittlung standen, wartet Rosi schon seit Mai auf ein Zuhause. Ohne die Hilfe von SZ-Lesern wird sie wahrscheinlich noch länger im Kleintierhaus ausharren müssen. Denn Rosi ist kein Zwergkaninchen. Bei dieser stattlichen Heimbewohnerin handelt es sich um einen Deutschen-Riesen-Mix.


Deshalb fällt die Kaninchendame vielen Interessenten schon mit dem ersten Blick auf. Nur leider nicht zu ihrem Vorteil. Die Heimbesucher urteilen einfach: „Viel zu groß.“ Damit ist Rosi aus dem Rennen. Zu Unrecht.

Wie Chandler, der im Kleintierhaus des Bertha-Bruch-Heims auf ein neues Zuhause wartet. Anders als Rosi ist der Prachtbursche ein reinsassiger Deutscher Riese. Er bringt somit sogar noch ein paar Kilo mehr auf die Waage als Rosi.



Er ist ein sehr liebenswürdiger kastrierter Rammler, den die Tierschützer mit drei weiteren Deutschen Riesen vor dem Schlachter retteten. Auch er ist, wie zahlreiche Besucher des Kleintierhauses finden, „viel zu groß“.

Selbstverständlich sollten Deutsche Riesen aufgrund ihrer Größe etwas mehr Platz bekommen. Während für Zwergkaninchen zwei Quadratmeter pro Tier gefordert sind, benötigen Riesen eher drei bis vier. Nun kommen viele Interessenten damit ja noch zurecht. Gehege lassen sich schließlich erweitern.

Viel häufiger hören die Betreuer im Heim jedoch von Besuchern, das eigene Kaninchen, das ein Partnertier suche, sei ja viel kleiner. „Na und?“, entgegnen ihm die Kleintierkenner.

Sie sagen: Ob zwei oder mehr Kaninchen sich verstehen, hängt von vielem ab. Zum einen von äußeren Einflüssen. Kaninchen brauchen ein artgerechtes Gehege mit ausreichend Platz, um sich mal aus dem Weg gehen zu können. Schließlich wollen auch Menschen nicht mit ihrem oder ihrer Liebsten jahrelang in einer Abstellkammer hocken.

Gut funktionieren ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis oder eine Gruppe, in der mehr Kastraten als Weibchen vorhanden sind. Ein großer Weibchen-Überschuss ist nicht ratsam. Und zu einem ganz alten Kaninchen passt kein Jungtier als einziger Gehege-Partner.

Neben diesen Voraussetzungen, die Menschen schaffen können und sollten, ist jedes Kaninchen einzigartig: aktiv oder ruhig, neugierig oder zurückhaltend, dominant oder schüchtern. Schlussendlich entscheidet der Charakter, ob die Chemie zwischen zwei Kaninchen stimmt – oder nicht. Ob ihr Partner aber weißes oder schwarzes Fell, Stehohren oder Schlappohren, ein Gewicht von zwei Kilo oder sieben Kilo hat, ist Kaninchen total egal.  Ob zwei sich mögen oder nicht, hängt mit vielen Dingen zusammen, aber Aussehen, Größe und Gewicht spielen dabei keine Rolle – Oberflächlichkeit ist den Fellnasen fremd.

Oft ist auch die Furcht da, dass die Verletzungsgefahr viel größer sei, wenn sich ein großes Kaninchen zu einem Zwerg gesellt. Das hält Interessenten davon ab, stattlichen Kaninchen eine Chance zu geben. Aber Vergesellschaftungen sehen oft gefährlicher aus, als sie sind, besonders für jene, die den Anblick nicht gewohnt sind.

Bei Rang- oder Revierkämpfen gehen einander fremde Kaninchen oft nicht zimperlich miteinander um. Zwerge verhalten sich da mehr oder weniger genauso dominant wie Riesen. Kleine Helden haben keine Hemmungen, mit einem viel größeren Kaninchen anzubändeln, auch wenn sie dabei die zuschauenden Zweibeiner zum Lachen bringen.

Davon abgesehen haben die kleinen Kaninchen einen entscheidenden Vorteil: Sie sind viel schneller. Bis sich so ein Riese mit seiner Körpermasse richtig umgedreht hat, ist ein Zwerg längst über alle Berge. Die Verletzungsgefahr ist bei der Kombination von großen und kleinen Kaninchen nicht höher als bei allen anderen Vergesellschaftungen auch.

Fazit: „Wir möchten Mut machen, größere Kaninchen nicht gleich als Partnertiere abzulehnen, sondern ihnen eine Chance zu geben. Unsere Kleintiervermittler beraten ausführlich zu unseren Schützlingen und den Fragen rund um die Haltung und Vergesellschaftungen.“

Weitere Informationen über die Kaninchen in dieser Folge von „Wer will mich?“ gibt es im Tierheim täglich von 14 bis 17 Uhr (außer montags) unter Telefon (06 81) 5 35 30.