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Taubenschützer
Tierfreunde nehmen die Tauben in Schutz

Tauben gehören zum Stadtbild. Aber viele mögen sie nicht oder fürchten sie sogar. Ein Verein hält ihre Zahl in Saarbrücken mit dem Tausch von Eiern gegen Gipsattrappen unter Kontrolle. Und er teilt mit, was die Forschung über diese Tiere inzwischen herausgefunden hat.
Tauben gehören zum Stadtbild. Aber viele mögen sie nicht oder fürchten sie sogar. Ein Verein hält ihre Zahl in Saarbrücken mit dem Tausch von Eiern gegen Gipsattrappen unter Kontrolle. Und er teilt mit, was die Forschung über diese Tiere inzwischen herausgefunden hat. FOTO: Arne Dedert / dpa
Regionalverband. Tierfeindlichster Ausdruck 2017 gilt den Stadttauben. Verein sieht sie als Opfer von Vorurteilen und arbeitet dagegen an.

„Ratten der Lüfte“, bezogen auf die Stadttauben, ist nach einer Umfrage der Tierschutzorganisation Peta der tierfeindlichste Ausdruck aus dem Jahr 2017. Das teilt die Organisation jetzt auf ihrer Internetseite mit  und findet damit große Zustimmung bei Saarbrücker Taubenschützern.



Seit 2008 sucht Peta jährlich nach dem tierfeindlichsten Wort. Auf der Facebookseite der Organisation seien zahlreiche Vorschläge eingereicht worden, über die dann die Tierfreunde ebenfalls auf Facebook sowie auf Instagram abstimmten.  „Die Bezeichnung Ratten der Lüfte ist diskriminierend, verschleiernd, entwürdigt die angesprochenen Lebewesen – und erfüllt alle Kriterien für das tierfeindlichste Wort“, sagt Edmund Haferbeck,  Leiter der Rechts- und Wissenschaftsabteilung bei Peta. Er bekommt Zuspruch aus Saarbrücken.  „Es ist höchste Zeit, mit den Vorurteilen Schluss zu machen“,  sagt die Vorsitzende des Stadttaubenvereins, Helga Ehretsmann. „Unwörter sind Lügen und tragen maßgeblich zur falschen Meinungsbildung bei“, fügt sie hinzu.

Der Stadttaubenverein Saarbrücken betreibt nach eigenen Angaben seit etwa zehn Jahren Aufklärungsarbeit über die Stadttauben und möchte „vor allem sachlich und fachlich kompetent die Bürger und die Verwaltung unterstützen und informieren“. Das teilen Vereinssprecher Andreas Goldschmidt und die Vorsitzende  in einer Stellungnahme zur Unwort-Aktion von Peta mit. „So sind Stadttauben laut Studien der Tierärztlichen Hochschule Hannover ehemalige Haus- und Brieftauben sowie deren Nachkommen“, sagt Ehretsmann. Daher sei das Infektionsrisiko für den Menschen nicht höher als beim Kontakt mit anderen Haustierarten. Das hätten das Bundesgesundheitsamt, das Institut für Risikobewertung, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowie das Robert-Koch-Institut festgestellt. Vor allem ist Ehretsmann eines wichtig: „Stadttauben übertragen keine Vogelgrippe auf Menschen.“ Die Vereinsvorsitzende verweist auf entsprechende Forschungsergebnisse. Und der Taubenkot, vor dem sich viele ekeln und fürchten? „Was den Taubenkot angeht, ist er zwar in den Städten ein ästhetisches Problem. Aber ein Gutachten der Technischen Universität Darmstadt stuft ihn als nur schwach sauer ein.“ Für Ehretsmann steht denn auch fest, dass der Kot „keinen maßgeblichen Einfluss auf die Gebäudezerstörung beziehungsweise den Zerfall historischer Denkmäler hat“.

Das Problem liege  beim Menschen. Deshalb habe sich der Verein der Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit verschrieben. Sein Ziel sei ein friedliches Miteinander von Mensch und Stadttaube. „Gegen Vorurteile sollte man kämpfen“, sagt Ehretsmann.

Die Organisation Peta spricht sich wie die Saarbrücker Vereinsvorsitzende gegen Taubentötungsaktionen aus. Sie verringerten die Zahl der Tiere nur kurzfristig. Deutlich effektiver seien Maßnahmen wie diese: „Eigens eingerichtete Taubenschläge ermöglichen es, die Vögel gezielt anzusiedeln und ihre Vermehrung zu kontrollieren; so können Tauben­­eier etwa gegen Gipseier ausgetauscht werden.“ Das machen die Saarbrücker Tauben­schützer.

Helga 
Ehretsmann.
Helga Ehretsmann. FOTO: Alexander Manderscheid