Festival: Thomas Mann steht im Zentrum der Sommermusik

Festival : Thomas Mann steht im Zentrum der Sommermusik

Konzertgäste bekommen Musik der „konservativen Moderne“ zu hören. Konzerte sind über ganz Saarbrücken verteilt.

() Jedes Jahr verbindet die Sommermusik einen literarisch-philosophischen Themenkomplex mit entsprechender Musik. Im Mittelpunkt der Sommermusik in diesem Jahr stehen Thomas Mann und die Musik der „konservativen Moderne“. Das Motto „Tief ist der Brunnen der Vergangenheit“ stammt aus Manns großen Romanzyklus „Josef und seine Brüder“. Die Konzerte beschäftigen sich einerseits mit der Nostalgie, aber auch mit Verfall, Todesfurcht und Todessehnsucht. Andererseits stehen verschiedene Aspekte von Thomas Manns Werk im Zentrum. Die Spielstätten der Sommermusik sind über ganz Saarbrücken verteilt und spiegeln den Charakter der jeweiligen Aufführung wider. Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei.

Zur Eröffnung am Freitag, 28. Juli, spielt das InZeit-Ensemble im Rathausfestsaal. Es widmet sich der Neuen Musik unter dem Motto „Streich-Hölzer“ und beschäftigt sich unter anderem mit der Kombination von Holzbläsern und Streichern. In den folgenden Monaten stehen rund 40 Veranstaltungen auf dem Programm, die Musikliebhabern Jazz, Kammermusik, Neue Musik und Musiktheater bieten. Ein ganzer Tag im September wird mit neun Konzerten von morgens um sieben Uhr bis nachts um ein Uhr an unterschiedlichen Spielorten in der Stadt gestaltet. Neben historischer Musik stehen auch zahlreiche Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten auf dem Programm, die sich vor allem um Themen aus dem Werk von Thomas Mann bewegen. Auch das Abschlusskonzert am Sonntag, 24. September, ist wieder ein Orchesterkonzert. Das Kammerorchester Ricercare spielt die Streicherserenade von Edvard Elgar und Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“. Außerdem präsentieren die Musikerinnen und Musiker eine Uraufführung des israelischen Komponisten Tzvi Avni, der dieses Jahr seinen 90. Geburtstag begeht.

Thomas Mann gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Erzählern des 20. Jahrhunderts. Besonders in seinen Romanen, die mit großer Sprachkunst komplexe philosophische und historische Fragen behandeln, hat er eine geradezu mustergültige Epik geschaffen. Manns Werk beschäftigt sich immer auch mit den Belangen der menschlichen Existenz im Allgemeinen und kann in diesem Sinn als „klassisch“ bezeichnet werden. In seinen Werken geht das Bedauern über den Verfall von Traditionen mit der Erkenntnis des ständigen Wechsels einher, der bei Mann stets skeptisch bewertet wird. Dieser Literatur ist eine Sehnsucht nach alten Werten eigen, die Beschäftigung mit dem Vergänglichen, dem gesellschaftlichen Niedergang und dem Tod des einzelnen Menschen. Diese konservative Haltung findet sich auch im Werk vieler Komponisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder. Im Gegensatz zu den expressionistischen und futuristischen Experimenten, die kennzeichnend für die musikalische Moderne sind, besinnen sie sich eher auf Traditionen des 19. Jahrhunderts und entwickeln auf dieser Basis oft ganz eigene Tonsprachen.

Im Programm des Festivals stehen Werke von Richard Strauss bis Johann Sebastian Bach. Strauss ist vielleicht der prominenteste Vertreter der „konservativen Moderne“, hat die vielen kulturellen Brüche des 20. Jahrhunderts unbeschadet überstanden und steht nach wie vor an prominenter Stelle der Konzertprogramme. Viele seiner Kollegen sind heute weitgehend in Vergessenheit geraten, manche wurden erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt, wie Gustav Mahler. Das lag oft daran, dass viele dieser Komponisten jüdischer Herkunft waren und in Deutschland während der nationalsozialistischen Diktatur nicht mehr gespielt wurden.

Einige Konzerte der Sommermusik werden sich den englischen Komponisten im Umfeld von Edvard Elgar widmen. Einen weiteren Schwerpunkt legt das Festival auf die Beziehungen der Musik von Max Reger mit jener von Johann Sebastian Bach. Besonders Regers Solosuiten für bestimmte Streichinstrumente korrespondieren mit dem Werk Bachs.

Die Konzerte der Sommermusik konzentrieren sich nicht nur auf ausgewählte Komponisten, sondern auch auf bestimmte Instrumente und Instrumentenkonstellationen. In diesem Jahr stehen die Holzbläser im Mittelpunkt. Die beteiligten Musiker kommen aus unserer Region, in der viele international gefragte Musikerpersönlichkeiten zuhause sind. Traditionell nehmen darüber hinaus Gäste aus ganz Deutschland und aus dem Ausland an der Sommermusik teil.

Die Saarbrücker Sommermusik will Zusammenhänge zwischen Jazz und Kammermusik aufzeigen. Das Programm beinhaltet auch dieses Jahr wieder beide Musikgenres und Konzerte, die diese Richtungen miteinander vereinen.

Weitere Infos und das Programm zum Download stehen im Internet.

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