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Buchvorstellung
„The Dandy is dead“: Eine kultige Verlags-Gründung im „Horst“

Im Stil von Groschenromanen sind die Publikationen des jungen Verlags gehalten.
Im Stil von Groschenromanen sind die Publikationen des jungen Verlags gehalten. FOTO: The dandy is dead
Saarbrücken. Der Saarbrücker Kleinverlag feiert Release-Party in einer Kneipe. Die Lesung ist so unkonventionell wie ihr Veranstaltungsort. Von Isabell Nina Schirra

Die Kneipe „Horst“ in Saarbrücken ist vor allem für laute, rockige Musik und Alkohol, der in Strömen fließt, bekannt. Ein denkbar ungewöhnlicher Ort für einen Release-Abend eines Buchverlages. Doch das, was am vergangenen Donnerstag dort stattfand, sollte auch kein Release-Abend, sondern eine Release-Party werden. Und der neue Saarbrücker Kleinverlag „The Dandy is Dead“, der dort seine ersten beiden Werke präsentierte, ist auch alles andere als langweiliger Durchschnitt.


Rund 100 Menschen haben sich an diesem Abend im „Horst“ eingefunden, warten ungeduldig darauf, dass es los geht. Die meisten haben schon vor Beginn der Veranstaltung ein Exemplar der ersten beiden Werke des Verlages erstanden: „Pfuhl“, ein Pulp-Noir-Roman von Verlagsgründerin Germaine Paulus und „Basement Tales Vol.1“, die erste Ausgabe einer im Drei-Monats-Rhythmus erscheinenden Heftreihe im Stile der Groschenromane. Die Verlagsgründer scheinen angesichts dieses Ansturms überwältigt. „Mein Mund ist trocken, mein Herz ist weit, ich kuck mich um und es ist echt so geil“, sagt Germaine Paulus. Ihr Geschäftspartner und Ehemann Tom Becker ergänzt: „Hi, ihr seid toll!“ Die Begrüßungsworte sind hier genauso unkonventionell wie der Veranstaltungsort.

Um die Hirne und Ohren der Anwesenden auf Betriebstemperatur zu bringen, startet der Dandy-Abend mit einer Show-Einlage der Band „Micromoon“. Für diesen speziellen Abend haben sie sich allerdings kurzerhand in „Murdermoonlove“ umbenannt. Und haben eigens für den „Dandy“ drei neue Songs komponiert – „als Zeugnis ihrer schwarzen Seele“. Mit einem Augenzwinkern versteht sich.



Und dann liest Germaine Paulus, die Saarbrücker „Margaret Rutherford“, wie Autor Christian von Aster sagt, aus „Pfuhl“, einem Roman voll „sex and crime“. „Zwei Leichen zum Frühstück. Ein Tageseröffner, der schlechter nicht sein könnte.

Genau darum geht es in „Pfuhl“. Um Mord. Genauer gesagt um fünf Morde. Und keine Spur. Germaine Paulus spricht selbst von einem absurd hohen „Bodycount“. 19 Leichen habe sie eingebaut. Dazu sei „Pfuhl“ „sexistisch, plakativ, gewaltvoll und romantisch“. Romantisch? Paulus’ Hauptkommisar Gerd Wegemann ist ein „hardboiled Ermittler, wie man es sich wünscht“. „Er raucht, er säuft, er hurt – ich bin verliebt in ihn“, sagt Paulus. Und genau deswegen darf sich Wegemann in „Pfuhl“ selbst verlieben. Und es wird kompliziert. Mehr verrät Germaine Paulus nicht. Ihre Leseproben machen Lust auf mehr, immer wieder tönt es „wow“ aus dem Publikum.

Doch natürlich soll es bei der Relase-Party auch um das zweite Flagschiff des Verlages gehen: Die Basement Tales. Zum diesmaligen Motto „Bodensatz“ haben Alex Jahnke, Heike Schrapper, Germaine Paulus und Christian von Aster Kurzgeschichten verfasst. Bei einem Einblick in zwei der Geschichten merkt man gleich: Bei Basement Tales ist für jeden etwas dabei. Vom klassischen, viktorianischen Grusel bis „möp, möp, ihr wisst Bescheid“, wie Paulus sagt.