Text über "Negermama": Fastnachter aus Ensheim wird Rassismus vorgeworfen

Kostenpflichtiger Inhalt: Aufregung bei Facebook : Fastnachter aus Ensheim empört mit Geschichte über „Negermama“

Ein Fastnachter aus Ensheim sorgt für Empörung bei Facebook. Er dachte sich eine Geschichte über eine „Negermama“ aus, die im „geklauten Tretboot“ nach Europa flüchtet – und sieht sich nun missverstanden.

Frauen haben es bei der Fastnacht in Ensheim nicht immer leicht. In dem Stadtteil von Saarbrücken verkleidet man sich in der Narrenzeit traditionell als „Aldi“, „als hässliche Alte“, wie in einem Ortsführer nachzulesen ist. Nun sorgt ein Frauenkostüm für Aufregung, das im Sessionsheft des Karnevalsvereins Ensemmer Aldi abgedruckt ist. Zu sehen ist die „Neechamomme“ („Negermama“) – so steht es in Mundart daneben.

Für das Sessionsheft des Aldi-Vereins hat Robert S. sich eine Geschichte über die „Negermama“ ausgedacht. Seit dem Wochenende verbreitet sich sein Text über Facebook, er stößt auf Unverständnis und heftige Kritik, dem Autor wird Rassismus vorgeworfen. S. sagt: „Mir liegt es fern, jemanden zu beleidigen.“ Er sieht sich am Pranger: „Ich werde jetzt als der Allerletzte hingestellt.“

Worüber schreibt der Fastnachter? Über die „Afrigohnerin mem Bobbelche“, die er im vergangenen Jahr im Dorf gesichtet habe. Es geht also, auf Hochdeutsch, um die „Afrikanerin mit dem Baby“, ergänzt um den Hinweis: „Neger darf man ja nicht mehr sagen“.

Es sei eine „fiktive Story, ein bisschen Unterhaltung“, sagt Robert S. Aus dem Dialekt übersetzt liest sich die ausgedachte Fluchtgeschichte über die „Frau us Afriga“ so: „Sie ist, glaube ich, mit einem geklauten Tretboot übers Mittelmeer gekommen, wenn ich das richtig mitbekommen habe.“ S. fabuliert über Beinkrämpfe auf dem Wasser, hohe Wellen, Sturm. Macht sich da ein Fastnachter über Flüchtlingsschicksale im Mittelmeer lustig?

So sieht es eine Frau aus Eschringen. Sie entdeckte das Sessionsheft beim Bäcker. Zunächst habe sie sich darüber „sehr gefreut“, bis sie den Text über die Geflüchtete entdeckte. Schon die Überschrift sei „furchtbar“, schreibt sei auf Facebook: „Der Abschnitt über die Flucht übers Mittelmeer war dann an Geschmacklosigkeit und Zynismus nicht zu überbieten.“ In den Kommentaren erfährt die Frau ganz überwiegend Zustimmung.

„Es war absolut nichts negativ gemeint“, sagt Autor S., nicht im Geringsten sei er „rechts angehaucht“, verteidigt er sich: „Ich freue mich über jeden, der die Flucht übers Mittelmeer schafft.“ Er habe über jemanden schreiben wollen, der „erfolgreich nach Europa“ gekommen und bei der Fastnacht sofort „integriert“ sei, sagt er. S. betont, dass sich seine Familie für Kinder im Ausland und für Geflüchtete engagiert habe.

Der Fastnachter beklagt, dass sein Text nur in Ausschnitten bei Facebook kursiert, es gehe um „verschiedene Verkleidungen“ in Ensheim, die „Illusion der Fastnacht“, erklärt er. Am Ende der Geschichte legten alle ihre Masken in einen Pappkarton. Und wie äußert sich S. zur Wortwahl? „Ja, ich habe ‚Neger‘ geschrieben in dem Bericht“, sagt er. „Wer das Wort noch nie benutzt hat, werfe den ersten Stein.“ Außerdem sei die „alte Ausdrucksweise“ der Mundart geschuldet, „altes Ensheimer Platt“.