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Termine für Impfung gegen Corona im Saarland

Auch für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren : Massenweise freie Termine in Impfzentren des Saarlandes – ab heute Mittag individuell auswählbar

Wer sich heute impfen lassen möchte, hat große Chancen, noch für denselben Tag einen Termin zu ergattern. Ab heute Mittag können individuelle Termine in den Impfzentren online gebucht werden – auch für Kinder ab 12 Jahren.

Noch knapp drei Monate, dann ist vorerst Schluss auf dem Saarbrücker Messegelände. Das Impfzentrum des Landes soll zum 30. September schließen. Das bestätigte am Donnerstag Lars Weber, Sprecher des Regionalverbandes Saarbrücken, der SZ auf Nachfrage.

45 Prozent der Saarländerinnen und Saarländer sind bisher vollständig geimpft. Die Impfquote bei der Erstimpfung liegt bei 61 Prozent. Diese Daten meldet das Robert-Koch-Institut (Stand 8. Juli). Das Saarland ist somit im Bundesvergleich aktuell Spitzenreiter bei den Zweitimpfungen; bei den Erstimpfungen liegt es nach Bremen auf Platz zwei. Aber: Hält dieser Trend? Oder schwindet allmählich die Nachfrage nach der Spritze gegen Corona?

Ein Blick ins Online-Buchungssystem des Saarlandes zeigt: Wer sich impfen lassen will, bekommt mit großer Wahrscheinlichkeit noch am selben Tag einen Termin. Allein im Impfzentrum Saarbrücken waren am Donnerstagmorgen für ebendiesen Tag 16 Termine frei. Etwas weniger waren es in Neunkirchen. In Saarlouis gab es sogar über 25 freie Termine, ebenso in Lebach. Erwachsene ab 18 Jahren werden in den Zentren mit Impfstoff von Moderna geimpft.

Was für viele Eltern interessant ist – während Kinderärzte im Saarland Minderjährige noch nicht im großen Stil impfen, gehört das in den Zentren in Saarbrücken, Neunkirchen und Lebach zum Repertoire. Kinder ab 12 Jahren erhalten dort Biontech. Die Eltern müssen ihren Nachwuchs zum Termin begleiten. Online können kurzfristig Termine gebucht werden. 

Zu beachten ist aber, dass es in den Impfzentren weiter feste Zeitspannen zwischen der Erst- und der Zweitimpfung gibt. Bei einer Impfung mit Biontech liegen zwischen erster und zweiter Spritze sechs Wochen, bei Moderna vier Wochen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat unterdessen ihre Empfehlung, wie viel Zeit zwischen beiden Impfungen liegen sollte, überarbeitet. Bei Biontech zum Beispiel kann die zweite Impfung bereits nach drei Wochen erfolgen.

Die Zeit des Impfstoffmangels ist offenbar vorbei. Verfallen die Dosen etwa? Nein, sagt Manuel Kerber, Sprecher von Saar-Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU). Die Spritzen würden erst dann aufgezogen, wenn der Impfling erscheint. Dass es aktuell so viele freie Termine gebe, hänge vor allem damit zusammen, dass das Saarland vom Bund vergangene Woche eine deutlich höhere Menge des Moderna-Impfstoffes erhalten habe. „Doppelt so hoch, wie zuvor“, sagt Kerber. Aktuell gebe es „eher ein Überangebot an Impfdosen“ gemessen an der Anzahl Impfwilliger. „Wir wären froh, würden sich noch mehr Menschen impfen lassen“, betont Kerber. Saar-Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat sich unterdessen für Anreize ausgesprochen, um die Impfbereitschaft zu erhöhen. „Ich halte nicht so viel davon, Menschen dafür zu bezahlen, dass sie sich impfen lassen“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Aber man könnte an eine Verlosung denken, bei der unter den Impfbereiten beispielsweise ein Fahrrad, ein Fremdsprachenkurs oder ein anderer schöner Preis ausgegeben wird.“

Impfportal Saarland (Anmeldung und Infos) 

Wie einige SZ-Leser berichten, seien sie bei ihren Impfungen in niedergelassenen Arztpraxen gefragt worden, ob sie spontan noch Impfwillige kennen würden. Die Praxen hätten Dosen übrig, nachdem Patienten ihre Termine absagten oder schlicht nicht erschienen sind.

„Wir erhalten vereinzelt Rückmeldungen, wenn Praxen Impfdosen übrig haben oder weiteren Impfstoff benötigen“, teilte die Kassenärztliche Vereinigung im Saarland (KV) mit. Im „großen Stil“ sei das aber nicht bekannt. Die KV versucht in diesen Fällen, „interkollegial“ zu vermitteln, damit kein Impfstoff vernichtet werden müsse. Aber woran könnte es liegen, dass Patienten nicht zu ihren Impfterminen erscheinen? Wächst die Skepsis, oder glauben einige, aufgrund niedriger Inzidenzen und vieler Zweitimpfungen, dass der Impfschutz für sie selbst nicht mehr notwendig ist? Das seien mögliche Gründe, sagt die KV. Sie bekomme jedoch vielmehr die Rückmeldungen aus Praxen, dass es immer schwerer werde, den Impfstoff von Astrazeneca „an den Mann zu bringen“.

Das sagt auch Dr. Michael Kulas, Vorsitzender des saarländischen Hausärzteverbands. „Es gibt kaum noch jemanden, der sich freiwillig mit Astrazeneca impfen lässt.“ Zu sehr hätten die Diskussion um dieses Vakzin die Verunsicherung geschürt –  auch, nachdem das Saarland beschlossen hat, dass nach der Stiko-Empfehlung keine Zweit-Imfpungen mehr mit Atrazeneca stattfinden. Besonders gefragt hingegen sei der Impfstoff von Johnson&Johnson, sagt Kulas. Er vermutet, weil bei diesem Vakzin nur eine Impfung für einen vollen Impfschutz notwendig ist.

Ja, es gebe einige Kollegen, in deren Praxen Termine geplatzt seien. Eine übermäßige Anzahl sei das aber nicht. In seiner Praxis in Wallerfangen riefen zum Beispiel jeden Tag noch Impfwillige an. Aber: Der große Andrang auf eine Impfung wie vor gut einem Monat, als die Priorisierung aufgehoben wurde, werde weniger. Kulas sagt auch: „Wir nähern uns so langsam der Grenze derer, die keine Impfung wollen.“

Und wie ist die Situation in den Impfzentren des Saarlandes? „Die Quote derjenigen, die ihren Termin ohne Absage nicht wahrnehmen, ist in saarländischen Impfzentren konstant extrem gering“, teilt das Gesundheitsministerium der SZ auf Anfrage mit. Dies liege wohl auch an einer Terminerinnerung, die die Impflinge vor der Impfung erhalten und „einer komfortablen Möglichkeit Termine unkompliziert online absagen zu können“. Abgesagte Termine würden dann umgehend anderen Impfinteressenten zur kurzfristigen Buchung zur Verfügung gestellt.