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Tanztheater in der Johanneskirche: Tanja Rebmann tanzt jetzt ihr Leben

Tanztheater in der Johanneskirche : Tanja Rebmann tanzt jetzt ihr Leben

Choreographin verwandelte Teile ihrer Biographie in eine Abfolge aus Bewegungen. Das Ergebnis ist in der Johanneskirche zu sehen.

Es gibt seltsame Entwicklungen im Leben, beispielsweise wenn eine Fiktion, eine Idee, immer mehr zur Realität wird. So erging es Tanja Rebmann. Die Tänzerin und Choreografin kreierte ein Tanztheaterstück namens „Hotfix“. Rebmann bemerkte während des Entstehungsprozesses, dass die darin enthaltene Thematik mehr und mehr von ihr Besitz ergriff.

Nach der umjubelten Premiere vergangenes Wochenende in Berlin wird „Hotfix“ nun in der Saarbrücker Johanneskirche an drei Abenden aufgeführt, und zwar freitags bis sonntags jeweils um 20 Uhr. Worum geht es? Einerseits um den privaten Stress und um den Stress von außen – um Weltuntergangsstimmung, wenn eine Krise die nächste jagt und den Menschen in die persönliche Verantwortung nimmt: die Flüchtlinge, die Umwelt, das Klima, der Plastikmüll, nun noch das Coronavirus.

„Auf alles müsste man reagieren, um sich als Mensch gut zu fühlen“, meint Rebmann, und sie lässt ihre Protagonistin unter all dem, was da auf ihr lastet, ausrasten und zusammenbrechen. Dann entführt sie die Hauptdarstellerin und damit den Zuschauer in eine Traumwelt: Sie steigt in ein altes Gemälde, „Die drei Grazien“ von Lukas Cranach, und beginnt eine Zeitreise auf der Suche nach einem besseren, glücklicheren Leben. Ob sie es findet?

Tanja Rebmann wusste schon früh, dass sie Tänzerin werden wollte. Mit acht Jahren begann sie an der John-Cranko-Schule in Stuttgart eine klassische Ballettausbildung. Nur im Tanz, so erklärt sie, könne sie ihre Persönlichkeit und ihre Gefühle ausdrücken. Damals tanzten unter anderem Marcia Haydée und Richard Cragun am Stuttgarter Ballett. Eine intensive Zeit.

Wie Tanja Rebmann waren die anderen Schülerinnen vom Tanzen begeistert. „Ich beneidete die Internatsschüler, die sich nachts in den Ballettsaal schleichen konnten, um zu tanzen,“ erzählt sie. „Ich war nicht im Internat, leider, denn wir wohnten nur fünf Minuten entfernt.“

Nach zehn Jahren Ausbildung erhielt Rebmann das erste Engagement in Nancy, absolvierte später ein zweites Studium in Hamburg bei John Neumeier, entdeckte dann ein winziges Tanztheater in Stuttgart namens „Telos“, das abseits der „Cranko-Welt“ gesellschaftskritische Themen aufgreift, provoziert und den Tanz revolutioniert.

Eine Offenbarung für Rebmann und die Befreiung aus einem Korsett, das ihr zu eng geworden war. In diese Zeit fiel auch ein einjähriges Engagement am Saarbrücker Staatstheater: 1990 suchte das Ballett noch „Schwänchen“. Rebmann lernte dort ihren Mann Alexander Bächle kennen. 1991 wurde der erste Sohn, 1995 der zweite geboren.

Als freie Künstlerin ist sie viel unterwegs, zwölf Jahre davon in Heidelberg; 2005 wurde Saarbrücken zu ihrer Heimat. Sie unterrichtet Ballett, unter anderem am SST, und reist von hier zu ihren freien Engagements, realisiert choreografische Projekte. Hat sie sich selbst ausgepowert? Nicht ohne Grund findet sich in „Hotfix“ ein Teil ihrer Lebensgeschichte. „Man braucht ganz viel Geld, um eigene Produktionen zu machen,“ sagt sie. Das Kulturamt Saarbrücken fördert die Produktion mit 5000 Euro, dieselbe Summe legte Rebmann aus eigener Tasche drauf. „Man muss viele Opfer bringen, aber der Tanz, das Schauspiel, die Musik haben mich immer berauscht. Ein Leben ohne die Kunst ist für mich trostlos.“