| 20:25 Uhr

Lutz Gillmann im Porträt
Ein musikalisches Multitalent spielt auf

 Beim Konzert in der Völklinger Versöhungskirche übernimmt Lutz Gillmann das Orgelspiel und die Gesamtleitung.
Beim Konzert in der Völklinger Versöhungskirche übernimmt Lutz Gillmann das Orgelspiel und die Gesamtleitung. FOTO: BeckerBredel / BeckerBredel Fotografen
Saarbrücken. Lutz Gillmann hat sich viel vorgenommen. Im Rahmen der „Tage alter Musik im Saarland“ ist er vielerorts als Musiker und Dirigent zu sehen. Das nächste Mal am Karfreitag in der Versöhnungskirche in Völklingen. Von Stefan Uhrmacher

Er ist eine treibende Kraft der regionalen Szene rund um die klassische Musik: Als erklärter Nicht-Mainstreamer hat sich Lutz Gillmann in diesem weiten Feld freilich auf die Neue Musik und mehr noch auf die Alte Musik spezialisiert. Hier hat der Cembalist, Pianist, Chor- und Ensemblechef in den vergangenen Jahrzehnten diverse namhafte Projekte auf den Weg gebracht und geleitet. Lutz Gillmann sieht man meist im Laufschritt eilen, derzeit könnte sich der Umtriebige freilich buchstäblich in mehrere Akteure aufteilen: Denn seit dem 25. März ziehen die „Tage Alter Musik im Saarland“ bis zum 2. Juni mit 27 Terminen durch die Lande.


„Tamis“, so die Kurzform, ist das regionale Festival, das sich historischen Klängen widmet und auch internationale Gäste einlädt. Lutz Gillmann zeichnet als künstlerischer Kopf für das Tamis-Programm verantwortlich und übernimmt überdies bei einigen Konzerten persönlich das Dirigat – so jetzt am Karfreitag um 18 Uhr bei der Aufführung der „Matthäus-Passion“ des Komponisten Johann Sebastiani in der Völklinger Versöhnungskirche.

Früh übt sich, was ein Meister werden will: „In Aufzeichnungen meiner Mutter im Fotoalbum ist zu lesen, dass ich als Kleinkind immer gesungen und mich mit der Triangel begleitet hätte“, erzählt Lutz Gillmann, der als Knabe auch unbedingt im „Jubelchor“ der Kirchengemeinde mitmischen wollte. „Ich hatte unseren Pfarrer falsch verstanden, er hatte ‚Jugendchor‘ gesagt.“ Das mit dem Chor klappte dennoch, und der kleine Lutz sollte seine Stimme noch in zahlreichen Ensembles erheben – um später als Jugendlicher, wie er erzählt, „aus den Ensembles heraus“ bereits Leitungsfunktionen zu übernehmen.



Neben dem Singen lernte Gillmann in frühen Jahren Blockflöte, Geige, Bratsche, Klavier und Orgel. Das professionelle Know-how festigte ein Studium an der Saar-Musikhochschule (HfM), zunächst im Fach Klavier bei Jörg Glemser, dann Cembalo bei Gerald Hambitzer. Außerdem studierte er Schulmusik und Germanistik.

Seine besondere Vorliebe fürs Cembalo und für Alte und Neue Musik sei „eigentlich ein Faible für Nicht-Mainstream-Musik“, sagt Gillmann: „Zeitweise empfand ich Klassik und Romantik und noch mehr die Umgangsweisen damit im Musikbetrieb als zu traditionell – Cembalo, Alte und Neue Musik waren Alternativen. Mittlerweile gibt es aber auch dort stellenweise einen zu traditionellen Musikbetrieb.“

Als „Tastenspieler“, wie er sich selbst gern nennt, ist Gillmann heute etwa als Gast der Deutschen Radio Philharmonie (DRP) und des Saarländischen Staatstheaters (SST) tätig. Großprojekte unter Gillmanns persönlicher musikalischer Stabführung waren die Barockopern „L’Orfeo“ von Luigi Rossi, „Serse“ von Georg Friedrich Händel, „The Fairy Queen“ von Henry Purcell und „Scipione Africano“ von Francesco Cavalli. Letztere wurde 2002 knallig bunt und modern im ehemaligen Saarbrücker Stadtbad inszeniert und war eines jener Ereignisse, die auch außerhalb der Saar-Musikszene Beachtung fanden.

Zusammen mit dem Streicherensemble „Les Violes“ spielt Gillmann nun auch bei erwähntem „Konzert zum Karfreitag“: In der Völklinger Versöhnungskirche wird die Matthäus-Passion aus der Feder des bei Weimar geborenen Johann Sebastiani (1622 bis 1683) erklingen. Die Gesamtleitung hat Lutz Gillmann (auch Orgel), der seit 2015 das Amt des Kirchenmusikers an der Versöhnungskirche bekleidet. Sebastianis Matthäus-Passion sieht Gillmann als „wichtiges Bindeglied zwischen Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach“ - eine veritable „Ausgrabung“ sei dies und obendrein „sehr direkt ansprechende Musik“.

Das Konzert mit „Les Violes“ findet am Karfreitag um 18 Uhr in der Versöhnungskirche Völklingen statt. Der nächste Termin der „„Tage Alter Musik im Saarland“ ist am Ostermontag um 17 Uhr in der Pfarrkirche St. Michael in Saarbrücken ein Orgelkonzert mit Joachim Fontaine. Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei.

www.alte-musik-saarland.de