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Integration
Syrische Kinder laden zum Theaterspaß

Bei den Proben für „Die Diebe des Waldes“.
Bei den Proben für „Die Diebe des Waldes“. FOTO: Thomas Seeber /
Quierschied. Die Nachwuchsakteure spielen auf Deutsch. Ihr Stück heißt „Die Diebe des Waldes“ und stammt von Mwoloud Daoud. Von Stefan Bohlander

Zum ersten Mal stehen Laila und Huda nun auf den Brettern, die in Quierschied die Welt bedeuten. Die beiden Mädchen proben für das Theaterstück „Die Diebe des Waldes“, das am Samstag, 14. April, 18 Uhr, in der Q.lisse aufgeführt wird. „Ein bisschen Angst“ hat Laila Al Baramawi, die den Fuchs spielt. „Aber das ist beim ersten Mal okay“, fügt Huda Allababidi hinzu. Sie stellt die Krähe dar.


Nach ihrer kurzen Pause klatschen sie Mwoloud Daoud mit High-Five ab und setzen die Proben fort. Daoud ist Regisseur und hat das Stück auch geschrieben. Verfasst hat er es bereits 2013 innerhalb eines halben Jahres. Doch die Premiere in seiner Heimat Syrien hat er nie erlebt – kurz vor der ersten Aufführung flüchtete er aus dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land. „Das ist schon ein bisschen komisch und traurig“, sagt der Mann mit dem gütigen Lächeln. Aber er ist ein Mann, der nach vorne schaut.

 Und so gründete er nach seiner Ankunft in Deutschland die Gruppe „Morgen wird schöner“ in Saarbrücken und organisierte ein Jahr später das integrative Theaterprojekt „Schams“ in St. Ingbert. Zudem leitet er die Theater AGs in den Gemeinschaftsschulen in Elversberg und in Quierschied. Und nun führt er also auch Regie bei diesem integrativen Kindertheaterprojekt. „Ich glaube es ist wichtig, deutsche und ausländische Schüler zusammenzubringen“, sagt er.



 Das integrative Kindertheaterprojekt wurde mit Bundesmitteln gefördert. So ist es auch möglich, für die Saalmiete der Q.lisse aufzukommen. 13 syrische Kinder zwischen sechs und 13 Jahren beteiligen sich an „Die Diebe des Waldes“. Teilweise sind diese auch in Chören aktiv, so dass bereits Bühnenerfahrung besteht. Viele von ihnen hatten auch bereits Auftritte beispielsweise bei Integrationsfesten in der Gemeinde. Da sang man zweisprachig. Das nun vor der Aufführung stehende Stück ist auf Deutsch.  Es handelt von einem Saituna, einem Olivenbaum, um den sich drei Bösewichte und drei gute Charaktere streiten. Die Bösen – Fuchs, Krähe und Wolf – wollen den Olivenbaum entfernen, um den nahen Fluss umzuleiten. Die Guten – Hund, Hahn und Spatz – wollen dies verhindern. Der Olivenbaum wird auch von zwei Kindern dargestellt. Die Kulissen und Kostüme werden noch angefertigt.

Bei der Probe in der Q.lisse – meist wird im DRK-Heim geprobt – sind alle mit Herzblut bei der Sache. Sie hören den Regieanweisungen genauestens zu, beherrschen ihren Text und auch die Gesangseinlagen machen einen guten Eindruck.

 Deutsche Kinder sind leider nicht dabei, sagen Sieglinde Daniel und Astrid te Koppele. Die beiden sind gut befreundet und haben das Projekt privat vorangetrieben. Man fragte zwar an Schulen nach, doch das Interesse war leider gering. So ist die Theatergruppe aus einer Bastelgruppe hervorgegangen. Diese trifft sich jeden Donnerstag im DRK-Heim und bestand anfangs aus zwei Kindern.

 Irgendwann stand die Frage „Wollt ihr nicht ein Theaterstück machen?“ im Raum, erinnert sich Sieglinde Daniel. Im März vergangenen Jahres starteten die Proben ganz langsam. Bei der Übersetzung des Textes half Harald Klein, der sich in der Flüchtlingshilfe engagiert. Dass der Text nach vier Monaten schon so gut sitzt, kommentiert Astrid te Koppele voller Stolz: „Das ist so ein schwieriger Text.“