Preise im Supermarkt stark gestiegen Edeka beobachtet leichte Änderung bei Kaufverhalten der Saarländer

Saarbrücken · Die Lebensmittelpreise im Supermarkt steigen aufgrund der Energiekrise. Einen Wandel im Kaufverhalten der Saarländer sieht der Handelsverband Saarland zwar vor allem im Bereich regionaler Produkte. Aber Edeka beispielsweise beobachtet einen Trend zu Günstig-Marken.

 Bio-Produkte sind offenbar „weiter stark im Kommen vom Supermarkt bis zum Discounter“, heißt es beim Handelsverbandes Saarland. Der Kunde achte immer mehr drauf, wo die Ware herkommt.

Bio-Produkte sind offenbar „weiter stark im Kommen vom Supermarkt bis zum Discounter“, heißt es beim Handelsverbandes Saarland. Der Kunde achte immer mehr drauf, wo die Ware herkommt.

Foto: dpa/Jan Woitas

Der tägliche Lebensmitteleinkauf ist ein ständiger Kampf mit dem Geldbeutel. Vieles ist in den vergangenen Monaten teurer geworden, vieles aber auch nicht. Bio oder konventionell? Regionales oder über tausende Kilometer herbeitransportiertes Gemüse und Obst? „Bio ist weiter stark im Kommen vom Supermarkt bis zum Discounter. Der Kunde schaut auch immer mehr drauf, wo die Ware herkommt. Der bewusste Einkauf von Lebensmittel aus der Region nimmt zu“, stellt Fabian Schulz, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Saarland, gegenüber der SZ zu den anhaltenden Diskussionen über gestiegene Preise im Lebensmittelhandel fest. Man habe aber bislang noch keine nennenswerte Welle von Preiserhöhungen, aber auch keine grundsätzliche Veränderung des Verbraucherverhaltens beim Lebensmitteleinkauf beobachtet. Angesichts steigender Energiepreise, die etwa auf Kühltheken und Lkw-Transportkosten durchschlagen, sei derzeit aber offen, „ob das so bleibt“. Mit Blick aufs saarländische Schwenkerland meint Schulz: „Wir haben jetzt Grillsaison: Fleisch und Bier laufen gut.“

Jochen Baab, Sprecher der Geschäftsführung Globus Markthallen, verweist zum Thema Kostensteigerungen auf das „breit aufgestellte lokale und regionale Angebot“, das zu niedrigeren Transport- und Lieferkosten führe. Bei den Eigenproduktionen von Bäckerei-, Konditorei- sowie Fleisch- und Wurstwaren sowie für die hauseigene Gastronomie entfielen die Logistikkosten, sodass Globus diese Preise selbst gestalten könne. Als Beitrag zur Kostensenkung habe Globus die „beliebtesten Produkte aus hauseigener Herstellung bis zum 31. Dezember 2022 festgeschrieben.“ Die Warenverfügbarkeit in allen Segmenten sei trotz längerer Vorlaufzeiten bei der Bestellung als Folge des Ukraine-Krieges „aktuell sichergestellt.“

Inflation von 7,6 Prozent im Juni

Die amtliche Statistik hat im Juni einen Anstieg der Verbraucherpreise um 7,6 Prozent gegenüber Mai 2022 mit 7,9 Prozent festgestellt. Für eine leichte Entspannung sorgten dabei der Tankrabatt und das Neun-Euro-Ticket (Laufzeit Juni bis August). Experten sehen nach Auslaufen dieser Maßnahmen ab September wieder einen Anstieg der Teuerungsrate: Preistreiber Nummer eins werde die Energie sein. Der Deutsche gibt, so das Statistische Bundesamt, bei einem durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen von 3661 Euro im Monat 15,4 Prozent (563 Euro) für Lebensmittel, Getränke und Tabakwaren aus. Das Preisvergleichsportal smhaggle kam jüngst nach Auswertung von 600 000 Kassenbons von Lebensmittelkäufern zu dem Ergebnis: Im Juni 2022 lagen die durchschnittlichen Ausgaben für Lebensmittel 103 Euro über dem Budget, das die Statistik für Lebensmittelkäufe ansetzt. Besonders betroffen seien, so smhaggle-Chef Sven Reuter, Verbraucher der unteren Einkommensklassen.

Statistische Zahlen sind die eine Seite, das Verbraucherverhalten vor Ort indes eine völlig andere. Wer sich die bunten Prospekte von Aldi, Lidl, Edeka & Co. am vergangenen Wochenende anschaut, in denen die Lebensmittelgiganten sich mit Angebotspreisen überschlagen und um Kunden buhlen, bekommt einen anderen Eindruck. Laut SZ-Beobachtung vom Wochenende kann man beim Reizthema Butter das 250 g-Paket im Handel durchaus noch für etwa zwei Euro kaufen und muss keine drei oder 3,50 Euro dafür hinlegen. Die Kilopackung „Saarlandmehl“ lag am Wochenende im Handel bei rund einem Euro, stellte die SZ fest. Auch die Bierpreise bleiben trotz aller Preiserhöhungsankündigungen der Brauereien dank des extrem starken Wettbewerbs am Boden: Die 20er Halbliterkiste großer Märken taucht immer wieder um die zehn bis elf Euro auf. Zudem gibt es auch beim Bier etliche Handelsmarken zum Preis von etwa acht Euro.

Edeka beobachtet leichte Veränderung: Kunden greifen im Supermarkt verstärkt zu Eigenmarken

Markenartikel kaufen oder die Handelsmarken („No names) der großen Anbieter? Im Schnitt, so Experten, liegen die Markenartikel preislich ein Drittel über den Handelsmarken (die oft vom gleichen Hersteller stammen). Wer auf Handelsmarken setzt, kann auf jeden Fall Geld sparen. „Wir nehmen teilweise wahr, dass die Kunden aktuell stärker zu unseren Eigenmarken greifen“, sagt Edeka-Südwest-Sprecher Florian Heitzmann zur SZ. „Zahlen und Größenordnungen dazu nennt der Edeka-Mann aber nicht. Befragt zur Preisentwicklung der Lebensmittel, wiegelt auch die zur Lidl-Gruppe gehörende Kette Kaufland ab: „Wir machen zu Preisentwicklungen grundsätzlich keine Angaben“, so Kaufland-Sprecher Dominik Knobloch. Die St. Wendeler Globus-Gruppe antwortete auf entsprechende SZ-Anfrage nicht.

Engpässe bei wichtigen Produkten gebe es aktuell nirgendwo, so Saar-Handelsxperte Fabian Schulz und ebenso die Handelsketten-Sprecher. Vereinzelt könnten mal aufgrund hoher Nachfrage kurzzeitig Lücken entstehen. Schulz: „Wenn gerader mal kein Sonnenblumenöl da ist, kann man auch auf Olivenöl ausweichen.“ Hamsterkäufe gleich bei welchem Produkt seien unnötig und verteuerten unterm Strich das Produkt später, so die Experten einhellig.

Lebensmittelpreise steigen: Verbraucherzentrale gibt Spartipps

Der Dachverband Verbraucherzentrale rät: Saisonale Lebensmittel einkaufen, Wochenplan für den Einkauf machen, selber kochen und einfrieren statt „To go“. Weitere Sparmöglichkeit: Supermärkte und Discounter setzen Lebensmittel mit ablaufendem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) im Preis herunter anstatt sie wie früher zu entsorgen. Und schließlich müsse die Wegwerfmentalität bei Lebensmitteln gestoppt werden, fordern Umweltschutzverbände. Jährlich landen allein Deutschland geschätzt etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll.