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Wenn Gebete für Gänsehaut sorgen

Wenn Gebete für Gänsehaut sorgen

Das ,,Gebet der Religionen“ eint in Sulzbach viele Menschen seit Jahren. Diesmal bewegte die Ansprache des Religionsbeauftragten Kani Öcsoy die Teilnehmer auf ganz besondere Art und Weise.

Das Thema Frieden spielt für Karin Wolter eine besondere Rolle. "Und das aus gleich zwei Gründen", erklärt die Erzieherin aus der Kita St. Hildegard Neuweiler lächelnd. "Zum einen ist es oft ein Gesprächsthema in unserer Kita. Wir bringen den Kindern bei, friedvoll miteinander umzugehen und gegenseitig aufeinander zu achten. Das ist für uns sehr wichtig." Zum anderen interessiert sich Wolter selbst für die Vielfalt der Religionen . "Ich bin evangelisch, aber ich besuche auch gern andere Gottesdienste. Ich war schon in einer Moschee und im Hindu-Tempel im Altenwald und nahm dort am Gebet teil. Es war sehr bewegend."

So wie das Treffen am Donnerstag. Begleitet von ihrer Kollegin und Kita-Leiterin Ingrid Walter fand sich auch Wolter zum zweiten Mal im gut gefüllten Saal des historischen Salzbrunnenhaus wieder, um am Gebet der Religionen teilzunehmen. Die Veranstaltung des Arbeitskreises "Dialog der Religionen " gibt es schon seit 2010.

"Vorher stand das Thema Toleranz im Zentrum des Dialogs", erklärte die Moderatorin des Arbeitskreises, Heike Kneller-Luck. "Doch vor ein paar Jahren hat sich der Schwerpunkt des Gespräches aufgrund der politischen Situation verlagert. Jetzt steht vor allem das Thema Frieden im Vordergrund der Veranstaltung und spielt eine wichtige Rolle."

Das finden auch die zahlreich erschienenen religiösen Vertreter. Neben zwei Repräsentanten des Sri Maha Mariamman Tempels e.V. Saar nehmen auch die katholische Pfarreiengemeinschaft Sulzbach , die evangelische Kirchengemeinde Sulzbach , die Neuapostolische Kirche Sulzbachtal und die Türkisch-Islamische Gemeinde in Sulzbach an der Veranstaltung teil.

Vor allem die Ansprache des Religionsbeauftragten Kani Öcsoy sorgte neben den anderen bewegenden Gebeten für Gänsehaut. "Wenn wir keinen Krieg und keinen Terror wollen, müssen wir auch unsere Stimmen erheben. Nur dann können wir Frieden und Sicherheit in die Welt bringen", sagte Öcsoy. "Wir müssen uns distanzieren von denen, die Zerstörung und Erniedrigung über Menschen bringen. Und das tun wir als Muslime hier ausdrücklich: Wir distanzieren uns ganz und gar vor dem, was der IS auf der ganzen Welt im Namen des Islam tut und sagt. Sie lügen. Sie legen den Koran falsch aus. Sie bringen Schande über unsere Religion, und wir wehren uns auch dagegen: Islam heißt übersetzt Frieden. Der Islam lehrt die Menschen die Achtung vor Gott und den Mitmenschen, unabhängig von Rasse, Religion und Kultur."

Für die musikalische Untermalung sorgte einmal mehr der Leiter der Musikschule Sulzbach-/Fischbachtal, Uwe Brandt. Insgesamt drei Klavierstücke - zum Teil aufwühlend, zum Teil etwas melancholisch - brachten die Gäste zum Nachdenken.

"Dieser gemeinsame Abend geht tief unter die Haut", kommentiert Sulzbacher Bürgermeister Michael Adam die besinnliche Zusammenkunft: "Es macht mich sehr stolz, dass wir mit allen Religionen in der Stadt einen so tollen Dialog und ein so gutes Übereinkommen haben, um eine so großartige Veranstaltung auf die Beine stellen zu können. Ich freue mich schon sehr auf das nächste Jahr."