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Wenn der Kiez auf die Bühne kommt

Sulzbach. Bei Mundarttheater denken viele an Stücke von vorgestern. Beim Sulzbacher Volkstheaterfestival mit Gruppen aus ganz Deutschland geht es vom 30. April bis 3. Mai aber auch – sehr zeitgemäß – um Kiez-Deutsch und um Theater von und mit Migranten. Isabell Sand

Was haben eine Volkskomödie, ein türkisches Schattentheater, ein Stück von Henning Mankell und ein Mysterienspiel gemeinsam? Sie alle sind Teil des Programms des Volkstheaterfestivals "Wurzelwerk", das vom 30. April bis zum 3. Mai 2015 in Sulzbach stattfindet. Das erste bundesweite Volkstheaterfestival vom Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) in Kooperation mit dem Verband Saarländischer Amateurtheater (VSAT) bietet an vier Tagen ein buntes Programm. Dabei präsentieren sieben Theatergruppen aus verschiedenen Regionen Deutschlands ihre Produktionen in der Sulzbacher Aula. Begleitet werden die Stücke von zwei praktischen Workshops und einer Podiumsdiskussion zum Thema "Volkstheater in der Einwanderungsgesellschaft ".

Volkstheater und Einwanderungsgesellschaft , Mundart und Migration - wie passt das zusammen? Die Idee des Festivals sei es, den Dialog zwischen den verschiedenen kulturellen Wurzeln des Volkstheaters mit allen in Deutschland lebenden Bevölkerungsgruppen herzustellen, so die Veranstalter. Dabei werden die Konzepte von kultureller Identität, Heimat, Integration und Inklusion vielfach aufgegriffen, diskutiert und in Frage gestellt, wie beispielsweise im postmigrantischen Volkstheater "90/60/90: Rollenscheiß", einer Eigenproduktion vom Jugendtheaterbüro Berlin. Das mit dem Amarena-Preis ausgezeichnete Stück setzt sich in dem noch jungen Bereich Kiez-Deutsch mit vorherrschenden Rollenbildern auseinander und stellt die westliche Frau im Kontrast zur Muslima dar.

Den Auftakt des Festivals am 30. April macht allerdings die Volksbühne Hülzweiler mit der Komödie "Der verkaufte Großvater" von Anton Hamik. Die bäuerliche Volkskomödie auf Moselfränkisch handelt von dem Bauern Willi Heckmann, der seinen schlitzohrigen Schwiegervater verkauft. Am Freitag werden das türkische Schattentheater "Almanya yolculugu und Herr Nixverstehen" von Ali und Erhan Köken, Henning Mankells "Bagger" und "90/60/90: Rollenscheiß!" gespielt. Samstags ist dann der Theaterverein Rott am Inn mit "Der Pakt mit dem Teufel. Theophilus in Not" und der Theaterclub Elmar mit "Der kühne Schwimmer" zu Gast in der Salzstadt. Schließlich endet das Theaterfestival sonntags mit der Vorführung "Umsonschd isch dr Dod" des Theaters Emerkingen und der anschließenden Podiumsdiskussion. Im Anschluss an die jeweiligen Aufführungen haben Zuschauer im Festival-Café außerdem die Möglichkeit das Stück mit den Darstellern zu besprechen.

Mit dem Theaterfestival "Wurzelwerk" übernimmt Sulzbach eine Vorreiterrolle. "Hier soll etwas angestoßen werden, das dann durch ganz Deutschland geht", so Erika Sedlmeier, die Sprecherin des Bundesarbeitskreises für Mundart und Sprachen des BDAT. "Dabei stand das Festival kurz vor der Absage, weil keine saarländischen Sponsoren gefunden werden konnten", berichtet Brigitte Thul, die Bezirksvorsitzende Süd des VSAT. In letzter Sekunde sei dann die Politik eingesprungen und nun werde das Festival, dessen Etat bei einem mittleren fünfstelligen Betrag liegt, von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Saarland, dem VSAT, der Stadt Sulzbach sowie dem saarländischen Sozialministerium gefördert, so der Präsident des VSAT Josef Sedlmeier. Schirmherrin der Veranstaltung ist Ministerpräsidentin Annegret Kram-Karrenbauer (CDU ).

Karten für 8 Euro / ermäßigt 5 Euro oder 7 Aufführungen 35 Euro unter Tel. (01 62) 215 28 29

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