Von Menschen und Wünschen

Ein Mensch in Aufbruchstimmung. Ein anderer in Wut und Verzweiflung. Und der dritte in fröhlicher Verfassung. Mit den drei Menschen haben wir uns diese Woche befasst. Fangen wir an mit dem Mensch in Aufbruchstimmung.

Das ist Rolf Strauß, diese Woche hat er sein Bündel geschnürt. Am Bodensee sieht der Buchhändler , der in Sulzbach über viele Jahre nennenswerte Veranstaltungen kultureller Art auf die Beine gestellt hat, eine neue Zukunft. Seit es das Gewerbegebiet am Quierschieder Weg gebe, habe er die Laufkundschaft vermisst, begründete er diesen Schritt. Eine wirtschaftliche Basis sah er hier für sich nicht mehr gegeben. Und so darf man einen weiteren traurigen Leerstand in der Innenstadt beklagen. Man möchte eigentlich gar nicht wissen, wie sich die weitere Entwicklung gestaltet. Es sei denn, man hat tolle Visionen. Doch wer hat die schon?

Der zweite Mensch, der mir begegnete, ist eine Reinemachefrau. Weil wir derzeit in der Berichterstattung die öffentlichen Toiletten einem Bewertungstest unterziehen, hat sie sich gemeldet. Und haarsträubende Dinge erzählt. Ich wollte erst ausführlich darüber schreiben, was ihr an Schweinereien alles unterkommt, doch ich habe mich letztlich anders entschieden. Weil ich bereits Würgereiz verspürte, als ich meine Gesprächsnotizen hervorholte. Die alleinstehende Frau aber braucht das Geld, ist bei einer Reinigungsfirma angestellt und kriegt somit auch Rente. Also macht sie weiter - mit und ohne Würgereiz.

Der dritte Mensch, das ist Arnold Schmitt aus Quierschied. Der 100-Jährige spielt noch regelmäßig Skat. Das stimmt mich froh, weil auch ich das Skatspiel liebe. Werde ich deshalb auch 100 Jahre alt? Na, vielleicht sollte man doch schöne Visionen entwickeln…