Es darf weiter geschwitzt werden: „Vom Teigkneten zum Pobacken-Kneten“

Es darf weiter geschwitzt werden : „Vom Teigkneten zum Pobacken-Kneten“

Walter und Ute Feick verlassen ihre Massagepraxis und Sauna. Die betreibt der Pächter des Bistros Relax bald weiter.

„Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den Ruhestand“, erzählt Physiotherapeut Walter Feick, der seit über 34 Jahren die Sauna und die Massagepraxis im Sulzbacher Hallenbad betreibt. Angefangen hatte er am 15. Mai 1984. „Das war ein Dienstag“, weiß er noch ganz genau. Vorher musste der gelernte Konditor aus gesundheitlichen Gründen seinen ursprünglichen Beruf an den Nagel hängen und eine neue Ausbildung machen. Er entschied sich für den Beruf des Masseurs. „So kam ich vom Teigkneten zum Pobacken-Kneten“, witzelt er. Aber zum Lachen war ihm damals nicht zumute, denn bis dahin hatte ihm der Mehlstaub das Leben schwer gemacht. Im Nachhinein betrachtet war der neue Berufsweg aber genau das Richtige für ihn. Das Massieren machte ihm Freude, und so hängte er zusätzlich noch eine weitere Ausbildung zum Physiotherapeuten an.

„Das war gar nicht so einfach mit einer jungen Familie, das zweite Kind unterwegs und einer gerade angelaufenen Praxis. Ohne die großartige Unterstützung meiner Frau Ute hätte ich das niemals geschafft“, sagt er voller Stolz. Ute Feick half von Beginn an im Betrieb mit, koordinierte die Termine und hielt ihrem Mann den Rücken frei, wo immer es nötig war. Was beiden stets wichtig war: Die Familie und die Kinder sollten trotz der vielen Arbeit nie zu kurz kommen. „Dass uns das gelungen ist, dafür bin ich meiner Frau, aber auch meinen Schwiegereltern von Herzen dankbar“, sagt Feick. Gemeinsam haben sie so Hand in Hand über die Jahre viele Höhen und Tiefen gemeistert. Beispielsweise den Umbruch nach der ersten Gesundheitsreform in den 90er-Jahren. „Schlimm waren auch die Durststrecken 2003 und 2004. Damals wurden umfangreiche Umbaumaßnahmen am Hallenbadkomplex durchgeführt. Während der Öffnungszeiten gab es natürlich in dieser Zeit jede Menge Lärmbelästigung durch die Bauarbeiten. Da musste so manches Stück Kuchen oder so manches Glas Sekt als Entschuldigung herhalten“, erzählt Ute Feick lachend. Umso dankbarer ist Feick für die Treue derer, die Verständnis zeigten und Praxis und Sauna weiter aufsuchten. An manch kuriose Dinge erinnert man sich hingegen gern. „Zum Beispiel, als ein Saunagast einmal den Wochentag verwechselte und irrtümlich in der Frauensauna gelandet war, was ihm sichtlich unangenehm war. Oder als ich einen Gast in der Praxis innerhalb von Minuten gleich zweimal begrüßte, nachdem ich ihn ohne sein Toupet, das er in der Kabine gelassen hatte, nicht wieder erkannt hatte“, erzählt Ute Feick schmunzelnd.

Der älteste Saunagast ist mittlerweile schon stolze 92 Jahre alt. „Er verbindet den Saunagang gerne mit dem Schwimmbadbesuch und ist immer noch fit. Ich hoffe, mir geht es in diesem Alter einmal ganz genau so“, meint Feick. Nun sind die beiden dabei, ihre Praxis auszuräumen. Viele Geräte sind schon demontiert und entsorgt, denn Ende des Monats soll Schluss sein. Man freut sich auf die neue Freizeit, auf die Arbeit im großen Garten und auf Zeit für eine große Leidenschaft des „Ruheständlers in spe“: das Wandern. „Im letzten Jahr bin ich einmal trotz Regen in acht Stunden 38 Kilometer von Sulzbach nach Zweibrücken gewandert, das war toll“, berichtet er, der notfalls bei großen Touren auch schon mal im Freien übernachtet. „Und endlich muss ich nicht mehr ständig auf die Uhr schauen aus Angst, einen Termin zu verpassen.“ Ab Juni bleibt die Massagepraxis geschlossen. Der Saunabetrieb wird nach einer kurzen Übergangszeit von Sony und Murioglu Sülo, den Pächtern des Schwimmbad-Bistros Relax, übernommen.

Am kommenden Samstag, 26. Mai, nehmen Walter und Ute Feick von 11 bis 18 Uhr in ihren Räumlichkeiten im Untergeschoss des Sulzbacher Hallenbades bei einem Umtrunk Abschied von ihren Kunden.

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