Vom kleinen EssEck zur Tafel für Bedürftige in Sulzbach

Hier gibt es Lebensmittel für bedürftige Menschen : Jetzt hat auch Sulzbach seine Tafel

Vom kleinen „EssEck“ zur echten „Tafel“: Rund 400 Männer und Frauen erhalten Unterstützung im Sulzbach- und Fischbachtal.

So vieles gelingt ihr. Doch eines gelang ihr ganz und gar nicht: Marliese Stay konnte am Dienstag ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Das, was an Lob und Anerkennung für ihre engagierte Arbeit auf sie einstürzte, es berührte offenbar zutiefst ihr Herz. Rita Lampel-Kirchner, die neben ihr stand und ebenso wie die vielen Gäste bei den Feierlichkeiten den Worten des Sulzbacher Bürgermeisters Michael Adam lauschte, nahm sie liebevoll in den Arm. Marliese Stay ist die Chefin der neu gegründeten Tafel in der Auguststraße, die aktuell rund 400 Bedarfsgemeinschaften und Einzelpersonen versorgt - mit Lebensmitteln aller Art. Davon profitieren bedürftige Menschen aus dem Sulzbach- und Fischbachtal, als da sind: der Stadtbezirk Dudweiler, Friedrichsthal, Quierschied und natürlich auch Leute aus der Stadt Sulzbach selbst.

Die Vorsitzende der Tafel Sulzbach-Fischbachtal, das ist Rita Lampel-Kirchner. Gemeinsam mit ihren Kollegen im Vorstand des Vereins freut sie sich darüber, dass inzwischen die Aufnahme in den Bundes-Dachverband Tafel e. V. erfolgte. Diese Aufnahme ist deshalb wichtig, weil man nun ganz offiziell von Supermärkten und anderen Geschäften Lebensmittelspenden entgegen nehmen kann.

Jeden Dienstag hat die Tafel von 11 bis 14 Uhr geöffnet. Und so fanden sich auch am Tag des offiziellen Festaktes mit Vorstand, Helfern und Verwaltungschef viele Bedürftige in den gepflegten Räumlichkeiten ein. „Allein heute kamen fünf neue Kunden“, erzählte die 68-jährige Tafel-Chefin. Und sie ging ausführlich auf die gute Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen in der Region ein. So habe man just am Montag bei den Tafel-Kollegen in Neunkirchen einen Überschuss an Lebensmitteln abgeholt. Beladen sei am Ende nicht nur ein Auto, sondern auch ein Kleinbus gewesen. Im Übrigen unterhalte man auch beste Kontakte zu den ehrenamtlich tätigen Männern und Frauen bei der Saarbrücker Tafel, die auch schon sehr viel geholfen hätten. Zwischen Fenchel, Lauch und Lebkuchen meint die agile Rentnerin zudem, dass man den einen Euro, den die bedürftigen Menschen hier entrichten müssen, ruhig auf 2 Euro anheben sollte. Zwei Vorstandsmitglieder signalisierten da schon mal ihre Zustimmung. „Was nix koschd, iss nix“, sagt der Saarländer und hebt damit ab auf die allgemeine Wertschätzung einer Ware.

Wer hier in der Auguststraße „einkaufen“ möchte, muss seine Bedürftigkeit nachweisen, sagt Chefin Stay. Also legt er seinen Rentenbescheid vor oder eine Bescheinigung vom Jobcenter. Und dann steht der Versorgung mit frischer und haltbarer Nahrung nichts mehr im Weg. Apropos haltbare Ware: Mit ihr ging vor zwei Jahren in Sulzbach das EssEck in Betrieb. Klein und bescheiden fing es an und dehnte sich, vor allem hinsichtlich der Kundenfrequenz, immer mehr aus. Und nun stehen sechs Helfer der Tafel zur Verfügung. Marliese Stay lobt dieses „tolle Team“, das kräftig zupackt und den Laden am laufen hält. Proper ist es hier, freundlich ist es hier, wie auch Verwaltungschef Adam feststellte.

Der evangelische Pfarrer Ulrich Hammer, Tafel-Vorstandsmitglied in Sulzbach, sagte im Übrigen genau das, wozu alle Gäste unisono nachdenklich nickten: „Am schönsten wäre es ja, wenn wir gar keine Tafel mehr bräuchten.“

Kontakt: Marliese Stay, Tel. (0157) 79 65 33 97; E-Mail: Marliese.Stay@gmx.de.

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