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Unzählige Ratten und ein großes Dilemma

Rattenplage : Unzählige Ratten und ein großes Dilemma

Seit Jahren werden in Sulzbach Hausbesitzer von Nagetieren gepeinigt, die ein Mann in ihrer Nachbarschaft anlockt. Am Mittwoch schritt die Ortspolizeibehörde ein.

Vor fünf Jahren waren noch Polizeibeamte vor Ort und das nicht ohne Grund. Sie traten in Aktion zum Schutz derjenigen Leute, die in Sulzbach ungehindert ihrer Arbeit nachgehen wollten. Damals war der Herr des Hauses sehr aufgebracht und aggressiv, als der Tross von Amts wegen sein Grundstück betrat. Am Mittwochmorgen allerdings beließ er es bei teils lautem Fluchen. Verzweiflung schwang da ein wenig mit, Hilflosigkeit wohl auch, doch an der Aktion, die dann folgte, änderte es nichts.

Zwei Schädlingsbekämpfer, der Chef der Ortspolizeibehörde mit einem Kollegen, ein Mann plus zwei Frauen vom Gesundheitsamt sowie ein Schlosser in städtischen Diensten rückten an. Nur der Betreuer des Hausbewohners, ein Saarbrücker Rechtsanwalt, ließ sich nicht blicken. So also war der Mensch fortgeschrittenenen Alters ganz auf sich allein gestellt. Dieser Mann, der seit Jahren mit unzähligen Ratten zusammenlebt. Sie offenkundig auch anlockt durch reichlich Futter. Ein Berg von Dosen, in denen mal Katzenfutter war, zeugt davon. Der Senior macht der Nachbarschaft das Leben zur Hölle. Die SZ hat mit einigen von ihnen geredet. Mit denen, die hier, im Oberdorf, sehr gepflegte Grundstücke haben, die gerne ihren Gartenpool an den nun warmen Tagen genießen, oder unbeschwert mit der Familie grillen würden. Die so gern ihre kleinen Kinder sorglos draußen würden spielen lassen, doch all das geht nicht. Weil die Ratten sie tyrannisieren, weil sie allgegenwärtig sind. Weil man hier das kalte Grausen kriegt. Weil man sich ekelt und sich schüttelt beim Anblick der verhassten Nager, die im weiten Umkreis Angst und Schrecken verbreiten.

Ein betroffener Hausbesitzer zeigt uns ein Handy-Video. Darauf zu sehen, wie die gut genährten Tiere im Garten des Mannes, der sie nicht fürchtet, in Scharen hin und her huschen - auf einem beachtlichen Haufen mit Lebensmitteln. ,,Der Mann tut mir richtig leid. Der kriegt von keiner Seite geholfen. Man will ihm auch wirklich nichts Böses", sagt der Hausbesitzer mit dem Handy. Der Zustand des Nachbarn lässt ihn offenbar nicht kalt.

Das Grundstück konnte zwecks Inspektion am Mittwochmorgen betreten werden. Der Herr des Hauses zeigte sich kooperativ.

Der wiederum leugnete am Mittwoch den Rattenbefall in seinem direkten Umfeld, den die Schädlingsbekämpfer Bernd Poepel und Detlev Lergon der Firma Delex jedoch sofort erkannten. Die beiden Männer machten sich nach erster Sondierung der Lage auch gleich daran, ihre Fallen gezielt zu platzieren. ,,Oijoijoi" entfuhr es einem der Beiden, als er wieder nach oben kam. Worauf der Hausherr ankündigte, die Fallen umgehend in die Mülltonne zu entsorgen. Und dies ist das eigentliche Dilemma. Denn auf Dauer wird es so keine Lösung geben. Richard Michaely, der Leiter der Ortspolizeibehörde ist sich dessen auch bewusst. Offenbar steht der Verwaltung nach fünf Jahren auch wieder eine Entrümpelungsaktion bevor. Die von damals war gewaltig, sie kostete die Stadt rund 9000 Euro, sagt Michaely. Containerweise wurde 2012 über lange Zeit gesammelter Unrat, unter dem sich die Ratten prima verschanzen konnten, abgefahren. Und jetzt? Ist der Keller nach den Ausführungen einiger Augenzeugen auch wieder zugemüllt. Wie dem auch sei, die Schädlingsbekämpfer werden diese Woche wohl nicht das letzte Mal im Oberdorf gewesen sein. Und die Stadt vermutlich auch nicht zum letzten Mal mit der Sache konfrontiert. Ihre Aufgabe aber ist es, die Bürger zu schützen, die endlich wieder so leben wollen wie andere Menschen auch. Die auch gern mal die Kellertür würden aufstehen lassen. Oder unten ein Fenster, nur mal zum Lüften. Doch das bleibt wohl bis auf Weiteres ein unerfüllter Traum.