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„Träume sind besser als Krieg“

„Träume sind besser als Krieg“

Als minderjährige Flüchtlinge kamen sie aus Afghanistan nach Deutschland. Einige hatten zuvor noch nie eine Schule besucht. Jetzt haben sie ein erstes Ziel erreicht. Sie halten ihr Abschlusszeugnis in der Hand.

Firad Yousehi ist sichtlich stolz, als er sein Abschlusszeugnis des Berufsvorbereitungsjahrs (BVJ) vom BBZ Sulzbach in den Händen hält. Ende 2009 kam er nach Saarbrücken, nachdem er aus seiner Heimat Afghanistan geflohen ist und beantragte hier Asyl. Damals konnte er weder Deutsch noch hat er jemals zuvor eine Schule besucht. Nun hat er die Möglichkeit sich einen großen Traum zu erfüllen und eine Ausbildung zum Metallbauer zu machen. "Ich habe viele Träume hier: Haus kaufen, heiraten, Familie gründen", erzählt Firad, "das meiste sind nur Träume, aber alles ist besser als Krieg."

Firad ist einer von 25 Flüchtlingskindern, die ohne Begleitung nach Deutschland kamen und am BBZ das BVJ machten. Dort belegten sie die Fächer Deutsch, Mathematik, Wirtschaft-Sozialkunde, Sport und fachpraktischen Unterricht. Neun von Ihnen gelang sogar der Hauptschulabschluss.

Einer von ihnen ist der 19-Jährige Mohammad Nabi Kharoti. Er hat sogar schon eine Zusage für seine Ausbildung als Maler bekommen. In seiner Heimat Afghanistan hat er die elfte Klasse besucht, bis er Anfang 2012 nach Saarbrücken kam. "Als ich hier ankam, habe ich erst vier Monate lang einen Sprachkurs in Deutsch gemacht", erzählt Mohammad, "ich konnte vorher kein Wort und kannte hier auch niemanden. Aber wir haben einen Betreuer bekommen, einen Sozialarbeiter, der sich um uns gekümmert hat." Zusammen mit den anderen minderjährigen Flüchtlingen, die ohne Begleitung kamen, wohnt er im Clearinghaus in Völklingen. Für seine Zukunft hat er - wie alle anderen - viele, aber auch sehr bodenständige Ziele und Träume: "Eine Ausbildung machen, arbeiten, Geld verdienen, vielleicht sogar ein schönes Auto und eine hübsche Frau finden."

"Der Unterricht für und mit den Kindern ist sehr anspruchsvoll", sagt Lehrer Michael Rasch, "die meisten können erst seit kurzem Deutsch, haben unterschiedliche Voraussetzungen, was ihre Schulbildung angeht, sind zum Teil traumatisiert und haben Angst abgeschoben zu werden." Die meisten Schüler wollen in Deutschland bleiben und hier eine Ausbildung machen. Um hierher zu kommen, mussten sie einiges auf sich nehmen: lange Fluchtrouten, Schlepper, Geldnot und ständige Angst.

"Hier bei uns bekommt jeder eine Chance, keiner wird hängen gelassen", sagt Studiendirektor Werner Kaiser, "damit sie alle den Schulabschluss packen, sind die Stundenpläne extra auf sie angepasst. Am Anfang steht vor allem Deutsch im Vordergrund." Außerdem werden die 30 Schüler pro Schuljahr in zwei Klassen mit unterschiedlichem Sprachniveau aufgeteilt. "Nächstes Jahr können wieder 30 Jugendliche einen Abschluss bei uns machen", erzählt Kaiser, "vielleicht können wir den Stundenplan dann sogar noch etwas optimieren und die Praktikumsbreite etwas mehr streuen, damit die Kinder einen besseren Eindruck davon bekommen, welche Ausbildungsmöglichkeiten sie haben."