Tätige ohne Werkzeuge

Das Bild des Arbeiters ohne Werkzeuge – treffend für ein Jobcenter. Im neuen Jobcenter in Sulzbach sind Gemälde von Werktätigen aller Art zu sehen. Gemalt hat sie eigens für den Bau der Künstler Armin Rohr.

Das Gebäude des Jobcenters in Sulzbach ist ganz neu, es wurde erst vor wenigen Wochen eingeweiht. Aber noch bevor Mitarbeiter, Möbel und Inventar einzogen, hingen bereits Gemälde in den Fluren und Treppenaufgängen. Sie stammen von Armin Rohr, bekannter, freischaffender Künstler aus Saarbrücken. Er hatte von Andreas Timm, Architekt und Technischer Projektmanager der LEG Saar, Landesentwicklungsgesellschaft des Saarlandes, den Auftrag erhalten, verschiedene, zum Teil recht kleinformatige, Gemälde für das Gebäude zu schaffen. "Die Idee kam mir im März auf der Sulzbacher Preisverleihung des Fritz-Zolnhofer-Preises an Armin Rohr. Ich kannte ihn aus Saarbrücken schon länger und dachte mir, er wäre der Richtige, um meinen Wunsch, die am Bau beteiligten Handwerker dauerhaft zu zeigen, künstlerisch zu realisieren", erklärt Andreas Timm. Armin Rohr war sofort einverstanden.

Und der Künstler und der Architekt haben sich ein ganz besonderes, sehr treffendes Konzept ausgedacht. Zuerst sollte das Thema Arbeit im Mittelpunkt der Gemälde stehen, passend zum Ort des Jobcenters. Damit die Arbeiter konzentriert gezeigt werden können, wurde auf jedes Beiwerk, jede erklärende Szenerie verzichtet. Der Hintergrund ist jeweils weiß und flächig, die Farben der Figuren sind zurückgenommen, sie sind fast nur in Pastelltönen ausgeführt. Dann wurden den dargestellten Arbeitern und Handwerkern ihre Werkzeuge genommen. Das, was sie eigentlich in Händen hielten, ist nun ebenfalls weiße Fläche, verliert sich im Bild. Manch dargestellter Beruf ist so nicht ganz klar zu erkennen, aber dafür ist das Bild des Arbeiters ohne Werkzeug für ein Jobcenter umso treffender. "Wichtig war uns auch, dass die Gemälde weder gerahmt, noch besonders wertend gehängt werden. Sie sind ganz einfach an die Wand geschraubt. Denn die Werke sollen beiläufig wirken, eher skizzenhaft und improvisierend", erzählt Armin Rohr. Daher hängen die Gemälde auch nicht dekorativ in Reihe, sondern in unterschiedlichen Höhen und an den verschiedensten Stellen.

Wer sich die Zeit nimmt und die Gemälde betrachtet, der findet die eine oder andere Überraschung. Denn zuerst sind viele der Handwerker dargestellt, die tatsächlich am Bau gearbeitet haben. Dann hat Armin Rohr nicht nur arbeitende Männer gemalt, der Frauenanteil in den Gemälden ist in etwa gleich groß. So sind Bäckerinnen, Sozialarbeiterinnen, oder eine Podologin zu sehen. Selbst eine Politikerin ist zu finden. Der Künstler hat die "Chefin" höchstpersönlich, Arbeitsministerin Andrea Nahles , augenzwinkernd dargestellt. Außerdem existiert in vielen Gemälden ein saarländischer Bezug, denn Armin Rohr hat auch Stahlarbeiter, Bierbrauer, Glasbläser und natürlich einen Bergmann gemalt, dessen Abbild man vielschichtig deuten kann. "Der Bergarbeiter arbeitet nicht, er hat Pause. Und er war mir gerade in Sulzbach sehr wichtig". Fast versteckt, hinter einem Gummibaum, findet sich dann sogar ein Selbstporträt. "Auch Künstler ist ein ganz normaler Beruf", erklärt Armin Rohr uneitel.