1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Sulzbach

Täglich ein Schnäpschen und die Saarbrücker Zeitung

Täglich ein Schnäpschen und die Saarbrücker Zeitung

Der älteste Senior in der Stadt Sulzbach vollendet heute das 101. Lebensjahr. Und weil das so ist, lädt er Freunde und Bekannte zum Mitfeiern ein. Zu erzählen hat Heinz Andes viel, wie die SZ beim Hausbesuch feststellen durfte.

"Es war ein sehr heißer Sommer", erinnert sich Heinz Andes an das vergangene Jahr, denn er hat den Überblick. Heute feiert der rüstige Senior seinen 101. Geburtstag. Heinz Andes ist somit der älteste Sulzbacher. Nur drei Damen in der Salzstadt sind genauso alt wie er. "Ich habe letztes Jahr viel draußen auf dem Balkon gesessen", der Blick ging dabei immer wieder in "seine" Siedlung. Denn zusammen mit einigen Bauwilligen errichtete Heinz Andes Anfang der 1950er Jahre die Kettler-Häuser in Altenwald . "Mittlerweile habe ich die anderen Bauherren alle überlebt", erklärt der Jubilar. Wer ihn in seinem Haus trifft, wundert sich, wie fit der Senior noch ist. Selbst den Haushalt macht Heinz Andes zu großen Teilen noch selbst: "Das Essen kommt aber vom fahrbaren Mittagstisch".

Der Rentner beginnt, aus seinem langen Leben zu erzählen. Am 28. Januar 1915 wurde er in der Hauptstraße 101 in Schnappach geboren. Bevor er seinen Vater richtig kennenlernen konnte, verlor er ihn schon ein Jahr später im Ersten Weltkrieg. Wenn der lebensfrohe Senior plaudert, nimmt auch der Fanfarenzug viel Raum ein, mit dem er rund um Sulzbach oft unterwegs war. Und die Saarbrücker Zeitung hat er schon "länger als 60 Jahre abonniert. Ich lese jeden Tag, um mich zu informieren", sagt Heinz Andes, der dankbar ist für ein langes und erfülltes Leben und der geistig rege noch gerne Anteil nimmt an dem Geschehen in seiner Heimatstadt. Ein weiteres Lebenselixier: "Jeden Tag trinke ich einen Schnaps und mein Gläschen Wein." Bis zu seinem 90. Lebensjahr war der Mann auf der Straße unterwegs, seinen Führerschein besitzt er heute noch. Und 2012 feierte er mit seiner mittlerweile verstorbenen Frau Erika den 70. Hochzeitstag, also das seltene Fest der Gnadenhochzeit .

Auch dunkle Jahre gab es in seinem Leben. Als junger Mann musste Heinz Andes in den Krieg ziehen. Der sollte ihm zehn Jahre seines Lebens nehmen. Es verschlug ihn nach Kreta, später kamen noch zwei Jahre in Gefangenschaft dazu. Damals, so erzählt der Jubilar, nahm er sich vor, nach Lourdes zu pilgern, wenn er wieder gesund nach Hause kommt. Dieses Versprechen löste er in den Jahren danach mehrmals ein. Lourdes habe ihm als Ort "immer wieder viel Kraft gegeben". Nach dem Krieg raufte sich Heinz Andes mit Gleichgesinnten zusammen. Die jungen Männer gründeten den Kettlerverein Altenwald . In insgesamt 4558 Arbeitsstunden bauten sie die Siedlungshäuser auf, von denen Heinz Andes bis heute zusammen mit seiner Tochter Ulrike eines bewohnt. Sein Leben lang hat der Jubilar "uff da Grub geschafft", zuerst zehn Jahre als Bergmann unter Tage, dann als Verwaltungsangestellter bei Saarberg. Und der Verband der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer des Saarlandes ernannte ihn im Jahre 2001 für seine über 40-jährige Mitgliedschaft zum Ehrenmitglied auf Lebenszeit. Als im selben Jahr von der Stadt Sulzbach erstmals die Bürgermedaille für besonderes ehrenamtliches Engagement verliehen wurde, gehörte Heinz Andes zu den Geehrten. Auch im Gartenbauverein und im Bürgerhilfsverein engagierte sich der Jubilar. Überhaupt war er in seiner Heimatstadt Sulzbach dort zu finden, wo sich Menschen trafen. Deshalb denkt er auch mit Freude an die große Sause zu seinem 100. Geburtstag im vergangenen Jahr zurück.

Und was wünscht er sich nun? "Ich möchte 102 Jahre alt werden", stellt Heinz Andes ganz klar fest. Doch zuvor lädt er heute ab 11 Uhr wieder zur "großen Sause", einem Tag der offenen Tür", ins Restaurant Altenwald (ehemaliges Naturfreundehaus) ein. Viele Weggefährten und Freunde werden "em Andes Heinz" dann wieder gratulieren - die Saarbrücker Zeitung schließt sich allen guten Wünschen natürlich sehr gerne an.