Sulzbacherin erlebt mit kranker Katze Odyssee auf der Suche nach Hilfe

Kostenpflichtiger Inhalt: Tierschutz-Drama : Katzen-Schicksal empört Sulzbacherin

Tierfreundin fand beim Spaziergang ein Häufchen Elend. Aber damit fing der eigentliche Stress erst an.

Dieses Tierschicksal wird Manuel Preßmann nicht vergessen. Preßmann fand eine halb verhungerte und verdurstete Katze, die sie Kitty nannte, am 28. September bei einem Spaziergang mit ihrem Hund im Wald bei Neuweiler. Ihr war sofort klar, dass das Tier auf dem schnellsten Wege medizinische Hilfe benötigt. „Also Katze einpacken, losrennen, zur Tierklinik in Spiesen-Elversberg fahren.“ Die Leute dort hätten sich direkt und vorbildlich um das Kätzchen gekümmert. „Den Fundbericht für die Stadt Sulzbach habe ich vor Ort ausgefüllt und habe mich die nächsten Tage regelmäßig über den Zustand der Katze erkundigt.“ Das Tier sollte ins Saarbrücker Bertha-Bruch-Heim. Preßmann selbst wollte die Katze am 2. Oktober, einem Mittwoch, dorthin fahren. In der Annahme es sei alles zwischen der Klinik, der Stadt Sulzbach und dem Tierheim abgesprochen, fuhr Preßmann nach Alt-Saarbrücken. Doch zu ihrem Erstaunen wusste dort niemand über den Neuzugang Bescheid.

Mehr noch: Ein folgenschwerer Irrtum stand der Aufnahme im Heim entgegen. „Es wurde wohl vorausgesetzt, dass jedes Fundtier dort abgegeben werden kann“, sagt Preßmann. Doch das ist derzeit nicht der Fall. Denn einen Vertrag über die Aufnahme und Betreuung von Fundtieren gibt es nicht zwischen dem Tierschutzverein Saarbrücken als Heimbetreiber und der Stadt Sulzbach.

Was also tun? Preßmann nahm Kitty mit nach Hause – zu einer für Notfälle ungünstigen Zeit, lag doch darin ein Feiertag. Alles in allem war das Tier eine Woche bei der Finderin, „weil sich natürlich über den Tag der Deutschen Einheit und das verlängerte Wochenende von der Stadt niemand wirklich zuständig fühlte“.

Die Tierfreundin kam für die in dieser Zeit erforderlichen Arztbesuche zur Kontrolle und zum Verbandswechsel auf, „was dem armen Tier natürlich zusätzlich Stress verursacht hat“. Wie viele Telefonate Preßmann mit dem Heim und der Stadt Sulzbach geführt hat, kann sie nicht mehr sagen. Die Tierheimmitarbeiter seien sehr bemüht gewesen, eine zufriedenstellende Lösung zu finden. Aber Preßmann erfuhr bei dieser Gelegenheit eben auch, dass es keine Vereinbarung zwischen der Stadt Sulzbach und dem Heim für diese Art von „Fundsachen“ gibt.

Preßmann erinnert sich: „Als ich im Fundbüro der Stadt Sulzbach vorgesprochen habe, musste ich mir dann von einer lächelnden Dame erläutern lassen, dass sie ja in dieser Sache nichts entscheiden könne. Ich solle die Katze vorbeibringen, und sie werde dann bei einer Privatperson untergebracht. All meine Versuche, der Dame zu erklären, dass das arme Tier jetzt an einer Stelle zur Ruhe kommen müsse, wo es regelmäßig und vor Ort tierärztlich betreut wird und die Wunden verheilen können, wurden mit einem neuerlichen Lächeln beantwortet.“

Erst auf nochmaliges Drängen sowie auf Telefonate Preßmanns und des Saarbrücker Bertha-Bruch-Heims sei das Tier im Oberwürzbacher Katzenhaus untergebracht worden. Diese Einrichtung betreibt der Verein der Katzenfreunde, der seinen eigentlichen Sitz in Wadgassen hat. Preßmann bedauert, dass sie selbst das Tier nicht behalten konnte. „Ich war aber erschüttert, wie man behandelt wird, wenn man eigentlich nur helfen möchte. Ich würde jederzeit das Gleiche wieder tun und solange kämpfen, bis die beste Möglichkeit gefunden ist.“ Dennoch bleibe für sie die Frage offen, „wie in einem so paragraphenversessenen Land wie unserem solch chaotische Zustände herrschen können“.

Es werde für alle Fälle ein unfassbarer Aufwand betrieben, aber für „Felle“ gebe es kein Schema, keine Vorschriften, kein Geld. „Wie kann das sein? In einem Land der Hundebesitzer, der Katzenhalter, der Tierschützer? Wenn ich diese Zeilen schreibe, spüre ich wieder das Unverständnis und die Enttäuschung über diese Situation. Es ist wirklich Zeit für Veränderung.“

Eine Chance dafür wäre ein Vertrag zwischen allen Regionalverbandskommunen und dem Tierschutzverein Saarbrücken, wie dieser ihn gerade erst wieder angemahnt hat („Tierschützer fordern sichere Einnahmen“ – SZ vom 6. November). Sähe der Vertrag nach dem für das Dillinger Tierheim beschlossenen Zuschuss-Modell 90 Cent pro Einwohner und Jahr vor für das Bertha-Bruch-Tierheim, so ergäbe das 270 000 Euro jährlich.