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Na, dann Prost!
Wohlschmeckender Abschluss fürs Projekt

Leckeren Saft, sozusagen Gesundheit in Gläsern, gab es für die Schüler vom Ernährungsrat.
Leckeren Saft, sozusagen Gesundheit in Gläsern, gab es für die Schüler vom Ernährungsrat. FOTO: Iris Maria Maurer
Altenwald. Ernährungsrat Saarland spendiert Waldschülern Apfelsaft. Er will mehr Gesundheit auf dem Tisch. Von Anja Kernig

„Hmm, lecker.“ Lucan ist begeistert. So sehr, dass er den angebrochenen 5-Liter-Behälter gern selbst in den Klassensaal schleppen möchte – oder, noch besser, gleich die kompletten 40 Liter Apfelsaft. Naturtrüb und original „made in Saarland“. Überreicht wurden diese den Eichhörnchen und Drachen, sprich den beiden zweiten Klassen der Grundschule Altenwald, dieser Tage von Philipp Jochum, Udo Scheidt und Stefan Mommenthal. Womit das erste Projekt dieser Art des noch jungen Ernährungsrates Saarland einen wohlschmeckenden Abschluss fand.


Angetreten ist der 2017 gegründete Verein, um ernährungspolitische Themen auf den Tisch zu bringen – für mehr „Ernährungssouveränität“. Womit man quasi nebenbei gleich noch die lokale Landwirtschaft stärkt, die Umwelt schont und den Verbrauchern mehr Produktsicherheit und Wissen verschafft. Soweit die Theorie. Ein ganz konkretes Anliegen hatte die Leiterin der Evangelischen Kita Regenbogen „Am Homburg“ in Saarbrücken. Das ist eine Partnereinrichtung des Vereins. Man werde der anfallenden Obstmassen im Außengelände der Einrichtung einfach nicht Herr, meldete Susanne Neuberger SOS. Gern nahm sich der Ernährungsrat dieser Sache an und schaute sich das vor Ort an. Auf dem ganz kleinen „Dienstweg“, sprich über private Kontakte, kamen die Waldschule und Klassenlehrerin Ulrike Lenhard ins Spiel, erzählt Vize-Vorsitzender Scheidt.

„Wir sind im September einen Nachmittag mit Eltern und Schülern hingefahren und haben in der Kita vor allem Pflaumen, aber auch Äpfel geerntet“, berichtet die Lehrerin. Ein Teil der etwa 20 Kilo wurden in der Schule mit Unterstützung einiger Mütter zu Quetschekuchen verarbeitet.



Aus dem Rest zauberte Ernährungsrat-Mitglied Mommenthal, seines Zeichens Koch und angehender Berufsschullehrer, zusammen mit den Kindern Marmelade – ein Riesenspaß. „Manche Pflaumen hatten Würmer. Da hieß es erst mal Iiiehh!“, erinnert sich Ulrike Lenhard. Später gingen die Mädchen und Jungen dann „ganz gelassen damit um“. Hoch her ging es auch beim Apfelschneckenbacken und Apfelmuskochen: Die langen Apfelschalen-Spiralen wurden wie Spaghetti angesaugt. Auch da gab es ein Aha-Erlebnis: „Die sind ja essbar.“ Generell sei es wichtig für die Kinder, zu erleben, wo Nahrungsmittel eigentlich herkommen – nämlich nicht aus dem Supermarkt, sondern vom Acker, vom Strauch oder vom Baum – und wie sie verarbeitet werden. Wobei Ernährung im Unterricht generell immer wieder thematisiert werde, betont Ulrike Lenhard. Gesundes Frühstück beispielsweise oder Zusatzstoffe, sprich, „was gehört in Nahrungsmittel rein und was nicht“.

Damit nicht genug, erntete der Ernährungsrat selbst einige Kisten Äpfel, die in „Nachbars Garten“ sich selbst überlassen blieben. Gekeltert wurden die Früchte vom Obst-und Gartenbauverein Kirkel. Eine runde Sache also, einmal mehr, wenn man weiß, dass die ganze Aktion „aus der Hüfte geschossen“ und innerhalb weniger Tage realisiert war, sagt Scheidt. Wobei man aufgrund der Obstschwemme locker 1000 Liter Apfelsaft hätte produzieren können. Nächstes Jahr wolle man diese Aktivitäten unbedingt fortsetzen. „Unser Ziel ist es, Obst, um das sich niemand kümmert und das sonst verloren geht, zu retten und aufzubereiten.“ Ein Dankeschön des Vereinsvorsitzenden Jochum und seiner Vereinskollegen geht an alle „tatkräftigen“ Mithelfer, darunter die Eltern und die Nachmittagsbetreuung der Arbeiterwohlfahrt (Awo). „Für uns ist das ein gelungenes Beispiel dafür, wie neue Kooperationen in einem wichtigen Thema auch über Stadtgrenzen hinaus realisierbar sind.“